Der eigene Bioladen
Ob Chia-Samen, Amaranth oder Quinoa: Elisabeth Koch kennt sich mit ihren Waren aus. Foto: Martin Koch

Der eigene Bioladen

Vor fünf Jahren hat Elisabeth Baumann einen Bioladen in Essen übernommen. Ihr Fazit: Sich einen Traum zu erfüllen, ist gar nicht so schwer – nur gut vorbereitet muss man sein.

Text: Martin Koch 

Die Tür zum „Bioladen am Stadtwald“ im gleichnamigen Essener Stadtteil geht auf, und herein kommt ein junger Mann mit Sohn. Mit einem strahlenden Lächeln begrüßt Elisabeth Baumann die beiden – sie sind Stammkunden. „Wir haben gerade Ihr Lieblingsbrot reinbekommen, ist noch ganz warm“, sagt die sympathische 61-Jährige mit den zum Zopf gebundenen weißen Haaren und reicht das Brot über den Verkaufstresen.

Der Kunde packt das Brot in den Korb und geht dann mit seinem Filius weiter durch den gut 100 Quadratmeter großen Laden, am Obst- und Gemüseregal vorbei, zwischen Kosmetik-Ecke und Tee-Regal hindurch zu den Molkereiprodukten in der Kühltruhe.

"Ohne Begeisterung geht es gar nicht"

So wie bei den beiden weiß Elisabeth Baumann bei vielen ihrer Kundinnen und Kunden, was in den Einkaufskorb wandert. Dieses Interesse am Umgang mit den Menschen und ihren ganz individuellen Wünschen ist eine der wesentlichen Voraussetzungen, die ein Bioladenbetreiber mitbringen muss, sagt sie – und ergänzt gleich eine weitere: „Begeisterung für Lebensmittel. Ohne die geht es gar nicht.“

Diese Begeisterung lebt die gebürtige Schwäbin, die seit mehr als 40 Jahren in Essen wohnt, in ihrem Laden aus – sehr zur Freude der Kundschaft, wie sie mit einem Schmunzeln erzählt: „Mir hat neulich eine Kundin gesagt: Man sieht dir an, dass du die Lebensmittel gerne verkaufst!´ Das ist ein tolles Lob, oder?! Besser geht‘s nicht!“ Doch Begeisterung reicht nicht aus, warnt sie: „Man muss sich überlegen, in welchem Stadtteil man es machen will. Die Leute müssen bio-affin sein, und auch willens und in der Lage, die höheren Preise zu zahlen.“

"Meine kaufmännische Ausbildung hat mir sehr geholfen"

Sie kannte den „Bioladen am Stadtwald“ schon lange Jahre als Kundin, als sich die Gelegenheit ergab, den Laden selbst zu übernehmen. „Meine gründliche kaufmännische Ausbildung hat mir sehr geholfen. Da hatte ich vermutlich bessere Chancen als ein Fachfremder, der das machen will“, sagt die gelernte Bilanzbuchhalterin, die vor der Übernahme des Ladens gleichzeitig selbstständig und angestellt gearbeitet hat.

Man müsse schnell die Strukturen erkennen, wie so ein Laden funktioniert, aber das könnten sicher auch Ingenieure, Agrarwissenschaftler oder Diplom-Mathematiker. „Und wenn man sich immerzu Wissen aneignen will, dann kann das klappen.“

Wareneinkauf, Dienstpläne, Deko - es gibt viel zu tun

Sie selbst hat für den eigenen Laden vor allem die Kenntnisse im Bereich Selbstverwaltung und Buchhaltung mitgebracht; „das andere habe ich gelernt“. „Das andere“, das sind neben der Warenkunde zu den Produkten im Sortiment auch Kenntnisse über die diversen Bio-Siegel und Öko-Richtlinien. Zu den Aufgaben einer Bioladenbesitzerin und -betreiberin gehören außerdem das Anlernen der Beschäftigten, das Erstellen von Dienstplänen, die Verhandlungen mit den Lieferanten und der Wareneinkauf, die Präsentation des Sortiments im Laden, die Organisation von Sonderaktionen, die Dekoration des Ladens entsprechend der Jahreszeiten und besonderen Anlässe wie Weihnachten, Ostern oder Erntedank.

Vieles davon wird bei Fortbildungen und Schwerpunktseminaren vermittelt. Doch allein die schiere Menge der Aufgaben lässt erahnen, dass die Chefin das niemals alleine bewältigen könnte. Das bestätigt auch Elisabeth Baumann: „Wenn jemand einen Laden übernimmt oder neu startet, sollte er gucken, dass er mit einem Großhändler zusammenarbeiten kann, der viel Unterstützung geben kann. Verlässliche Mitarbeiter sind wichtig, die Bereitschaft zu einer 60-Stunden-Woche und Begeisterung für Lebensmittel.“

Man müsse zudem beraten können, „denn es gibt immer mal wieder etwas Neues wie Chia-Samen, Amaranth oder Quinoa. Dann muss ich den Kunden sagen können, was daran gut ist und was eine Modeerscheinung.“

Sehr wichtig sei auch eine genaue Prüfung der Bilanzen des Vorgängerbetriebes, wenn dieser übernommen werden soll, rät Elisabeth Baumann. Sie hat zwar bei ihrem Start die Ladeneinrichtung und viele der Mitarbeiter übernommen, aber ansonsten komplett neu angefangen; für eine Mittfünfzigerin ein mutiger Schritt. Doch der hat sich gelohnt, sagt sie mit einem Leuchten in den Augen und schwäbischem Dialekt: „Wenn ich allein im Laden bin, viel zu tun hab, alle bedienen kann und trotzdem noch ein nettes Wort schwätzen kann, dann geht‘s mir richtig gut!“

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