„Geben Sie Ihrer Jobsuche eine klare Struktur“
Anspruchsvolle, aber erreichbare Ziele - So klappt es mit der Jobsuche. Foto: © Studio M / Fotolia.de

„Geben Sie Ihrer Jobsuche eine klare Struktur“

Wenn man nach einer festen Stelle sucht, liegen die Nerven oft blank. Besonders bei jungen Menschen, die noch wenig Erfahrung haben. Sie brauchen einen klaren Projektplan, sagt Karriereberater Holger Moller.

Wie blicken Absolventen auf den bevorstehenden Berufseinstieg?

Holger Moller: Ich erlebe in Gesprächen viel Unsicherheit und auch eine Menge Hilflosigkeit. Viele Studierende verdrängen den Berufseinstieg immer noch bis nach ihrem Abschluss. Es gibt fünf klassische Phasen, die viele nach ihrem Abschluss durchleben. In der ersten Phase wird erst einmal gefeiert. Alle sind froh, dass sie die nervenaufreibende Zeit bis zu den Prüfungen geschafft haben.

Nach einigen Wochen kommt häufig eine erste Krise. Es ist klar, dass das Geld irgendwann ausgeht und dass die Arbeitgeber nicht Schlange stehen. In der dritten Phase nehmen die Absolventinnen und Absolventen dann Anlauf. Jetzt beschäftigen Sie sich sehr ernsthaft mit der Frage, in welchen Bereichen Sie gerne arbeiten möchten.

In der vierten Phase wird „gestrampelt“: Man schreibt Bewerbungen, bereitet sich auf Vorstellungsgespräche vor, bekommt Absagen, versucht es erneut. Hier herrscht viel Frustration. Das Selbstbewusstsein leidet. Die letzte Phase ist die „Landung“. Im Idealfall hat man seinen ersten Job gefunden.

  • Holger-Moller-CoachZur Person 
  • Holger Moller hat bei der Arbeitsagentur gearbeitet und auf freiberuflicher Basis für das Career Center der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Heute berät er als Karrierecoach Studierende und Absolventen beim Berufseinstieg.
  • Holger Moller bloggt unter http://berufseinstieg.holger-moller.de. Unter anderem bietet er eine kostenlose 14-Tage-Challenge an, bei der die Teilnehmer/innen lernen, ihrer Jobsuche einen klaren Rahmen zu geben. 

Aus Ihrer Sicht: Welche Fehler begehen viele Menschen bei der Jobsuche?

Moller: Ein Manko besteht aus meiner Sicht darin, dass sich viele kein klares Ziel setzen. Sie sind von Anfang an extrem flexibel und können sich überspitzt gesagt alles vorstellen. Das merkt man den Bewerbungen aber leider auch an. Sie sind oft diffus, halbherzig und wenig überzeugend.

Ich plädiere dafür, dass man ein klares Ziel entwickeln sollte. Zum Beispiel: „Mein Ziel ist es, ein Volontariat im Mediensektor bis Herbst 2017 in Nordrhein-Westfalen zu bekommen.“ Mit so einer klar definierten Aufgabe kann man viel besser und umfassender arbeiten.

Das Ziel sollte anspruchsvoll, aber auch erreichbar sein. Es bringt nichts, sich vorzunehmen, nächste Woche den Traumjob in der Tasche zu haben.

Und wie kann man mit so einem Ziel arbeiten?

Moller: Indem man zu diesem Ziel einen konkreten Projektplan entwirft. Der Projektplan besteht aus verschiedenen Aufgaben, wie: Welche passenden Jobquellen gibt es? Wie kann ich fehlende Kompetenzen erlernen? Wie kann ich meine Bewerbungsunterlagen verbessern? Bei welchen Veranstaltungen kann ich Menschen aus der Branche kennenlernen, um erste Kontakte zu knüpfen? Nur durch Vernetzungsarbeit kann ich mir auch den verdeckten Arbeitsmarkt erschließen, über den etwa die Hälfte aller Jobs vergeben wird. 

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Die verschiedenen Aufgaben sollten Sie wieder klar umschreiben und terminieren. So geben Sie Ihrer Jobsuche mehr Struktur. Sie werden zum Projektmanager und können jeden Tag, jede Woche und jeden Monat abhaken, was Sie erledigt haben. Das gibt Halt und Sicherheit.

Viele Jobsuchende verkriechen sich zu Hause. Wie kommt man aus diesem Loch heraus?

Moller: Es macht viel Sinn, dass man sich regelmäßig Sport oder Bewegung verordnet. Ein langer Spaziergang oder eine Runde Joggen hilft immer. Aber auch der Bewerbungsprozess muss nicht alleine durchgestanden werden. Suchen Sie sich Menschen, die in einer gleichen Situation sind. So können Sie sich gegenseitig austauschen. Sie können sich auch gezielt nach einem Mentor umschauen. Vielleicht kennen Sie einen Menschen aus Ihrer Branche, der Sie bei der Jobsuche unterstützt und Ihnen Ratschläge gibt. 

Freunde und Familie sind leider selten wirklich als Gesprächspartner geeignet. Sie sind oft befangen. Zum Beispiel plädieren Eltern gerne dafür, auf Nummer sicher zu gehen, weil sie Angst um ihr Kind haben. Oder sie haben unverwirklichte Wünsche, die sie auf ihre Kinder übertragen. Oft erwarten Eltern auch, dass man ihren eigenen Weg fortsetzt. Nur entspricht das selten den Wünschen der Kinder. Darunter leiden viele Menschen, übrigens nicht nur Absolventen, sondern auch gestandene Fachkräfte. 

Vielen Dank!  

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