Mit Kolleginnen und Kollegen sprechen, Informationen einholen und in klare Sprache gießen: Das machen Technische Redakteurinnen und Redakteure. Foto: © YakobchukOlena / Fotolia.de

"Technische Redaktion ist ein sehr abwechslungsreiches Feld"

Mit guten Kenntnissen in Technik und Sprache können auch Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen den komplexen Aufgaben der Technischen Kommunikation gerecht werden.

Dr. Daniela Straub ist Diplom-Psychologin. Sie betreut unter anderem den Bereich Weiterbildung und Zertifizierung bei der Gesellschaft für Technische Kommunikation e.V. (tekom). Mit ihr sprach Susanne Berg.  

WILA Arbeitsmarkt: Inwiefern hat sich das Berufsbild des Technischen Redakteurs in den vergangenen Jahrzehnten verändert?     

Daniela-StraubDaniela Straub: Wir haben viel mehr technische und mediale Möglichkeiten im Vergleich zu früher. Das gilt auch für die Komplexität der Produkte, denken wir an das Smartphone. Die Vielfalt an Wegen und Entscheidungen, welche Informationen an den Nutzer ausgeliefert werden sollen, hat zugenommen. Die Ansprüche an die Terminologie sind andere, Sie müssen manches in 30 Sprachen übersetzen lassen. Und wenn sich eine Teilinformation ändert, muss man das überall ändern.

Was sind typische Aufgaben im Job?

Das kommt darauf an, welche Rolle Sie erfüllen. Technische Dokumentationen werden in der Regel weniger neu erstellt, sondern ein sehr hoher Anteil entfällt auf Pflege und Aktualisierung von Informationen. Eine Umstellung von einem Format in ein anderes kommt seltener vor, wofür Projektmanagement oder Konzeptentwicklung notwendig sind. Für Einsteiger sind Dienstleistungsfirmen ein interessantes Feld. Auch Freiberufler und natürlich Berater werden gesucht, zum Beispiel für die Systemeinführung, Konzeptentwicklung oder Strukturierung von Technischer Dokumentation. 

Wo werden Technische Redakteure mit geistes- und sozialwissenschaftlichem Hintergrund am meisten gesucht?

Tatsächlich kommen viele aus den Sprachwissenschaften oder der Informatik zu diesem Beruf. Auch mal Journalisten, wobei das Schreiben im Bereich der Technischen Dokumentation eine andere ist. Voraussetzung ist, dass man sich in die Materie einarbeitet und weiterbildet.

Eine spannende Branche ist die Medizintechnik, also Medizingeräte, weiterhin Verbraucherprodukte wie Kaffeemaschinen oder weiße Ware – also alles, wo etwas für den Endkunden dokumentiert wird, weil man hier nicht so viel technischen Hintergrund benötigt. Gut geeignet ist auch die Softwaredokumentation. Im Bereich Maschinen- und Anlagenbau mit sehr komplexer Technik hingegen, der sehr stark in Deutschland ist, werden in der Regel Leute mit technischem Hintergrund gesucht, also Ingenieure.

Welche Wege führen in diesen Beruf?

Abteilungsleiter nehmen gerne studierte Absolventen aus dem Bereich Technische Dokumentation oder in der Kombination technischer Hintergrund mit formaler Ausbildung. Technische Redaktion kann man etwa seit den 1990er Jahren in Deutschland studieren. Wir haben daneben noch immer einen sehr hohen Anteil an Quereinsteigern. Je nachdem, in welcher Branche man später arbeiten möchte, benötigt man den entsprechenden fachlichen Hintergrund.

Welche Schwerpunkte vermitteln die Studiengänge zur Technischen Redakteurin?

Wir haben in unserem EU-Projekt, das wir derzeit durchführen, sechs Disziplinen definiert, die aus unserer Sicht maßgeblich sind, die findet man oft auch in anderen Studiengängen. Das sind Kommunikation und Kultur, also Sprache, Terminologie, verständliches Schreiben, Kommunikationstheorien, Interkulturelles. Der zweite Bereich ist die Informationsentwicklung: zielgruppenorientierte Kommunikation, Aufbau einer Informationsarchitektur, Recherche, Info-Grafiken.

Im Maschinenbau spielen in Deutschland rechtliche Vorgaben und Standards eine große Rolle. Dann der große Bereich der Technologien und Medien, ebenso Managementthemen, Projektmanagement oder Qualitätsmanagement sowie Rechte und Normen, Verbraucherschutz, Sicherheitshinweise. Je nach Hierarchie im Unternehmen kann Prozessmanagement oder auf der Führungsebene der Personalbereich dazugehören.

Was sollte man gerne tun?

Man muss einfach gerne mit Sprache, Rechtschreibung und Grammatik umgehen. Auch in Fremdsprachen, es wird viel auf Englisch dokumentiert. Man sollte sehr gut strukturiert, organisiert und sogar detailverliebt sein. Wichtig ist zielgruppenorientiertes Denken, sich in den Anwender hineinversetzen zu können. Man sollte gerne Dinge erklären, das ist fast ein pädagogischer Ansatz. Man muss sich sehr genau an Regeln und Normen halten, ein kreativer Mensch ist da vielleicht nicht so gut aufgehoben. 

Ihr Fazit?

Die meisten, die in dem Bereich arbeiten, sind sehr zufrieden. Es ist ein abwechslungsreiches Feld. Das Schreiben ist sicher die Haupttätigkeit, aber es gibt viele Möglichkeiten darum herum, beispielsweise Projektmanagement oder als Rechtsexperte, an Schnittstellen, im E-Learning. Es gibt ganz unterschiedliche Ausprägungen, sodass jeder für sich etwas finden kann. Unser nächstes Projekt wird es deshalb sein, verschiedene Jobprofile zu formulieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

  • Infodienst-Trainee-StellenDer Artikel ist im Infodienst WILA Arbeitsmarkt erschienen. Jede Woche werden dort mehrere hundert Stellen zusammengestellt.
  • Die Abonnentinnen und Abonnenten erhalten so einen Überblick über den aktuellen Stellenmarkt, bleiben bei der Jobsuche am Ball - und kommen auch auf Jobs, nach denen sie gar nicht gesucht hätten.
  • Erstabonnent/innen können ein vierwöchiges Schnupperabo zum Preis von nur 10 € bestellen. Mehr Infos hier.

Weitere WILA-Angebote