Wenn das Herz für die Pflanzenforschung schlägt
Was passiert auf einer Pflanze? Foto: Fotolia.de / © Laura Pashkevich

Wenn das Herz für die Pflanzenforschung schlägt

Dr. Melanie Sapp wusste schon als Jugendliche, dass sie Forscherin werden möchte. Mit Fachwissen und Durchsetzungskraft hat die Pflanzenbiologin ihr Ziel erreicht. Ein Portrait.

Text: Isabella Hafner

Melanie-Sapp„Ich finde es faszinierend, wie Mikroorganismen mit ihren Wirten sprechen. Das kann man nicht sehen“, sagt Dr. Melanie Sapp. Die 40-jährige Pflanzenbiologin forscht seit zwei Jahren im Rahmen des Exzellenzclusters CEPLAS am Düsseldorfer Institut für Populationsgenetik.

Der „Cluster of Excellence on Plant Sciences“ ist eine Initiative der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), der Universität zu Köln (UzK), des Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung Köln (MPIPZ) und des Forschungszentrums Jülich (FZJ). Wissenschaftler/innen entwickeln hier innovative Strategien für eine nachhaltige Pflanzenproduktion. Zudem wird die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftler/innen gefördert.

Ein Großteil der Forschung dreht sich um die Frage: Wie erkennt eine Pflanze, ob der Kontakt zu einem unbekannten Mikroorganismus gut für sie ist und sie daher mit ihm eine Symbiose eingehen sollte, oder ob sie dabei geschädigt werden könnte? Dr. Melanie Sapp will herausfinden, welchen Effekt bestimmte Mikroorganismen auf bestimmte Pflanzen haben. Erst kürzlich hat sie Mikroorganismen kultiviert und getestet, um zu erforschen, wie sie auf die Schotenkresse wirken, die man an Gehwegrändern findet.

Regelmäßig publiziert Sapp ihre Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften oder Fachbüchern. „Doch das Publizieren ist nicht so einfach, wie man sich das manchmal vorstellt. Selbst wenn man gute Resultate hat, kann es sein, dass man Kritik bekommt und Experimente oder Analysen nachholen muss“, erklärt die Forscherin. Und natürlich klappe nicht jedes Experiment auf Anhieb.

Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen sind aus Ihrer Sicht nötig. „Aber man merkt schon während der Masterarbeit oder während der Doktorarbeit, ob man darüber verfügt.“ Melanie Sapp ist von der Forschungsarbeit überzeugt: „Ich wusste schon mit 15, dass ich das machen will. Ich glaube, meine Biologielehrerin hat mich dazu inspiriert.“

Weitere grüne Berufe

So hat sie an der RWTH Aachen Biologie studiert und sich auf Ökologie und Mikrobiologie spezialisiert. Ihre Doktorarbeit schrieb sie über marine Mikroorganismen, die mit Meeresalgen zusammenleben. „Der gemeinsame Nenner zu jetzt ist die Interaktion zwischen Mikroorganismen und photosynthetischen Organismen.“ Sie sieht es als Vorteil an, dass sie breit gefächert studiert und sich erst später spezialisiert hat. „Fürs ökologische Arbeiten war das wichtig. Wenn man in der Genetik arbeitet, sollte man sich eventuell früher spezialisieren.“ 

Sich nicht unterkriegen lassen

Auf ihrem Weg zur Forscherin habe sie jedoch oftmals zu hören bekommen, man bekomme in der Wissenschaft nur schlecht eine Stelle und müsse stattdessen als Taxifahrer arbeiten oder anderen fachfremden Jobs nachgehen. Dennoch gab sie nicht auf: „Wenn man aber weiß, dass man das machen will, sollte man sich nicht davon abbringen lassen. Und trotzdem einen Plan B in der Tasche haben.“

Alternativ würde Sapp für Firmen arbeiten, die für Kunden Mikroorganismen identifizieren. Das hat sie für eine Behörde in England auch bereits neun Jahre lang gerne gemacht. Das Unternehmen sei mit Bundesforschungsinstituten vergleichbar gewesen und arbeitete auch kommerziell. Beispielsweise untersuchte Sapp hier für Landwirte, welche Schädlinge deren Pflanzen befallen hatten. „Da habe ich mit Pflanzenpathologen gearbeitet. Am Ende wurden die Erkenntnisse in Richtlinien für die Landwirte umgewandelt. Das war super.“

Das Arbeiten mit Spezialisten gehört für Melanie Sapp auch heute zur täglichen Arbeit bei CEPLAS: „Ich suche mir, um die entsprechende Fragestellung zu bearbeiten, Kooperationspartner.“ Sie findet es toll, dass sie als Postdoc dort nicht nur wertvolle und wichtige Geräte nutzen, sondern auch auf Spezialisten zurückgreifen kann, die sie sich sonst in jahrelanger Netzwerkarbeit zusammensuchen müsste.

Weil sich ihre Teams aber schnell ändern, seien Flexibilität und Teamfähigkeit wichtige Grundfähigkeiten. Ein Experiment dauere meistens sechs bis acht Wochen. Davon fließe viel Zeit in Vorbereitung und Aufarbeitung: „Während die Pflanzen wachsen, dokumentiere ich täglich, was sich verändert hat. Ob die Blätter welken, zum Beispiel.“ Melanie Sapp gefällt an ihrem Arbeitsalltag die Abwechslung: „Ich sitze am Schreibtisch, um ein Buchkapitel zu schreiben, dann bin ich im Labor, manchmal im Feld.“

Außerdem mag sie die Unberechenbarkeit, die Experimente natürlicherweise mit sich bringen. Ob sie auf Anhieb gelingen oder Sapp bestimmte Parameter später noch anpassen muss, ist zu Beginn völlig offen: „Ich weiß nie, wie es weitergeht. Im Frühjahr wusste ich nicht, was mich im Herbst erwartet.“

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