Überqualifiziert: Zu gut für diese Arbeitswelt?
Glückwunsch, der Bewerber hat den Job. Aber ob er sich wirklich darüber freut? Foto: © Robert Kneschke / Fotolia

Überqualifiziert: Zu gut für diese Arbeitswelt?

Viele Akademiker/innen finden keinen Job, der zu ihrer Qualifikation passt. Die meisten nehmen dann einen Job "unter Niveau" an. Eine gute Idee? 12 Tipps.

Andreas Pallenberg war langjähriger Redaktionsleiter von WILA Arbeitsmarkt. Seit vielen Jahren spricht er mit Geisteswissenschaftler/innen, die Probleme in der Bewerbungsphase haben. Ein Problem: Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen haben es nach einer Promotion sehr schwer, einen passenden Job zu finden. Immer wieder heißt es: "Sie sind überqualifiziert".

Der logische Schritt: Viele suchen sich einen Job, der nicht zu ihrer Qualifikation passt. Laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsfoschung (IAB) sind 23 Prozent aller Akademiker/innen unterhalb ihres Qualifikationsniveaus beschäftigt. 

Hier Tipps zum Umgang mit Bewerbungen „unter Niveau“: 

1. Überqualifikation ist weit verbreitet. Aber sie ist kein unüberwindbares Problem und, sie ist weder Schicksal noch Stigma. Erkennen und akzeptieren Sie für den (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt Ihr eigenes Qualifikationsprofil jenseits und auch unterhalb Ihrer Fachqualifikation und kommunizieren Sie dieses aktiv.

2. Wenn Sie sich auch auf Stellen unter Ihrer formalen Qualifikation bewerben, sollten Sie die Bewerbung erhobenen Hauptes und ohne jede Opferattitüde angehen.

3. Nicht immer sind die wahren Gründe für den unterqualifizierten Einstieg kommunizierbar. Entsprechende Angaben sollten nur bei passender Gelegenheit oder gar nicht gemacht werden.

4. Gestalten Sie Bewerbung und Lebenslauf so, dass Sie nicht den Eindruck nähren, noch zu sehr an Ihren studierten Fächern und Ihrer akademischen Qualifikation zu kleben.

5. Beziehen Sie sich im Motivationsschreiben auf die Inhalte und das Unternehmen. Schildern Sie, was Sie auf dieser Position für das Unternehmen leisten können. Sie sind nicht „zu gut“ für diesen Job, aber vielleicht der oder die Beste.

6. Liefern Sie keine voreiligen Rechtfertigungen für eine Bewerbung unter Ihrem Niveau. Sie sind kein Problem. Sie lösen Probleme!

7. Ihre über die geforderten Fähigkeiten hinausgehenden Qualitäten sollten Sie als Bonus für den Arbeitgeber konkret formuliert einflechten.

8. Ihre guten Ideen zur Weiterentwicklung des Unternehmens sollten Sie nur wohl dosiert anbringen, um das bestehende Personalgefüge nicht zu irritieren.

9. Nehmen Sie den Arbeitgebern ihren immer noch vorhandenen Argwohn gegenüber Überqualifizierten. Zeigen Sie, dass Sie ins Unternehmen und ins Team passen. Bauen Sie keine akademische Distanz auf.

10. Haben Sie einmal den Fuß in der Tür, können Sie sich kontinuierlich weiterentwickeln und gegebenenfalls für höhere Aufgaben empfehlen.

11. Gibt es keine Aufstiegschancen, bewerben Sie sich diskret über die neuen Kontakte auf bessere Stellen. Das gelingt aus der Anstellung besser als aus der Arbeitslosigkeit.

12. Der Absprung sollte mittelfristig gelingen. Andernfalls kann/muss man sich auf dem gegebenen Niveau arrangieren. Auch dafür gibt es zahlreiche gute Gründe.

  • Infodienst-Trainee-StellenDer Artikel ist im Infodienst WILA Arbeitsmarkt erschienen. Jede Woche werden dort mehrere hundert Stellen speziell für Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen - zusammengestellt.
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