Soziale Arbeit: Ohne Weiterbildung geht es nicht
Die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen: Eines von vielen Feldern, auf die sich Sozialarbeiter/innen spezialisieren können (Foto: M. Dörr & M. Frommherz/Fotolia).

Soziale Arbeit: Ohne Weiterbildung geht es nicht

Kaum ist das Studium geschafft, geht das Lernen weiter: In der Sozialen Arbeit sollten Fachkräfte sich früh spezialisieren. Wichtig ist dabei auch die Art der Fortbildung, für die man sich entscheidet.

Eine Weiterbildung spätestens nach dem ersten Berufsjahr: Die empfiehlt Gabriele Stark-Angermeier, zweite Vorsitzende des Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit (DBSH) und stellvertretende Geschäftsführerin der Caritas Region München (Foto: privat). Worauf Sozialarbeiter/innen dabei achten sollten, erklärt sie im Gespräch mit Susanne Berg.

WILA Arbeitsmarkt: „Einschlägige multidisziplinäre Berufserfahrung“ fordert das Stellenprofil einer Klinik. Ist vielfache Einsatzfähigkeit nicht sinnvoller als eine Spezialisierung?
Gabriele Stark-Angermeier: Das Studium der Sozialen Arbeit mit Bachelorabschluss ermöglicht mit seinem generalistischen Ansatz den Zugang zu allen Feldern Sozialer Arbeit. Doch um sich zum späteren Arbeitsfeld weiterzuentwickeln, braucht es entsprechende Fachausbildungen oder  -vertiefungen. Denn Soziale Arbeit muss heute in multiprofessionellen Teams agieren. Jeder muss Kompetenzen auch aus anderen Fachbereichen vertiefter kennen. Soziale Arbeit ist als Kernberufsfeld und Menschenrechtsprofession ein ähnlicher Grundberuf wie der Ingenieur für die ganze Technik.

"Soziale Arbeit ist als Kernberufsfeld ein ähnlicher Grundberuf wie der Ingenieur."

Haben Sie ein Beispiel?
Im großen Feld der Kinder- und Jugendhilfe ist es hilfreich, beispielsweise Integrationsmaßnahmen im Sinne des Bundesteilhabegesetzes mit einzubeziehen. Dafür sind auch Kompetenzen aus den Bereichen der Heilpädagogik oder der  Weiterentwicklung von Sonderpädagogik notwendig.

Ab wann macht Weiterbildung Sinn?
Wenn man einen Berufseinstieg hat, ist es dringend erforderlich, sich fortzubilden, spätestens nach dem ersten Berufsjahr. Denn nur am beruflichen Anfang habe ich auch den Schwung, in eine Aus-, Fort- oder Weiterbildung reinzugehen. Je mehr Berufserfahrung ich habe, umso schwieriger wird es. Dabei muss ich mir genau überlegen, in welchem Feld ich tätig sein möchte: in der Jugendhilfe, der  Suchtberatung, der Altenhilfe, im Bereich psychische Gesundheit, im Pflegebereich...

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Es gibt Anpassungs-, Spezialisierungs- und Aufstiegsweiterbildungen. Was empfiehlt sich für wen und wann?
Ich muss immer schauen, welche Voraussetzungen ich mitbringe und was mein  Ziel ist. Jemand der – das haben wir oft in der Sozialen Arbeit – aus einem anderen Arbeitsfeld kommend Soziale Arbeit als zweites Studium macht, für den ist eine Aufstiegs- und Weiterentwicklungsfortbildung interessanter als eine Vertiefung. Spannend sind Studiengänge, die zum Master qualifizieren und eine Richtung vertiefen. Es gibt Studiengänge, die mehr für den wissenschaftlichen Kontext vorbereiten oder aber bestimmte Techniken weiterentwickeln. Aber nicht alles ist im Studium zu erwerben. Für die Schuldnerberatung beispielsweise muss ich mir in einem Stufensystem viel Gesetzes-, Bank- und finanzwirtschaftliches Wissen aneignen, das zum Schuldnerberater qualifiziert.

"Wir steuern im Bereich der Sozialen Arbeit auf einen Fachkräftemangel zu."

Stichwort geflüchtete Menschen: Sind Traumatherapie und der Jugendbereich gerade besonders gefragt?
Es gibt Moden und Trends, und durch die große Aufgabe, geflüchtete Menschen zu begleiten, ist die Traumatherapie stark in den Vordergrund gerückt. Die Zahlen gehen aber derzeit zurück, also werden die Aufgaben weniger und das Interesse an  Traumatherapie wird wieder sinken. Gibt es bei jüngeren Menschen neue Ausformungen von Sucht und Drogen, gibt es in dieser therapeutischen Richtung wieder mehr Nachfrage. Wie Gesellschaft und Demografie zeigen, werden wir uns allerdings sehr viel einfallen lassen müssen, wie wir gut alt werden können. Hier werden wir definitiv viel Nachfrage und alle Hände voll zu tun haben! Dazu gehören der Gesundheitsbereich für ältere Menschen, demenzielle und psychische Veränderungen. Hier wird es mehr Fortbildungen, Nachqualifizierungen, Vertiefungen und Studienschwerpunkte geben.

Welche Trends sehen Sie sonst?
Wir steuern auch im Bereich der Sozialen Arbeit auf einen Fachkräftemangel zu. Die große Herausforderung wird sein, auch Quereinsteiger für das soziale Feld nachzuqualifizieren. Aus Sicht des Berufsverbandes ist es uns sehr wichtig, dass wir in Deutschland mit dem Bachelor auch die staatliche Anerkennung bekommen, die für bestimmte Berufsaufgaben qualifiziert, die hoheitliche Aufgaben des Staates sind und eine gewisse Garantenstellung darstellen. Aber in der Sozialarbeit wird es weiterhin die klassischen Vertiefungen geben. Die eine oder andere wird mal mehr, mal weniger im Trend sein, die Qualifikationen, die wir brauchen und die teilweise gesetzlich vorgegeben sind, werden jedoch konstant nötig bleiben.

Worauf sollte man bei einem Weiterbildungsanbieter achten?
Man sollte sich anschauen, wie viel Stundenumfang das Angebot hat, wie viele Themenkreise des Arbeitsfeldes aufgegriffen werden, wie qualifiziert die Fortbildner sind. Kommen sie aus dem Arbeitsfeld oder sind sie fachfremd? Ist der Abschluss allgemein oder zertifiziert? Wenn die Inhalte stimmen, ist ein zertifizierter Abschluss immer besser.

 

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