„Netzwerken ist wie Pingpong“
Für Projekte und auch im Bewerbungsprozess sind persönliche Kontakte Gold wert. Aber wie funktioniert netzwerken eigentlich (Foto: contrast werkstatt/Fotolia)?

„Netzwerken ist wie Pingpong“

Iken Draeger knüpft hauptberuflich Kontakte. Im Projekt „Netzwerk Grüne Arbeitswelt“ nutzt sie den Austausch mit anderen Fachleuten nicht nur als Inspirationsquelle, sondern auch als Arbeitserleichterung.

Interview: Annika Schneider

Iken Draeger (Foto: privat) arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Zur Zeit ist die studierte Sonderpädagogin Teil des Projektteams „Netzwerk Grüne Arbeitswelt“ im Wissenschaftsladen Bonn. Ziel des Projekts ist es, Akteure zusammenzubringen, die Berufsorientierung für grüne Berufe anbieten. Die 41-Jährige ist unter anderem für die Netzwerkarbeit zuständig: Ihre Aufgabe ist es, Kooperationspartner zu gewinnen.

 

WILA Arbeitsmarkt: Viele, die ins Berufsleben starten, empfinden das Netzwerken als lästige Pflichtaufgabe. Ging dir das am Anfang auch so?
Iken Draeger: Ich bin eine Quereinsteigerin, denn eigentlich bin ich Lehrerin. Über das Unabhängige Institut für Umweltfragen in Berlin bin ich in die Umweltbildung gerutscht und gleich in einem Verbundprojekt gelandet, wo ich mit ganz vielen Verbundpartnern kommunizieren musste.

Das beinhaltete verschiedene Veranstaltungen, wo wir unser Projekt vorstellen und Partner dafür akquirieren mussten. Ich habe Vorträge gehalten und Workshops gegeben. Das ist ja dann immer schon Teil der Netzwerkarbeit: Man versucht, Menschen für eine Idee oder ein Anliegen zu gewinnen.

Ist dir das leicht gefallen?
Ich fand es nicht so schwierig. Es entspricht meinem Selbstverständnis: Wenn ich ein Ziel verfolge, dann finde ich es normal, mit Leuten auszuhandeln, wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Gibt es Synergien? Gibt es in dem Bereich schon Projekte, und wie können wir darauf aufbauen?

Dieses Vorgehen macht mir keine Arbeit, sondern nimmt mir Arbeit ab. Wenn du dich mit Leuten auseinandersetzt, bekommst du immer auch gute Ratschläge und Anregungen. Viele Ideen entwickele ich im Gespräch mit anderen.

Wie sieht das konkret aus?
Ich rufe lieber Leute an als ewig lange Mails zu schreiben, weil ich das Gefühl habe, dass das fruchtbarer ist. Das ist dann wie Pingpong-Spielen, und daraus entsteht oft was. Ich könnte dir zig Beispiele nennen, wo eine Mail nichts gebracht hat – weil man in einem kurzen Text gar nicht so viel erklären kann. Aber in einem Gespräch merkst du, wo dein Gegenüber dich gerade nicht versteht und wo seine oder ihre Interessen liegen.

"Viel schwieriger ist es, mit Leuten zu netzwerken, die einen ganz anderen Arbeitsstil haben."

Wie unterscheidet sich dein privates Netzwerk von dem Netzwerk, das du für deine beruflichen Projekte knüpfst?
Mit vielen Menschen, die ich beruflich kenne, macht es einfach Spaß, kreativ zu arbeiten. Einige davon habe ich bei Fortbildungen kennengelernt, vor allem bei längeren.

Da geht das ineinander über: Man hat erst mal jemanden zum Reden auf einer Konferenz oder bei einem Workshop, weiß aber auch, dass man die Person noch mal fragen kann, wenn man etwas braucht. Beim Netzwerken ist ganz wichtig: Wer ist dir sympathisch?  Mit wem kannst du gut? Viel schwieriger ist es, mit Leuten zu netzwerken, die einen ganz anderen Arbeitsstil haben. Das geht auch, ist aber eine große Herausforderung.

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In welchen Situationen hat dich dein Netzwerk weitergebracht?
Ich bin zum Beispiel im Partnernetzwerk Medien von der Unesco aktiv. Den Sprecher kenne ich über eine Weiterbildung, er hat mich damals reingeholt. Wir begegnen uns schon lange immer mal wieder.

Jetzt arbeiten wir gerade ganz eng in meinem aktuellen Projekt zusammen, dem Netzwerk Grüne Arbeitswelt. Das hat natürlich mit meiner Person zu tun, weil ich in beiden Themen drin bin und sehe, wo Schnittstellen sind und wie wir voneinander profitieren können.

"Für jedes neues Projekt, in dem ich mitarbeite, kann ich die Leute wieder ansprechen."

Hilft dein Netzwerk auch dir selbst beruflich weiter?
Als ich noch nebenbei selbstständig war, habe ich über das persönliche Netzwerk Aufträge bekommen, zum Beispiel um pädagogisches Material zu entwickeln. Jetzt kann ich die Kontakte immer wieder aktivieren: bei der Projektakquise, bei der Suche nach Kooperationspartnern… Da ist inzwischen ein großes Vertrauen da.

Wie sorgst du dafür, dass dein Netzwerk weiterläuft?
Ich arbeite schon seit vielen Jahren im Bereich BNE, Berufsorientierung und Erneuerbare Energien. Diese Szene ist relativ klein. Für jedes neues Projekt, in dem ich mitarbeite, kann ich die Leute wieder ansprechen. Menschen, von denen ich viel halte, lade ich als Referentinnen oder Referenten zu Workshops ein.

Ansonsten trifft man sich auf Veranstaltungen und unterhält sich – das ist nicht so kompliziert. Oder wenn ich aus der Elternzeit zurück bin, melde ich mich kurz: „Ich bin wieder da, was macht ihr gerade?“ Es funktioniert immer gut, auf etwas Bezug zu nehmen. Selbst wenn ich die Person mal vor drei Jahren am Telefon gesprochen habe, kann ich mich darauf beziehen. Oder ich lasse Grüße ausrichten, wenn ich selbst nicht da bin.

Wie gehst du auf Menschen zu, die für dich interessant sind?
Ich überlege mir immer zuerst, was ich will und was ich der Person anbieten könnte. Gerade bei einem Erstkontakt kannst du nicht nur mit deinen eigenen Forderungen kommen. Es ist sinnvoll, den Leuten zu zeigen, welchen Mehrwert sie haben, wenn sie Zeit investieren.

Oft schreibe ich eine Mail und biete an, mich in der kommenden Woche mal telefonisch zu melden. Meistens kommt dann eine nette Antwort. Manchmal trifft man sich auch auf einen Kaffee oder verabredet sich auf einer Konferenz.

Bist du auch auf sozialen Netzwerken aktiv?
Nein, gar nicht. Ich habe kein Xing, kein Facebook, keinen eigenen Twitter-Account. Das nutze ich nur auf Projektebene.

"Das Allerwichtigste ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren."

Was ist beim Netzwerken wichtig?
Das Allerwichtigste ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Das klingt banal, aber viele können das nicht. Jede Person hat genauso viel zu sagen wie ich, egal, ob man mit einer Praktikantin oder einem Professor spricht. Ich kann diesen Hierarchien nichts abgewinnen und passe auch mein Verhalten und meine Sprache nicht groß daran an. Die wenigsten sind davon vor den Kopf gestoßen.

Was kann man falsch machen?
Der Fehler Nummer eins ist, eine Konkurrenzsituation zu schaffen oder nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein. Mir ist es beim Netzwerken wichtig, von den Leuten immer auch etwas mitzunehmen. Klar geht es auch darum, zu zeigen, was wir in einem Projekt tun und dass es sinnvoll ist, da mitzumachen. Aber man muss auch Interesse an den anderen mitbringen. Das muss einfach da sein, und das darf nicht aufgesetzt sein.

Und der zweite Fehler?
Der zweite große Fehler sind Laberköppe, die nur von sich reden. Das Problem ist, dass das oft Leute sind, die wirklich etwas Tolles machen. Aber wenn sie die Gegenseite nicht zu Wort kommen lassen, habe ich schon keine Lust darauf. Das erlebe ich immer wieder. Gerade bei der Akademikerriege geht es oft um Selbstdarstellung, und das hilft relativ wenig. Dann gewinnst du vielleicht eine wichtige Person für deine Öffentlichkeitsarbeit, aber es entwickelt sich kein Austausch.

"Je mehr Erfahrung man hat, desto geschickter wird man."

Können schüchtere Menschen das Netzwerken lernen?
Ich glaube, das hat viel mit Persönlichkeit zu tun. Aber man kann sich schon überwinden. Viele Menschen sind vielleicht schüchtern und haben Angst, irgendwo anzurufen. Aber wenn sie die Erfahrung machen, dass das gar nicht so schwer ist und die Leute freundlich sind, dann ist es auf einmal leichter als gedacht.

Viele unterschätzen sich in der Hinsicht. Es hilft vermutlich, in einem Umfeld zu arbeiten, wo man Vorbilder hat. Dann merkt man, dass man auch mal „Liebe“ schreiben kann statt immer nur „Sehr geehrte“. Und man kann auch mal einen Witz reißen am Telefon. Je mehr Erfahrung man hat, desto geschickter wird man. Letztendlich kann man auch als schüchterner Mensch gut netzwerken – das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist wichtig.

Kann das auch Spaß machen?
Mir macht das auf jeden Fall Spaß, weil daraus ja auch immer etwas entsteht. Außerdem sind die kurzen Wege toll. Man kann schnell mal jemanden anrufen und fragen: Habt ihr dazu schon mal etwas gemacht? Kannst du mir jemanden empfehlen? Wenn es klappt, dass Menschen mehr zusammen- statt gegeneinander arbeiten, dann ist das ein schönes Gegenmodell zur Leistungsgesellschaft, wo viel Konkurrenz herrscht.

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