Archäologie: Alternativen zur Wissenschaftskarriere
Studierende kennen oft wenig Alternativen zur Wissenschaftskarriere. Alternativen sind aber wichtig: Praktika können helfen, um herauszufinden, was man nach der Uni machen möchte.

Archäologie: Alternativen zur Wissenschaftskarriere

Wer mit Archäologie-Abschluss ins Berufsleben starten will, sollte sich frühzeitig informieren, Praxiserfahrungen sammeln und über den Tellerrand schauen.

Interview: Annika Voßen

Dr. Anke Bohne (Foto: Volker Lannert/Universität Bonn) hat im Fach Klassische Archäologie promoviert. Seit 2012 leitet sie das Career Center der Universität Bonn und ist dort für die Konzipierung des Veranstaltungsprogramms und die Beratung von Studierenden, Absolventinnen und Absolventen verantwortlich sowie Ansprechpartnerin für Arbeitgeber. Sie ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft „Wissen schafft Karriere“ des Deutschen Archäologen-Verbandes.

 

WILA Arbeitsmarkt: Wissen Studierende der Archäologie zu wenig über ihre beruflichen Möglichkeiten?
Anke Bohne: Ja, sie wissen in vielen Fällen zu wenig über Alternativen zur Wissenschaftskarriere an Universitäten oder am Deutschen Archäologischen Institut. Dabei gibt es zahlreiche hochinteressante Möglichkeiten. Archäologen und Archäologinnen, die ich aus dem Studium kenne, sind zum Beispiel tätig in Museen, in der Bodendenkmalpflege, in Verlagen, in Bibliotheken, im Wissenschaftsmanagement, im Brandschutz, in der Finanzberatung, im Bankensektor, im Einzelhandel und bei IT-Firmen. 

Einige sind selbstständig beziehungsweise freiberuflich tätig. Und sehr viele von diesen Archäologen, die außerhalb der archäologischen Wissenschaft arbeiten, sind sehr zufrieden mit ihrer Berufswahl – inhaltlich und finanziell.

 

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Warum gibt es die geringe Wertschätzung für Berufsfelder jenseits der wissenschaftlichen Archäologie, wo doch viele gar nicht fachlich oder fachnah arbeiten werden – allein schon, weil es nicht genug Stellen gibt?
Ich denke, dies hängt zum einen damit zusammen, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Universitäten sehr häufig selbst nur den Bereich der universitären Lehre und Forschung aus eigener Berufserfahrung kennen und die Professur für das Non-Plus-Ultra aller Karrierewünsche der Studierenden halten. Damit kann – auch wenn ganz klar ist, dass nur ein Bruchteil der promovierten Archäologinnen und Archäologen dauerhaft in der Wissenschaft arbeiten kann – gar keine Wertschätzung für fachnahe oder fachferne Berufsfelder entstehen.

"Es ist wichtig, sich früh darüber Gedanken zu machen, was man nach dem Studium machen möchte."

Warum ist eine frühe Berufsorientierung im Bereich Archäologie so wichtig?
Gerade bei Fächern, die von der Studiengestaltung her sehr stark, man kann auch sagen fast ausschließlich, auf die wissenschaftliche Tätigkeit hin ausgerichtet sind – und dazu gehören die archäologischen Fächer – ist es wichtig, sich frühzeitig zu fragen: Was will ich nach dem Studium beruflich machen? Was will und kann ich beruflich machen, wenn ich nicht in der archäologischen Wissenschaft arbeiten will oder kann?

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Dann kann ich mein Studium inhaltlich und fachlich passend ausrichten und Berufserfahrung neben dem Studium in den Bereichen sammeln, die mich interessieren, in denen ich mich ausprobieren möchte. Und ganz wichtig: Ich studiere einfach zielorientierter, schneller und mit mehr Begeisterung und, damit verbunden, hoffentlich auch mit Erfolg, wenn ich weiß, wohin die berufliche Reise geht.

"Kontakte außerhalb der eigenen Fächer sind sehr wichtig."

Wie kann man in der Archäologie Kontakte knüpfen und Tätigkeitsbereiche kennenlernen?
Persönliche Kontakte knüpfen kann ich überall: Zum Beispiel im Institut, an dem ich studiere, bei Abendvorträgen, auf Kolloquien und Kongressen, bei Veranstaltungen meiner Fachschaft oder der verschiedenen archäologischen Verbände, ebenso durch die Mitgliedschaft und die aktive Mitarbeit in den dortigen Arbeitsgruppen und Gremien.

Aber gerade Kontakte außerhalb der eigenen Fächergrenzen können sehr wichtig und wertvoll sein, da sie zu beruflichen Perspektivwechseln führen, die ich nicht oder nur schwer entwickeln kann, wenn ich mich nur in der archäologischen Fachwelt bewege. Ich kann in der Archäologie wie in allen Studienfächern Berufsfelder kennenlernen, indem ich Praktika in diesen Bereichen absolviere oder mir einen Nebenjob bei den Arbeitgebern suche, die ich näher kennenlernen möchte. Zudem sind ehrenamtliches und freiberufliches Engagement sehr gute Möglichkeiten, um mich beruflich auszuprobieren.

"Es gibt zu viele spannende Möglichkeiten, um sich auf einen Karriereweg festzulegen."

Welchen Blick über den Tellerrand würden Sie empfehlen?
Den Blick über den Tellerrand des eigenen Fachs, der eigenen Universität und vor allem der Berufsperspektiven, die von den an den Universitäten tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als adäquat eingestuften werden. Es gibt mit einem archäologischen Abschluss einfach zu viele spannende Karrieremöglichkeiten, um sich frühzeitig auf einen einzigen Weg festzulegen, der zwar der in der universitären Ausbildung angesehene und sozial erwünschte Weg ist, vielleicht aber zu den eigenen Werten, Wünschen und Interessen gar nicht passt. Daher empfehle ich den Blick über den Tellerrand hin zu den beruflichen Karrierezielen, die man aus eigener Motivation hinaus erreichen will.

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