In der Probezeit gekündigt
So hart es auch ist, gekündigt zu werden: Anstatt in Selbstzweifeln zu versinken, sollten Betroffene sachlich die Gründe analysieren.

In der Probezeit gekündigt

Manchmal währt die Freude über einen neuen Job nur kurz. Noch in der Probezeit flattert die Kündigung herein. Doch wer ein paar Tipps beherzigt, kann daraus lernen und ist für die nächste Jobchance gewappnet.

Text: Jürgen Gauert

In vielen Arbeitsverträgen wird in Deutschland eine Probezeit vereinbart. Hierbei handelt es sich um einen Zeitraum, in dem sowohl die Vorgesetzten als auch die Beschäftigten die Chance haben, erst einmal zu prüfen, ob die Zusammenarbeit überhaupt funktioniert. Zwar ist eine Probezeit rechtlich nicht vorgeschrieben, sie ist aber üblich und kann drei bis sechs Monate dauern. Beide Seiten genießen in dieser Zeit einen gelockerten Kündigungsschutz.

Sollte die neue Arbeitsstelle den Erwartungen der Beschäftigten nicht entsprechen, können sie mit einer Frist von gerade einmal zwei Wochen kündigen. Ebenso verhält es sich aber leider auch andersherum: Sollte der Arbeitgeber mit der Leistung von neuen Angestellten nicht zufrieden sein, kann er ebenfalls mit einer Frist von nur zwei Wochen eine Kündigung aussprechen. Die Probezeit ist daher für beide Seiten Chance und Risiko zugleich.

Selbstkritik üben

Wird man in der Probezeit gekündigt, ist es zunächst einmal wichtig, das nicht als persönliches Scheitern zu bewerten – so bitter es auch sein mag. Anstatt in Selbstzweifeln zu versinken, sollten Betroffene konstruktiv vorgehen und die Gründe analysieren. Hierfür kann auch ein Gespräch mit dem Vorgesetzten nützlich sein, um mehr über die Motive zu erfahren, die zur Kündigung führten.

Wer dann Kritikfähigkeit und Einsicht zeigt, steht besser da, als etwa den Kolleg/innen oder sogar dem Vorgesetzten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Dennoch darf in diesem Gespräch auch Enttäuschung über die Entwicklung zum Ausdruck gebracht werden, am besten verbunden mit der Frage nach konstruktiven Verbesserungsvorschlägen: Wie kann ich meine Arbeitsweise optimieren? An welcher Stelle fehlen mir vielleicht noch notwendige Qualifikationen?

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Sollte ein derartiges Gespräch nicht stattfinden, gilt es, sich in Selbstreflexion zu üben. Gab es vorher Warnzeichen und an welcher Stelle habe ich eventuell Fehler gemacht oder ein falsches Verhalten an den Tag gelegt? Wichtig ist auch, sich zu verdeutlichen, was man aus dieser Erfahrung lernen kann: Woran sollte ich unbedingt weiterarbeiten?

Selbstverständlich ist es schmerzhaft, sich Fehler eingestehen zu müssen. Vielleicht waren aber auch die Aufgabengebiete völlig anders als erwartet beziehungsweise in der Stellenanzeige anders beschrieben und passten daher nicht zu der eigenen Qualifikation. Nur wer die absolvierte Zeit objektiv analysiert und gegebenenfalls Fehler identifiziert, hat die Chance, das Scheitern im Nachhinein als positive Erfahrung zu bewerten.

Die Frage nach der Lücke

Doch wie erkläre ich die Kündigung in der Probezeit im nächsten Jobinterview? Zunächst einmal gilt: Prinzipiell gibt es keine Verpflichtung, die kurze Anstellung sowie die dazugehörige Kündigung in der Probezeit im nächsten Bewerbungsanschreiben oder auch im Vorstellungsgespräch zu erwähnen. Wird die Kündigung allerdings verschwiegen, ergibt sich eine Lücke im Lebenslauf und das kann zu Nachfragen führen.

Aber auch wenn eine Kündigung durch den Arbeitgeber in der Probezeit erst einmal unschön aussieht – sie kann vorkommen. Karriereexpert/innen schätzen die Zahl der dadurch gescheiterten Arbeitsverhältnisse auf rund 20 bis 25 Prozent und zwar nicht nur bei Berufseinsteiger­innen und Berufseinsteigern, sondern auch bei erfahrenen Fachkräften. Und das wissen auch die Personaler/innen: Manchmal passt es einfach nicht.

 

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Folgt also im Jobinterview die Frage nach der vorzeitig beendeten Probezeit, sollte keinesfalls dem ehemaligen Vorgesetzten die Schuld gegeben werden. Im Gegenteil: Wer in aller Kürze schildert, weshalb die Stelle nicht für einen geeignet war, zeigt Kritikfähigkeit und Professionalität. Vielleicht gab es auch Veränderungen im Unternehmen, die das Arbeitsumfeld nachhaltig beeinflusst haben oder die Einsatzbereiche waren andere, als zuvor in Aussicht gestellt.

Auch darauf kann man hinweisen, und man darf zeigen, was man aus dieser Erfahrung gelernt hat. Vielleicht erlaubte es die letzte Stelle auch gar nicht, bestimmte eigene Qualifikationen abzurufen, mit denen man im neuen Unternehmen jedoch punkten kann. Klappt es mit einer weiteren Chance, gilt für einen selbst, in der neuen Probezeit aus alten Fehlern zu lernen. Nur das bringt einen persönlich und fachlich weiter. Bestenfalls entpuppt sich dann die unerwartete Wendung im letzten Job als glückliche Fügung für eine Stelle, die viel besser zu einem passt.

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