Scheitern als Chance
Fehler und Niederlagen erlebt jeder beziehungsweise jede. Besonders Absagen im Bewerbungsverfahren sind demotivierend. Wichtig ist, sich davon nicht abschrecken zu lassen und positiv damit umzugehen – das erfordert jedoch Übung.

Scheitern als Chance

Am Anfang stehen Enttäuschung, Wut und Scham. Doch Fehler müssen nichts Schlechtes sein: Im Scheitern steckt viel Potenzial. Das wissen Pressesprecherinnen genauso wie Referenten oder Sozialpädagogen.

Text: Annika Voßen

Wir machen Fehler und scheitern jeden Tag, beruflich oder privat – wenn wir uns bewerben, wenn wir für eine Prüfung lernen, wenn wir studieren, wenn wir forschen, wenn wir ein Projekt leiten, wenn wir eine Präsentation halten, wenn wir einen Auftrag an Land ziehen wollen, wenn wir ein neues Produkt auf den Markt bringen, wenn wir mit der Öffentlichkeit kommunizieren.

Wer scheitert, hat aber nicht unbedingt grobe Fehler gemacht, ist ein zu hohes Risiko eingegangen oder war zu wenig qualifiziert. Man kann auch am System selbst scheitern, oder weil das nötige Quäntchen Glück gefehlt hat. Oder weil die Teamzusammensetzung nicht passte. Viele Faktoren spielen zusammen.

Angst vor Lächerlichkeit

Scheitern ist in Deutschland allerdings immer noch ein Tabuthema. Warum? Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die nach Perfektion strebt und in der sich viele über ihre Arbeit definieren. Jede/r versucht, sich selbst zu optimieren und Fehler zu vermeiden. Denn wir lernen schon in der Schule: Fehler sind schlecht! Rot werden sie angestrichen und mit einer entsprechenden Note bestraft. Fehler sollte man nicht machen!

Doch es führt zu einem enormen Druck, wenn man den Erwartungen des eigenen Ichs, der Eltern, Vorgesetzten oder der Gesellschaft unbedingt entsprechen und stets Erfolge vorweisen möchte. Die Angst vorm Scheitern ist groß, weil die drohenden Folgen so beängstigend wirken: Häme und Lächerlichkeit, der Verlust der Anerkennung, negative Auswirkungen auf die Karriere, keine weiteren Aufträge, womöglich ein Schufa-Eintrag und der Verlust der Kreditwürdigkeit, im schlimmsten Fall der soziale Abstieg.

Laut der Umfrage „So arbeitet Deutschland“ der Personalberatung SThree sind 45 Prozent der Befragten der Meinung, dass Scheitern an neuen Aufgaben Konsequenzen hat, wie den Verlust der Anerkennung im Job. 86 Prozent wünschen sich mehr Fehlertoleranz und dass etwa Scheitern als eine Voraussetzung des Fortschritts angesehen wird.

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Die Wahrnehmung von Fehlern ist immer davon abhängig, wo man lebt und arbeitet. Im Vergleich mit anderen Ländern wie den USA, wo eine zweite Chance in der Regel niemandem verwehrt wird – bei Silicon-Valley-Größen gehört das schon zur Legende – , steht Deutschland ziemlich schlecht da. Wer bloß eine gute Idee zur falschen Zeit gehabt hat, gilt schnell als Versager oder Loserin. Aus Angst zu scheitern, würden 38 Prozent der Befragten in Deutschland nicht gründen, so der „Global Entrepreneurship Monitor 2018“, den das gemeinnützige RKW Kompetenzzentrum rausgegeben hat. Immerhin ist der Wert im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen.

„Es ist ernüchternd, dass sich in internationalen Vergleichsstudien immer wieder herausstellt, dass viele Deutsche trotz Idee, Kompetenz und grundsätzlichem Interesse am Unternehmertum aufgrund des mit einer Unternehmensgründung einhergehenden Risikos auf die Umsetzung ihres Traums verzichten. Es existiert eine ganz grundsätzliche Angst vor dem Scheitern“, stellen dazu die Autoren der Studie „Gute Fehler, schlechte Fehler. Eine repräsentative Studie zur Einstellung der deutschen Bevölkerung gegenüber unternehmerischem Scheitern“ der Uni Hohenheim fest.

Wie unternehmerische Fehlschläge wahrgenommen werden, ist sogar in Deutschland regional unterschiedlich: In der Mitte Deutschlands wird Scheitern positiver gesehen als im Nordosten. Jüngere haben eine entspanntere Einstellung gegenüber Fehlern. Aber insgesamt zeigten die Ergebnisse der Studie: „Bis zur Etablierung einer weitflächigen ‚Kultur des positiven Scheiterns‘ und zur Verbreitung einer durchgängig toleranteren Einstellung gegenüber Fehlern in der Bevölkerung ist es noch ein steiniger und weiter Weg.“

Mit Rückschlägen umgehen

Wenn Fehler stets vermieden werden sollen, setzt das nicht nur das Individuum unter Druck. Es beeinflusst auch das ganze System. Wer alles noch einmal durchdenkt und bis ins letzte Detail prüft, braucht dafür sehr viel Zeit. Zeit, die im digitalen Zeitalter umso kostbarer geworden ist. Das führt dazu, dass die Innovationsleistung in Deutschland deutlich geringer ist als anderswo. Das Risiko scheint zu groß, als Verlierer/in dazustehen. Da begräbt man lieber die eigenen Ideen und Träume.

In vielen Unternehmen werden Fehler immer noch vertuscht statt zugegeben. Was genau schiefgegangen ist, bleibt dann oft im Dunkeln. Wertvolle Informationen, durch die ähnliche Fehler künftig vermieden werden könnten, gehen verloren oder müssen erst mühsam zusammengetragen werden. Laut dem „DGB-Index Gute Arbeit“ 2019 geben 44 Prozent der Beschäftigten an, sich gar nicht oder nur in geringem Maße zu trauen, Probleme gegenüber Vorgesetzten oder der Geschäftsführung offen anzusprechen.

Stattdessen soll es oft die Bürokratie richten: Es werden ausführliche Regelwerke und Standards eingeführt, wie etwas gehandhabt werden soll. Lieber keine eigenen Entscheidungen treffen und es mit der Eigeninitiative nicht übertreiben, bevor man etwas falsch macht.

Doch es wird in der heutigen Zeit wichtiger denn je, mit Rückschlägen umzugehen. Sie gehören zum Berufsleben dazu. Eine durchgehende Anstellung bis zur Rente ist inzwischen eher die Ausnahme, Jobwechsel mit entsprechenden Bewerbungsrunden alle paar Jahre sind die Regel – gerade für Akademikerinnen und Akademiker, die oft mit befristeten Verträgen vorlieb nehmen müssen. Ein paar Beispiele:

  • Als Selbstständige/r bekomme ich nicht den Auftrag, um den ich mich beworben habe.
  • Meine wissenschaftliche Forschung bringt nicht das vorhergesehene Ergebnis.
  • Mein innovatives Produkt oder der neue Service, den ich anbiete, wird gar nicht nachgefragt.
  • Im Unternehmen sprengt mein Projekt den geplanten Budget- und Zeitrahmen.
  • Die Kommunikation mit der Öffentlichkeit, für die ich verantwortlich bin, läuft überhaupt nicht so wie erhofft.
  • Mein neu übernommener Aufgabenbereich ist viel komplexer und unübersichtlicher als gedacht.
  • Ich habe einen wichtigen Stakeholder vergessen, der nun das ganze Projekt zu kippen droht.
  • Die Promotion ist einfach nichts für mich, sie kostet mich zu viel Kraft.

Natürlich kann man jetzt von Versagen und Scheitern sprechen… Oder die Perspektive wechseln! Was für Muster lassen sich erkennen? Was ließe sich in Zukunft ändern, damit sich ein solcher Fehler nicht wiederholt? Welche Handlungsempfehlungen kann man an die Abteilungsleitung weitergeben, damit es künftig besser läuft? Wer scheitert, reflektiert und entwickelt sich dadurch weiter. Fehler bergen ein hohes Potenzial an neuen Erkenntnissen – und gehören einfach zum Menschsein dazu.

Über Fehler sprechen

Diese Sichtweise beginnt sich langsam auch in Unternehmen und in der Gesellschaft durchzusetzen. Es werden nicht mehr nur Ratgeber über Erfolg, sondern auch über das Scheitern veröffentlicht. Es ist auch nicht mehr so ein Tabu, öffentlich über Fehler oder über persönliches Versagen zu sprechen. Manchmal wird dies sogar gefeiert: Es gibt Veranstaltungen, bei denen sich Menschen trauen, öffentlich oder im vertraulichen Rahmen über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Bei sogenannten „Fuck-up Nights“ sprechen vor allem Existenzgründer/innen über ihr Scheitern, aber hier kommen auch andere zu Wort. Die „HR Failure Night“ zum Beispiel stellt keine Best-Practice-Beispiele aus der Personalentwicklung vor, sondern Fehlschläge.

„Warum? Weil wir häufig viel mehr von dem lernen können, was nicht gelungen ist. Weil wir so Risikobereitschaft und damit Intra- als auch Entrepreneurship fördern können“, schreiben dazu Nicole Goodfellow und Dominik A. Hahn, die die Events veranstalten, bei denen Vertraulichkeit vereinbart wird. Es geht allerdings nicht nur darum, über die eigenen Misserfolge und die der anderen zu lachen, sondern daraus zu lernen – und ein unverkrampfteres Verhältnis zu dem Thema zu entwickeln.

Events zum Scheitern
 
Es gibt inzwischen verschiedene Formate, bei denen drei bis vier Freiwillige ehrlich über Misserfolge und ihre schmerzlichen Erfahrungen berichten, etwa von einer Insolvenz, hohen Schulden oder dem Vertrauensverlust im Gründerteam. Erfunden wurden die Fuck-up Nights, kurz FUN, 2012 in Mexiko. Inzwischen haben sie sich als Marke weltweit etabliert. Die lockeren, unterhaltsamen aber durchaus auch emotionalen öffentlichen Vortragsabende finden in Deutschland in verschiedenen Großstädten statt.
 
Nicht nur Gründer/innen kommen zu Wort: Im sehr regen Leipzig (www.fuckupnightsleipzig.de) berichtete etwa eine Assistenzärztin über ihre Arbeit und die Fehlerkultur im Krankenhaus sowie eine Autorin und Bloggerin über ihren beruflichen GAU als Pressesprecherin. In Mönchengladbach erzählte der ehemalige Bundesvorsitzende der Piratenpartei vom Absturz seiner Partei, in Düsseldorf ergriff der Oberbürgermeister das Wort. Failure Nights werden auch intern in Unternehmen und Organisationen veranstaltet.

Das sollen auch unternehmensintern ausgerichtete Veranstaltungen leisten. Stefan Grabmeier von der Unternehmensberatung Kienbaum schreibt dazu: „Nicht nur bei Neugründungen, sondern auch in etablierten Unternehmen ist es von Vorteil, sich über gescheiterte Projekte auszutauschen. Scheitern heißt ja nicht immer gleich, dass der ganze Betrieb pleitegeht.

Scheitern kann auch ein neues Produkt. Oder Fehler in der Projektplanung können zu Verzögerungen und/oder Mehrkosten führen. Entscheidend ist dann, dass die Verantwortlichen und Beteiligten nicht versuchen, das Problem unter den Teppich zu kehren, weil sie Angst davor haben, an den Pranger gestellt zu werden. Leider erlebt jeder von uns in Unternehmen öfter die Angst, zu versagen, als die Offenheit, aus Fehlern zu lernen.“

Auch wer mit seiner Bewerbung scheitert, sollte darüber sprechen und sich eine Meinung von außen holen – vielleicht sogar gleich von den Personalverantwortlichen nach dem misslungenen Vorstellungsgespräch. Wer offen und selbstbewusst sei, könne ruhig um Feedback bitten, sagt der Wirtschaftspsychologe Michael Frese.

Lockerer werden 

Inga Höltmann gefällt das Format „Fuck-up Night“, auch wenn es schon ein bisschen Popkultur sei, nach dem Motto: „Yeah, ich bin gescheitert!“ Aber man dürfe nicht unterschätzen, dass es bei vielen Vorträgen auch um sehr ernste Geschichten und zum Teil um richtig viel Geld gehe. „Ich kann daher die Kritik daran nicht nachvollziehen. Wenn es uns so gelingt, einen lockereren Umgang mit dem Thema Scheitern zu bekommen und wir von den Start-ups lernen, offen darüber zu sprechen, ist das doch wunderbar.“

Die ausgebildete Wirtschaftsjournalistin hat bei der Digitalkonferenz Republica 2016 in Berlin selbst über ihr gescheitertes Medien-Start-up gesprochen. Das Online-Magazin „BizzMiss“, das sie vor einigen Jahren mit drei anderen Journalistinnen zusammen gegründet hatte, stellte Frauen in der Wirtschaft und deren Themen und Anliegen in den Mittelpunkt.

Die Gründe für das Scheitern hat Inga Höltmann in einem Blogartikel selbst analysiert: Die Gründerinnen hatten unterschiedliche Zukunftsplanungen und hatten es versäumt, ausreichend darüber zu sprechen. Dem Team fehlte es an Diversität – vier Journalistinnen, die sich um Texte und Inhalte kümmerten und zu wenig Ahnung von Marketing oder IT hatten. Außerdem waren sie zu zögerlich damit, um Unterstützung von außen zu bitten. Nach zwei Jahren „zogen sie den Stecker“ und nahmen die Seite ganz vom Netz.

Aus Erfahrungen lernen

„Nach landläufiger Meinung bin ich gescheitert – für mich war es allerdings ein enorm wichtiges Projekt und eine extrem fruchtbare Erfahrung, von der ich immer noch zehre. Es ist ein ganz relevanter Teil meiner beruflichen Geschichte, den ich nicht missen möchte.“ In der Übergangsphase im letzten Jahr des Magazins dachte Inga Höltmann viel darüber nach, was sie gelernt hatte und was sie noch lernen wollte. Und sie stellte sich die Frage, wie sie ihr Wissen in etwas Neues transferieren konnte.

„Dabei ist mir bewusst geworden, dass für mich die Hauptfragestellung war, wie Frauen und Männer ihren Platz in der Arbeitswelt finden können und wie eine bessere Arbeitswelt aussehen kann. Meine zweite Gründung ist dann aus dem Wunsch heraus entstanden, alle meine Aktivitäten zusammenzuführen. Jetzt mache ich neben meiner journalistischen Arbeit eine Mischung aus Organisationsentwicklung und Transformationsbegleitung. Ich habe meine Arbeit komplett transformiert und mache heute einen Job, den ich selber erfunden habe.“

In den Unternehmen, die sie inzwischen berät, ist auch das Scheitern immer wieder ein Thema. „Viele haben noch nicht richtig verstanden, dass Fehler grundlegender Bestandteil eines jeden Entwicklungsprozesses sind, dass es eine Fehlerkultur des ‚fail fast‘ oder ‚fail early‘ geben muss. In Deutschland gibt es immer noch den Glauben, dass man nicht scheitert, wenn man alles gut genug plant und vorbereitet. Das war vielleicht früher so, aber heute funktioniert das nicht mehr.“

Mut zum Risiko

Wenn Fehlervermeidung als ausschließliche Strategie gesehen wird, kann man keinen Umgang mit ihnen lernen. Denn Fehler passieren unweigerlich. Wer mit ihnen rechnet, kann schneller auf sie reagieren. Wenn man sich selbst für unfehlbar hält, übersieht man dagegen Fehler. Außerdem kann man an ihnen wachsen, denn man entwickelt sich weiter, stärkt die eigene Persönlichkeit und entwickelt Strategien, wie man persönlich einen Fehlschlag verarbeiten kann. Erst nach einem Misserfolg zeigt sich etwa, wie es um die Resilienz steht – bei einem selber, Teammitgliedern oder dem Unternehmen an sich.

Inzwischen suchen moderne Firmen nach Leuten, die Risikos eingehen – und aus Niederlagen lernen. Sie sehen Fehler und Misserfolge als Chance und bitten ihre Mitarbeiter/innen, offen darüber zu reden. Allerdings kommt es auf den Fehler an. Fehler, die aus Nachlässigkeit oder Unaufmerksamkeit geschehen sind, kommen weiterhin selten gut an. Zu experimentieren und damit zu scheitern, wird dagegen als etwas Positives und Notwendiges in der heutigen Welt gesehen, die durch die digitale Transformation immer weniger planbar geworden ist.

„Wir sind der Überzeugung, dass es sich lohnt, Risikobereitschaft und Entrepreneurship zu fördern – gerade im Bereich der Human Resources“, schreiben Nicole Goodfellow und Dominik A. Hahn, die beide in den Personalabteilungen größerer Unternehmen arbeiten. „Die Philosophie dahinter ist einfach: Innovation entsteht nur, wenn wir neue Wege beschreiten. Das bringt immer Unsicherheit und das Risiko mit sich, nicht erfolgreich zu sein. Einen ‚Fehler‘ stellt dieses Scheitern jedoch in unseren Augen nicht dar.“

Was die Forschung zeigt: Flache Hierarchien helfen dabei, Fehler frühzeitig zu erkennen. Herrscht eine Unternehmenskultur vor, in der Kollaboration wichtig ist und gelebt wird, und alle wissen, dass sie Fehler machen und darüber reden dürfen – weil es auch die Chefin oder der Abteilungsleiter so macht, – gibt man seine Fehler leichter zu und macht auch andere auf Fehler aufmerksam. Es wird gemeinsam auf mögliche Schwachstellen und Probleme geachtet, andere Teammitglieder oder Untergebene werden nach ihrer Meinung gefragt.

Wo gutes Fehlermanagement betrieben wird, hängt nicht so sehr von der Branche als von der Größe ab. Kleinen, flexiblen Unternehmen fällt es ebenso wie großen Unternehmen mit Strategieabteilungen einfacher als traditionellen Mittelständlern, Fehler als Teil eines Innovationsprozesses aufzufassen. Moderne Unternehmen nutzen daher auch sogenannte Failure Walls, um gescheiterte Projekte gut sichtbar für alle an einer Wand zu präsentieren – und um zu verhindern, dass ähnliche Fehler ein zweites Mal passieren.

Fehler antizipieren

Jeder gescheiterte Versuch hilft einem, etwas anders und besser zu machen und beim nächsten Mal die richtige Entscheidung zu treffen. Zum Beispiel die Strategie beim Bewerben zu ändern. Oder sein Geschäftskonzept zu überarbeiten. Oder sich vor einer Gründung mit den Mitstreiter/innen sehr lange und intensiv über die Ziele, Pläne, Werte und Motivationen auszutauschen, um sicherzugehen, dass man auf einer Linie ist.

Als Projektverantwortliche wird man vielleicht künftig vor Projektstart eine Matrix mit allen Stakeholdern erstellen und sie nach ihrem Interesse an dem Vorhaben und ihrem Einfluss sortieren – und rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, um alle an Bord zu holen. Als Marketingchef analysiert man vorher genau die Zielgruppe, bevor man eine Marketing-Kampagne startet, damit man viele Likes und nicht einen Shitstorm erntet.

Man sollte auch vorab durchspielen, wie weitere Entwicklungen aussehen könnten – vom besten bis zum schlimmsten Szenario. Und man sollte sich vorher überlegen, was man im Falle eines Fehlers machen würde, also Fehler antizipieren, ein Bewusstsein für die eigenen Schwächen oder die des Produkts, des Unternehmens, des Service entwickeln. Um dann beim nächsten Mal die eigenen Stärken auszuspielen und erfolgreich zu sein. Oder vielleicht auch erst beim übernächsten Mal – Hauptsache, man gibt nicht auf.

Inga Höltmann empfiehlt, nicht so große Angst vor Fehlern zu haben und mehr zu wagen. „Wenn man in seiner Komfortzone bleibt, lernt man nichts. Ich habe mir angewöhnt, immer erst einmal Ja zu sagen, wenn jemand mit einer ungewöhnlichen Anfrage auf mich zukommt. Und dann überlege ich mir, wie ich es mache. Ich bin damit sehr erfolgreich, denn ich habe festgestellt: Ich kann das – und was ich nicht kann, lerne ich unterwegs.“

Tipps zum Umgang mit Fehlern
  • Mit Fehlern rechnen: Sich bewusst machen, dass jede/r Fehler macht. Sie sind unvermeidlich.
  • Etwas riskieren: Kühnheit siegt. Wer nicht handelt, gewinnt auch nicht.
  • Darüber reden: Offen und ruhig über einen aufgetretenen Fehler sprechen und dazu stehen. Nicht versuchen, den Fehler zu vertuschen. Die eigenen Erkenntnisse können auch für andere wichtig sein.
  • Anpacken: Die negativen Fehlerkonsequenzen schnell in den Griff bekommen, Fehler korrigieren.
  • Das Positive sehen: Wenn man sich des Fehlers bewusst ist, wird man ihn womöglich kein zweites Mal machen. Und meist scheitern wir ja nicht komplett. Sehen, was man gut gemacht hat.
  • Distanz wahren: Rückschläge nicht persönlich nehmen und objektiv auf die Sache schauen statt mit Zorn, Ärger und Schuldzuweisungen zu reagieren.
  • Durchatmen: Bewusst anhalten, sich Zeit zum Verarbeiten der Situation nehmen, sich etwas Gutes tun.
  • Sich wundern: In Ruhe die Gründe für das Auftreten des Fehlers analysieren und sich wundern, warum es anders lief als gedacht. Was kann man daraus lernen? Wo ist Verbesserungspotenzial? Vielleicht entdeckt man zufällig etwas Neues oder Unvorher­gesehenes.
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