Kiez, Veedel und Grätzl: Arbeiten im Quartiersmanagement
Quartiersmanager/innen sollen Stadtteile zu Gemeinschaften formen, die sich für ihr Viertel verantwortlich fühlen und somit zu einer sozialen Stabilität beitragen.

Kiez, Veedel und Grätzl: Arbeiten im Quartiersmanagement

Ines Jonas schwärmt von ihrem Job im Quartiersmanagement. Die Stadt bestimmt zwar die Aufgaben und Ziele, gibt ihr und ihrem Team aber viele Freiheiten bei der Umsetzung.

Interview: Christine Sommer-Guist

Für Quartiermanager/innen wie Ines Jonas ist es wichtig, im Viertel gut vernetzt zu sein. Foto: Christine Sommer-Guist

Ines Jonas leitet das Quartiersmanagement Lannesdorf/Obermehlem in Bonn seit 2010. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin schwärmt von ihr, sie sei die „Mutter von dat Janze“, kenne im Viertel „Gott und die Welt“ und halte somit die gesamte Nachbarschaft zusammen.

WILA Arbeitsmarkt: Was sind die wichtigsten Aufgaben Ihres Quartiermanagements?
Ines Jonas: Das ist vor allem Netzwerkarbeit: Wir vernetzen, prüfen welche Strukturen vorhanden sind, und suchen die Lücken, um diese zu schließen. Alle Quartiersmanagementbüros – auch unseres – sind zudem Begegnungsstellen, neutrale Anlaufstellen für alle Menschen, die sich außerhalb von Kirchengemeinden und Vereinen treffen wollen. Dabei sind wir immer auf der Suche nach neuen Ideen, Kompetenzen und Projekten von Menschen und Institutionen im Viertel – immer mit dem Ziel, die Lebensqualität in unserem Quartier zu verbessern.

Das Besondere an diesem Stadtteil ist, dass er einerseits sehr dörflich ist, mit vielen alteingesessenen Bewohnerinnen und Bewohnern, und andererseits den höchsten Anteil muslimischer Bürgerinnen und Bürger in Bonn hat. Lannesdorf wurde lange Zeit mit dem Thema Salafismus und gewalttätigen Ausschreitungen in Verbindung gebracht.

Unser Auftrag lautet unter anderem, die schönen Seiten des Viertels herauszuarbeiten, ein Wir-Gefühl der Kulturen, Religionen und Generationen zu entwickeln und Gemeinsamkeiten zu schaffen. Dabei sind wir zu dritt. Wir haben alle Teilzeitstellen, die zusammengenommen etwas über eine Vollzeitstelle ergeben, was bei so einem großen Quartier nicht wirklich reicht.

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Wie gelingt es Ihnen, die Menschen in Ihrem Viertel zusammenzubringen?
Wir bieten viel an: Zum Beispiel einmal pro Monat ein gemeinsames Frühstück und Mittagessen, Vorträge, Bildungs- und Kreativangebote für Kinder und Erwachsene sowie Sprachkurse. Die werden unterschiedlich genutzt.

"Der Fokus der Arbeit liegt auf Begegnungen."

Was haben Sie gelernt, um für diese Arbeit qualifiziert zu sein?
Ich bin Diplom-Pädagogin, was beim Fokus unserer Arbeit – Begegnungen der Kulturen und Religionen zu schaffen – ideal ist.

Welche Talente, Interessen und fachlichen Kompetenzen sollte man für das Quartiersmanagement mitbringen?
Die fachlichen Kompetenzen müssen zu der Ausrichtung des Quartiersmanagements passen, ob da mehr städteplanerische Maßnahmen umgesetzt oder Begegnungen organisiert werden sollen. Auf jeden Fall gehört Offenheit zu den Kompetenzen, die man haben sollte. Ebenso Kommunikationsstärke inklusive Fremdsprachenkenntnisse und Kreativität.

Das alles macht den Reiz der Arbeit aus – vernetzt zu denken, zu schauen, was andere machen, das alles zusammenzubringen und dafür zu werben. Auf der Social-Media- und PR-Klaviatur spielen zu können, ist also auch von Vorteil. Wir müssen gute Texte schreiben, ansprechende Flyer gestalten – und das in relativ kurzer Zeit.

"Die Vielfalt meiner Arbeit ist am schönsten."

Was stresst am meisten? Und was erfüllt Sie?
Am meisten stresst mich, dass ich mit meiner halben Stelle viel zu wenig Zeit habe. Hinzu kommt, dass wir immer nur für zwei Jahre finanziert sind, was auf Verwaltungsvorschriften und kommunalpolitischem Willen beruht. So gibt es keine Planungssicherheit – weder beruflich noch privat. Am schönsten an meiner Arbeit ist deren Vielfältigkeit.

Ich arbeite mit unterschiedlichen Menschen und erlebe sehr viel Dankbarkeit und Engagement. Es gibt unzählige schöne Momente! Wenn ich an die Kinder-Deutschkurse denke, bei denen es immer fröhlich zugeht, oder an die Frauen, die sich bei uns treffen und sonst kaum ihre Wohnungen verlassen, weil ihre Männer das nicht möchten …

"Die meisten Stellen sind befristet."

Wie sieht die Arbeitsmarktsituation aus?
Es gibt inzwischen viele Städte in Deutschland, die Quartiersprojekte eingerichtet haben. Ich denke, dass die meisten Stellen, wie bei uns auch, befristet sind. Für Berufseinsteiger ist das vielleicht noch nicht so schlimm, weil jede Stelle für sie bedeutet, Berufserfahrung zu sammeln. Ab 30 kann das aber schwierig werden. Zum Glück gibt es aber auch die positiven Seiten: die Freiheiten, seine Arbeit selbst zu gestalten und die vielen Kontakte und kreativen Momente.

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