Im Auftrag der Bildung
Bildungsreferent/innen in der Kultur stehen meistens nicht selbst vor einer Klasse, sondern organisieren alles drumherum – von der Kursleiterin über Räumlichkeiten bis zu den Instrumenten vor Ort.

Im Auftrag der Bildung

Sie arbeiten in Bildungsstätten, im öffentlichen Dienst, bei NGOs oder Stiftungen: Bildungsreferent/innen sind vielseitig einsetzbar – wenn sie neben Fachwissen auch didaktisches Know-how mitbringen.

Text: Stefanie Wulff

Eine homogene Berufsgruppe bilden Bildungsreferent/innen nicht. So verschieden wie ihre Arbeitgeber und Themengebiete sind, so unterschiedlich ist auch ihr Arbeitsalltag. Während es manche Stellen in erster Linie erfordern, Bildungsangebote zu konzipieren und zu organisieren, liegt bei anderen der Schwerpunkt darauf, selbst Kurse und Seminare zu leiten. Manche Bildungsreferenten/-referentinnen arbeiten in Behörden, manche in großen Unternehmen, andere bei kleinen Vereinen. Was alle eint: Es geht immer darum, Bildungsangebote für die jeweilige Zielgruppe zu ermöglichen.

Um bedarfsgerechte Programme entwickeln zu können, gilt es, den Bildungsmarkt im eigenen Fachbereich zu beobachten, neue Trends und Entwicklungen im Blick zu haben und die Bedürfnisse der Zielgruppe zu ermitteln. Dann müssen die Bildungsangebote in die Praxis umgesetzt werden. Das bedeutet: qualifizierte Dozent/innen gewinnen, sie briefen und ihren (häufig aber auch den eigenen) Einsatz in der Lehre planen. Oft müssen Seminarräume gesucht und gebucht werden.

Je nach Größe der Institution oder Firma, für die sie tätig sind, sind Bildungsreferent/innen auch für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing (mit) zuständig, um Teilnehmer/innen zu gewinnen. Zum Aufgabenspektrum gehören außerdem das Erstellen von geeigneten Bildungsmaterialien beziehungsweise deren ständige Aktualisierung sowie die Beschaffung weiterer Materialien.

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Darüber hinaus müssen Seminarteilnehmende und externe Dozent/innen beraten werden, Veranstaltungen geplant und teils auch Vorträge auf Messen oder anderen Veranstaltungen gehalten werden. Schließlich gilt es, das Budget zu verwalten, Lernstände und -erfolge müssen überprüft und Feedback-Instrumente entwickelt und eingesetzt werden. Weiter sind Abstimmungen mit Trägern und Vorgesetzen und teils auch Mitarbeit an der Erschließung von Fördermitteln Teil der Aufgaben von Bildungsreferent/innen.

Nicht zuletzt wegen des breiten Spektrums an qualifizierten Tätigkeiten werden von Bewerber/innen neben einem kompetenten Fachwissen auch Soft Skills wie strukturiertes, eigenverantwortliches Arbeiten und ein sicheres Auftreten gefordert. Außerdem ist es wichtig, sich selbstständig weiterzubilden, um neue Trends und Methoden zu kennen und für das eigene Bildungsprogramm nutzen zu können.

Online-Angebote entwickeln

Dazu gehört auch der wachsende Bedarf an virtuellen Weiterbildungsangeboten. Als sogenannte/r Tele-Tutor/in oder Tele-Coach/in können Bildungsreferent/innen in diesem Bereich tätig sein. Denn auch wer von zuhause aus selbstbestimmt lernen will, braucht eine kompetente Begleitung. Tele-Tutor/innen ermöglichen das zum Beispiel durch Foren, virtuelle Klassenzimmer oder Chats. Sie moderieren Gruppenaktivitäten und betreuen die Teilnehmenden fachlich und didaktisch.

Auch im virtuellen Raum müssen Bildungsgänge und Angebote konzipiert, organisiert, durchgeführt und evaluiert werden. Allerdings erfordert diese Tätigkeit zusätzlich technische Kompetenzen und die Fähigkeit, in der virtuellen Lehrumgebung souverän auftreten und auch technische Fragen beantworten zu können. Man muss Methoden kennen, die sich für das E-Learning und das weitgehend selbstgesteuerte Lernen der Teilnehmenden gut eignen.

Verschiedene Bezeichnungen

Viele unterschiedliche Namen, (fast) gleicher Inhalt: Für den Beruf „Bildungsreferent/in“ werden oft unterschiedliche Bezeichnungen verwendet – auch wenn die Aufgaben im Wesentlichen die gleichen sind. „Pädagogische/r Referent/in“, „Studienleiter/in“, oder „Dezernent/in“ sind nur einige davon. Die Agentur für Arbeit unterscheidet in ihrem Berufsportal das Berufsbild „Bildungsmanager/in“ allerdings etwas genauer von „Bildungsreferent/innen“: Manager/innen für Bildung arbeiten vorwiegend in größeren Wirtschaftsunternehmen und beziehen verstärkt betriebswirtschaftliche Perspektiven mit ein.

Beim Wissens- und Weiterbildungsmanagement geht es auch immer um die Frage: Welche Kompetenzen brauchen die Mitarbeitenden, damit sich das Unternehmen weiter wirtschaftlich behaupten kann? Leider ist es beim Berufsfeld für Bildungsreferent/innen so, wie in vielen anderen Bereichen auch: Gefragt ist vor allem Erfahrung. Für einen (Quer-)Einstieg ins Berufsfeld sind deshalb Praktika, Erfahrungen als frei- oder nebenberufliche Honorarkraft oder aus einem Ehrenamt, einem Freiwilligendienst oder Volontariat von Vorteil.  

Auch zusätzliche Fortbildungen können ein Pluspunkt bei Bewerbungen sein. Erziehungswissenschaftler/innen und Lehrer/innen, die nicht im Schuldienst arbeiten möchten, bringen schon durch ihren Abschluss gute Voraussetzungen mit, wenn sie sich gegebenenfalls im bevorzugten Gebiet zusätzlich fachlich qualifizieren. Aber auch für Absolvent/innen von Studiengängen wie Sozialpädagogik, soziale Arbeit oder aus den Bereichen Umwelt- oder kulturelle Bildung sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung bietet der Bereich gute Chancen.

Verdienst und Perspektiven

Eine Gehaltsspanne zwischen 2.739 und 5.750 Euro monatlich nennt die Agentur für Arbeit – in Anlehnung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Mit durchschnittlich 3.742 Euro pro Monat ermittelte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für das Berufsfeld „Lehrtätigkeit an außerschulischen Bildungseinrichtungen“ einen ähnlichen Mittelwert für 2016. Allerdings verdienten laut IAB Männer mit durchschnittlich 4.212 Euro deutlich mehr als Frauen mit im Schnitt 3.251 Euro pro Monat.

Da etliche bestehende Bildungswerke und Weiterbildungsangebote vor 30 bis 40 Jahren gegründet wurden, nähern sich viele „Bildungsreferent/innen der ersten Stunde“ langsam, aber sicher dem Rentenalter. Mit dem Generationswechsel, der bald ansteht, bieten sich derzeit auch neue Chancen für Einsteiger/innen und Quereinsteiger/innen – ein Blick über den Tellerrand der eigenen Fachrichtung in Richtung Bildungsarbeit kann sich also durchaus lohnen.

Menschen ermöglichen, Kunst zu machen

Von sich selbst sagt Matthias Edeler, dass er kein großer Musiker sei. Für Kunst und Kultur aktiv sein kann der Bildungsreferent dennoch. Mit Begeisterung organisiert er für Groß und Klein Bildungsprogramme im Musikbereich. 

Matthias Edeler (30) hat Germanistik und Italianistik studiert. Ein Volontariat öffnete ihm die Tür ins Kulturmanagement, das ihn in die Musikbranche brachte. Foto: LVdMSH

„Der Landesverband der Musikschulen in Schleswig-Holstein ist der Dachverband der öffentlichen Musikschulen des Landes. Unsere Mitglieder sind kommunale Musikschulen beziehungsweise. gemeinnützige Musikschulen, die eine kommunale Förderung erhalten. Die Kernaufgabe des Verbandes ist es, die Musikschulen politisch zu vertreten und zu beraten.

Eine weitere Aufgabe ist unser eigenes Bildungsprogramm. Diesen Bereich verantworte ich. Als Bildungsreferent bin ich für drei Programme zuständig. Der erste ist ein Fortbildungsprogramm für Mitarbeitende von Musikschulen. Musikschulleitungen, Verwaltungskräfte und Lehrkräfte können hier unterschiedliche Fortbildungen machen: Von Managementschulungen bis zu musikpädagogischen Kursen.

Der zweite Bereich ist unser Kursprogramm „Feriennote“ und wendet sich vor allem an Kinder und Jugendliche. Wir veranstalten verschiedene Ferienmusikfreizeiten, zum Beispiel Streicher- oder Cellofreizeiten. Es gibt aber auch unser „Wacken:Music:Camp“, das wir regelmäßig vor oder nach dem Musikfestival Wacken Open Air organisieren.

Und dann bieten wir auch noch eine Werkstatt für Kinder an, bei der sie spielerisch an das Leben großer Komponisten herangeführt werden. Ein Stipendienprogramm für Musikschüler, die später ein Instrument oder Gesang studieren möchten, ist der dritte Bereich, für den ich zuständig bin.

Orga für die Kunst

Ich bin erster Linie der organisatorische Leiter dieser drei Programme und mache alles, was nicht künstlerisch ist. Von der ersten Kalkulation bis zur finalen Abrechnung, von der Suche nach Dozenten bis zur Buchung von Veranstaltungsorten, von der Teilnehmerakquise bis zur Öffentlichkeitsarbeit … es gibt viele verschiedene Aufgaben zu erledigen. Bei den Programmen selbst bin ich neben den künstlerischen Leitern auch oft mit vor Ort und unterstütze sie in allen organisatorischen Angelegenheiten.

Studiert habe ich Germanistik und Italianistik. 2016 habe ich meinen Master gemacht. Während des Studiums habe ich ein längeres Praktikum beim Kulturprogramm eines Goethe-Instituts gemacht. Das war eine sehr gute Erfahrung. Hier habe ich gemerkt, dass mir Kulturmanagement wirklich viel Freude bereitet. Mit gefällt es, anderen Leuten zu ermöglichen, Kunst zu machen. Deshalb habe ich mich nach dem Studium auf Volontariate im Bereich Kulturmanagement beworben.

Und es hat geklappt: 15 Monate lang habe ich als Volontär beim Landesmusik­rat in Kiel gearbeitet. Ein Volontariat ist wie ein kurzes Ausbildungsverhältnis für Akademiker, bei dem man noch einmal eine Runde „Safety Car“ fahren kann. In einem noch etwas geschützten Raum konnte ich hier schon mit relativ viel Verantwortung daran mitarbeiten, Kulturprojekte realisieren. Das war eine gute Voraussetzung für mich, um mich anschließend beim Landesverband der Musikschulen bewerben zu können.

Als Generalist in den Musikbereich

Dass ich Bildungsreferent im Musikbereich geworden bin, war eher ein Zufall. Ich selbst bin kein großer Musiker und spiele lediglich relativ mittelmäßig Klavier. Aber das ist auch keine Voraussetzung, um in meinem Bereich zu arbeiten. Was man aber auf jeden Fall mitbringen sollte, ist das Interesse am Thema Kunst und Kultur. Ohne das geht es nicht.

Auch das Studium hat mich gut auf meine Arbeit vorbereitet – obwohl ich weder Musik noch Kulturmanagement studiert habe. Aber man erwirbt im Laufe des Studiums ja noch ganz andere Fähigkeiten. Texte und Zusammenhänge schnell erfassen zu können, strukturiert zu arbeiten, selbstsicher und verbindlich aufzutreten… all diese Soft Skills eignet man sich hier an. Und sie sind in meinem Arbeitsalltag unerlässlich.

Mein Tipp für alle, die als Berufseinsteiger oder auch als Quereinsteiger in meinem Berufsfeld anfangen wollen: Je mehr praktische Erfahrungen man bei der Bewerbung nachweisen kann, desto besser sind die Chancen. Mir persönlich haben Praktika und das Volontariat sehr geholfen. Ich konnte vieles lernen, mir manches abgucken und auch schon Dinge eigenverantwortlich umsetzen.“

Auswahl an Einsatzmöglichkeiten:
  • Behörden und öffentlicher Dienst: Ob Angebote für Geflüchtete wie Sprach- und Inte­grationskurse oder Qualifikationsangebote von Volkshochschulen und Jobcentern – Kommunen und Landkreise beschäftigen Bildungsreferent/innen, die sich darum kümmern, Bildungsangebote aufeinander abzustimmen und neue Impulse zu geben.
  • Gewerkschaften: Viele Gewerkschaften haben eigene Bildungswerke, in denen Bildungsreferent/innen Fortbildungsprogramme für Mitglieder konzipieren und umsetzen.
  • Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung: Von den Umwelt- und Naturschutzverbänden über Umweltstationen bis zu Akademien für Natur- und Umweltschutz – für Umweltbildner/innen gibt es viele Möglichkeiten, sich im Bildungsbereich für den Schutz von Umwelt und Natur einzusetzen.
  • Politische Parteien und parteinahe Stiftungen: Auch hier lohnt sich die Recherche nach Jobs in Bildungswerken der parteinahen Stiftungen und der Parteien.
  • Kirchen und Wohlfahrtsverbände: Von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bis zur Diakonie, von der Lebenshilfe bis zu Freiwilligendiensten in Bistümern – im sozialen und kirchlichen Bereich werden ebenfalls zahlreiche Schulungen und Fortbildungen angeboten.
  • Kunst und Kultur: Überall, wo Menschen kulturelle Bildung erhalten – zum Beispiel Musik, bildende Kunst und Tanz – braucht es auch fachkundige Referent/innen, die das Programm organisieren. Hier lohnt sich auch ein Blick auf die jeweiligen Dachverbände oder Zusammenschlüsse kultureller Bildner/innen.
  • Kammern: Industrie- und Handelskammern (IHKs) und Berufsverbände bilden ihre Mitglieder ebenfalls fachlich fort. Dafür benötigen sie geeignete Bildungsfachkräfte.
  • Akademien und Fortbildungsinstitute: Naheliegend sind natürlich auch alle klassischen Einrichtungen der Erwachsenenbildung – wie Volkshochschulen, private Weiterbildungsinstitute, Werkstätten für Familienbildung, Sprachschulen oder Stiftungen.
  • Öffentliche Weiterbildungseinrichtungen in freier Trägerschaft: Hier lässt sich das gesamte Spektrum von allgemeiner, politischer, beruflicher und kultureller Weiterbildung sowie der Familienbildung wiederfinden. Das WILA Bildungszentrum gehört ebenso dazu wie beispielsweise das Frauenbildungshaus Altenbücken in Niedersachsen oder die Ebertsheimer Bildungsinitiative e.V. in Rheinland-Pfalz.
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