Wissenschaft spannend erklärt
Wissenschaftskommunikation fördert den Austausch zwischen Forscher/innen und Bürger/innen. Da- hinter stehen Leute, die gerne Wissen verständlich und multimedial vermitteln.

Wissenschaft spannend erklärt

Wie lässt sich die Wissenschaftskommunikation nutzen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Das erforscht Dr. Lars Guenther. Ihn fasziniert, wie die Digitalisierung die Kommunikation verändert.

Interview: Gerti Keller

Dr. Lars Guenther hat Medienwissenschaft, Neuere Geschichte und Germanistische Literaturwissenschaft studiert. Foto: Kalayvan Nadar

Seit 2019 ist Dr. Lars Guenther wissenschaftlicher Mitarbeiter im Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society“ (CLICCS) mit Schwerpunkt auf Klima- und Wissenschaftskommunikation an der Universität Hamburg. 

WILA Arbeitsmarkt: Warum ist Wissenschaftskommunikation gerade in der heutigen Zeit so wichtig?
Dr. Lars Guenther: Ich glaube, sie war schon immer wichtig. Aber sie ist vielfältiger geworden. Mit Wissenschaftskommunikation meinte man früher meist entweder die interne Kommunikation unter Wissenschaftlern oder jegliche Kommunikation aus der und über die Wissenschaft nach außen, oft gleichgesetzt mit Wissenschaftsjournalismus. Der Journalismus ist immer noch wichtig, aber er hat sein Monopol als Informationsvermittler verloren. 

Durch die Digitalisierung sind neue Kommunikationskanäle entstanden. Wissenschaftler/innen können sich direkt an ihr Publikum wenden, beispielsweise über soziale Medien oder Blogs. Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben heute Pressestellen und betreiben eigene Wissenschafts-PR. Eigentlich kann jetzt jeder Wissenschaftskommunikation betreiben, der möchte. Man kann diese Pluralität kritisch sehen. Will man ihr etwas Positives abgewinnen, so ist dies sicherlich, dass Aufmerksamkeit auf die Wissenschaft gelenkt wird.

 

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Hilft das gegen Fake News?
Das lässt sich nicht einfach beantworten. In der Wissenschaftskommunikation kommen zu viele Akteure zusammen, die jeweils andere Ziele verfolgen. Forschende berichten gern direkt von ihrer Arbeit, vor allem, wenn gesellschaftlich relevante und gesicherte Ergebnisse vorliegen.

Angestellte der Wissenschafts-PR haben dabei immer auch das Interesse ihrer Organisation im Hinterkopf. Ich sehe in all diesen Berufen nicht unbedingt die Aufklärung von Fake News als Zielsetzung. Ich denke aber, dass jemand, der sich professionell mit Wissenschaftskommunikation beschäftigt, sicherlich gut geeignet ist, Fake News zu entkräften.

"Wissenschaft und Öffentlichkeit sollten sich gegenseitig verstehen."

Was ist das Wichtigste? Die Bürger zu motivieren, den Klimawandel aufzuhalten? 
Für mich ist das Wichtigste, dass eine Brücke gebaut wird, die Wissenschaft und Öffentlichkeit verbindet. Dabei sollte es vorrangig darum gehen, einen Dialog herzustellen. Also nicht darum, der Öffentlichkeit zu sagen, was sie tun soll. Vielmehr sollten sich sowohl Wissenschaft als auch Öffentlichkeit gegenseitig verstehen. 

Die Wissenschaft kann beispielweise Informationen bereitstellen und dann erfahren, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert. Natürlich wäre es toll, könnten wir die Menschen besser motivieren, den Klimawandel aufzuhalten. Aber wie die gelieferten Fakten aufgenommen werden, lässt sich schlecht vorhersagen.

Was sind besonders spannende, neue Formate?
Persönlich finde ich spannend, wie die voranschreitende Digitalisierung die Wissenschaftskommunikation verändert. Es ist schon faszinierend zu sehen, dass eine Facebook-Gruppe wie „I fucking love science“ fast 25 Millionen Follower hat. Die Einwohnerzahl Australiens liegt unter dieser Zahl, nur um einen Vergleich anzustellen. 

Es entstehen auch neue Hybridformen zwischen Journalismus und Wissenschaft, wie die Seiten von The Conversation. Dort schreiben Journalisten gemeinsam mit Wissenschaftlern an Texten, die dann frei im Internet verfügbar sind.

Was laufen bei Ihnen aktuell für Projekte?
Wir beschäftigen uns in mehreren Forschungsprojekten damit, wie Zukunftsszenarien des Klimawandels in journalistischen aber auch sozialen Medien konstruiert werden – also wie konkret, gesichert, lokal, politisiert, dringend etcetera verschiedene Szenarien dargestellt werden. Das, so vermuten wir, beeinflusst das Verhalten von Rezipierenden, beispielsweise welche Maßnahmen des Klimaschutzes sie selbst ergreifen.

"Vielleicht ist der Bereich ja ein gutes Beispiel dafür, dass Personen verschiedener Disziplinen sehr wohl gut zusammenarbeiten können."

Welche Fähigkeiten sollte man für einen Job in der Wissenschaftskommunikation mitbringen?
Das Schöne an der Wissenschaftskommunikation ist, dass Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen aufeinandertreffen und gemeinsam an etwas Größerem arbeiten. Einige kommen aus den Naturwissenschaften, andere aus den Sozial- oder Geisteswissenschaften. 

Vielleicht ist der Bereich ja ein gutes Beispiel dafür, dass Personen verschiedener Disziplinen sehr wohl gut zusammenarbeiten können. Was man unbedingt mitbringen sollte, ist ein Interesse an den zwei Bausteinen des Wortes Wissenschaftskommunikation. Interesse und Faszination für wissenschaftliche Themen sollten vorhanden sein. Ein Grundverständnis wissenschaftlicher Prozesse ist sicher hilfreich.

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