Einsatz im Sozialdienst: Bei der Jobsuche begleiten
Fachkräfte in der Arbeitsvermittlung helfen sowohl bei der Berufswahl als auch beim Jobeinstieg.

Einsatz im Sozialdienst: Bei der Jobsuche begleiten

In der Arbeitsvermittlung und in der Berufsberatung brauchen Fachkräfte sowohl einen guten Überblick über den Arbeitsmarkt als auch Fingerspitzengefühl.

Text: Janna Degener-Storr

Wer in der Berufsberatung oder in der Arbeitsvermittlung tätig werden möchte, findet nicht nur bei den Agenturen für Arbeit Einstiegsmöglichkeiten, sondern auch bei freien Trägern. Dennoch ist die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit ihren deutschlandweit ansässigen Arbeitsagenturen in diesem Bereich der größte Arbeitgeber in Deutschland. Die Fachkräfte der Arbeitsvermittlung beraten hier Schülerinnen und Schüler. In den Hochschulteams haben sie ein offenes Ohr für Studierende und Absolvent/innen.

Dieser Text ist Teil der Serie "Einsatz im Sozialdienst", die zurzeit im WILA Arbeitsmarkt erscheint. 

Aber auch die konkrete Arbeitsvermittlung gehört natürlich zum Aufgabenspektrum bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern. Darüber hinaus gibt es für die Expertinnen und Experten die Möglichkeit, sich beruflich in Projekten zu engagieren, beispielsweise zum Thema Integration von Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf.

Für ihre Tätigkeit müssen Arbeitsvermittler/innen einen Überblick über die Arbeitsmarktmöglichkeiten für ihre Klientinnen und Klienten haben und über entsprechende Recherchekompetenzen verfügen. Darüber hinaus sind in der individuellen Beratung soziale Kompetenzen wichtig, damit die Fachkräfte die Bedürfnisse und Potentiale ihres Gegenübers erkennen und ihnen eine passgenaue Beratung zukommen lassen können. Arbeitsvermittler/innen unterstützen die Jobsuchenden aber auch im Bewerbungsprozess. Sie organisieren Veranstaltungen wie Jobbörsen, die sie auch selbst durchführen. Außerdem nehmen sie an Netzwerktreffen teil, um beispielsweise den Kontakt zu Arbeitgebern zu pflegen.

Vielfältige Zielgruppen

Neben den Agenturen für Arbeit bieten auch freie Bildungsträger und Unternehmen Berufsberatung und Arbeitsvermittlung an. Fachkräfte, die in diesem Bereich arbeiten wollen, müssen gut auf verschiedene Zielgruppen eingehen können. Freie Bildungsträger unterstützen sowohl Langzeitarbeitslose als auch Geflüchtete oder Jugendliche, die am Übergang von der Schule zum Beruf stehen und unter anderem ausbildungsbegleitende Hilfen benötigen. So qualifiziert und beschäftigt zum Beispiel das Unternehmen Q-Prints&Services im baden-württembergischen Pforzheim arbeitslose Frauen und Männer mit erschwerten Zugangsvoraussetzungen zum ersten Arbeitsmarkt sowie Jugendliche und junge Erwachsene ohne Schul- und/oder Berufsabschluss.

Aufgaben, die Fachleute hier in Projekten übernehmen können, sind beispielsweise das Coaching von arbeitssuchenden Menschen in einem Lern- und Lehrbetrieb sowie die individuelle Begleitung und Durchführung von Gruppenangeboten. Außerdem arbeiten sie mit Institutionen wie dem Jobcenter zusammen. Voraussetzung ist ein pädagogischer, psychologischer oder vergleichbarer Abschluss.

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Auch in den Sozialdiensten von Kliniken und Justizvollzugsanstalten spielt die Beratung zum Wiedereinstieg in den Beruf eine Rolle. Die Abteilung Medizinisch-berufliche Rehabilitation der BDH-Klinik im rheinland-pfälzischen Vallendar beispielsweise sucht aktuell Jobcoaches und Jobcoachinnen Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung zum Arbeitserzieher oder eine abgeschlossene Berufsausbildung mit sonderpädagogischer Zusatzqualifikation.

Möglichkeiten zum Quereinstieg

Der Einstieg in dieses Berufsfeld ist nicht nur für Sozialarbeiter/innen und Sozialpädagog/innen möglich, sondern beispielsweise auch für Historiker/innen oder Germanist/innen, die im Studium Recherche- und Kommunikationskompetenzen erworben haben. Wer bei der BA Fuß fassen möchte, kann sich direkt auf ausgeschriebene Stellen bewerben, ein duales Studium an der Hochschule der BA absolvieren oder am hauseigenen Trainee-Programm teilnehmen.

Laut aktuellen Stellenausschreibungen von Jobcentern zählt zu den grundlegenden Jobvoraussetzungen der Abschluss eines nicht-technischen Fachhochschulstudiums oder eine vergleichbare Qualifikation. Quereinsteiger/innen sollten außerdem einschlägige Berufserfahrungen in der Arbeitsvermittlung mitbringen. Wenn der Einstieg gelingt, kann die Beratung und Vermittlung von arbeitslosen oder jobsuchenden Menschen auch ein Sprungbrett sein. Mit einigen Jahren Berufserfahrung ist auch ein Jobwechsel zu Personaldienstleistern oder in Personalabteilungen von Unternehmen möglich.

Integration mit Zukunft

Ob mit Krankheit oder Schulden, neben der Jobsuche haben manche Menschen noch mit anderen Herausforderungen zu kämpfen – und benötigen daher besondere Unterstützung. Integrationsberater Jens Brehm sucht mit ihnen nach individuellen und nachhaltigen Lösungen. 

Jens Brehm ist Integrationsberater und betreut arbeitslose Menschen, die trotz Qualifikation schwer vermittelbar sind. Foto: privat

Im Vergleich zu anderen Arbeitsvermittler/innen hat Jens Brehm als sogenannter Integrationsberater mit seinen rund achtzig Klientinnen und Klienten einen überschaubaren Kundenstamm. Denn als Mitarbeiter im Programm „Interne ganzheitliche Integrationsberatung“, kurz Inga, ist er nur für Menschen zuständig, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. „Die Menschen, die zu uns kommen, sind oft älter oder gesundheitlich eingeschränkt. Bei vielen gibt es links und rechts von der Arbeitssuche Schwierigkeiten, etwa Suchtprobleme oder Schulden. Deshalb haben diese Kundinnen und Kunden einen besonderen Informations- und Unterstützungsbedarf“, erklärt der Integrationsberater.

Wenn die Allgemeine Arbeitsvermittlung bei jemandem einen intensiveren Beratungsbedarf festgestellt hat, leitet sie die Person an Jens Brehm und sein Team weiter. In einem ersten Beratungstermin wird sich dann eineinhalb Stunden Zeit zum Kennenlernen genommen. „Ich lasse die Kunden und Kundinnen immer erstmal erzählen, um dann gezielt nachzufragen: Wie bemüht sich die Person selbst um einen Job? Wie geht es ihr sonst so? Gibt es etwas, was wir beachten müssen?“, berichtet Brehm.

Wenn Kund/innen gar nichts von sich berichten möchten, profitiere er von seinem sozialpädagogischen Studium und seinen Kompetenzen im Bereich der Gesprächsführung. Ein Beispiel: „Wenn ein Kunde mit einer gesundheitlichen Einschränkung vor mir sitzt, der partout weiter in seinem Beruf arbeiten möchte, hilft es ihm vielleicht zu überlegen, wie er sich seine Situation in fünf oder zehn Jahren vorstellt.“

Probleme gemeinsam angehen

Häufig hat Jens Brehm mit Menschen zu tun, die unter privaten Problemen leiden, von ihrem Arbeitgeber schlecht behandelt wurden oder ihren Arbeitsplatz nach langer Betriebszugehörigkeit verloren haben: „Das macht schon etwas mit einem, wenn man fünfzehn oder zwanzig Jahre bei einem Arbeitgeber tätig war und dann plötzlich mit fünfzig Jahren vor dem Nichts steht.“ Viele seiner Kund/innen stecken aber auch knietief in Schulden und sprechen zunächst nicht darüber. Scham oder auch psychische Erkrankungen, die aus solchen Problemlagen entstehen können, führen manchmal dazu, dass die Kund/innen keine Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen wollen.

Die wichtigste Grundlage für die Arbeit mit seinen Klient/innen ist eine gute Vertrauensbasis. Und dafür biete die Arbeitsagentur mit dem Programm Inga gute Voraussetzungen. Neben regelmäßigen Beratungstermin können die Kund/innen Jens Brehm aber auch jederzeit anrufen, sich per Email melden oder – im besten Fall nach telefonischer Vorankündigung – spontan vorbeikommen:

„Es kommt immer wieder mal vor, dass ein Kunde oder eine Kundin plötzlich vor der Tür steht. Der eine möchte anmelden, dass er demnächst ein Praktikum antreten wird. Die andere hat eine Weiterbildung gefunden, mit der sie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern könnte, und möchte wissen, ob wir diese Maßnahme fördern.“

Kommunikation ist das A und O

Etwa vier Beratungsgespräche führt Jens Brehm jeden Tag am Vormittag und ein bis zwei weitere am Nachmittag. Den Rest der Zeit verbringt er mit administrativen Tätigkeiten. Wenn Kund/innen etwa einen Antrag auf die Förderung einer Weiterbildung stellen, sich die Reisekosten zu einem Vorstellungsgespräch erstatten lassen möchten oder Eingliederungszuschüsse von Arbeitgebern in Anspruch nehmen wollen, muss Jens Brehm dies in die elektronischen Akten einbuchen, berechnen und an die Leistungsabteilung weiterleiten.

Alle sechs bis acht Wochen bietet Jens Brehm darüber hinaus ein Seminar zum Vorstellungsgespräch an, dass von den Kund/innen seines Teams besucht werden kann und in benachbarten Geschäftsstellen stattfindet. Insgesamt sind neun Integrationsberater in den Kreisen Pinneberg und Segeberg für die Arbeitsagenturen tätig, auf sechs Geschäftsstellen verteilt. Einmal monatlich treffen sie sich in einer Videokonferenz, einmal persönlich und bei Bedarf zu Supervisionen. Darüber hinaus tauschen sie sich auch telefonisch aus.

Dieser kollegiale Austausch ist Jens Brehm wichtig, um die teils sehr anstrengende Arbeit mit seinen schwierigen Kund/innen bewältigen zu können. „Wenn die Büchse der Pandora erstmal geöffnet ist, erfahre ich von meinen Kundinnen und Kunden manchmal Dinge, die überhaupt nichts mit der Arbeitsaufnahme zu tun haben und sehr belastend sind“, gibt er zu.

Trotzdem liebe er seine Arbeit, die er als sehr sinnvoll ansieht: „Wenn wir die Leute nach dem Prinzip ‚Hire and Fire‘ nur kurzfristig in Arbeit bringen und sie schon nach kurzer Zeit wiedersehen würden, wäre ihnen kaum geholfen. Stattdessen schaffen wir es oft, sie nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“

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