Geschichten in Holz entdecken
Spurensuche im Wald bei einer mittelalterlichen Bergbausiedlung

Geschichten in Holz entdecken

Das Wissen über die Vergangenheit für die Wälder der Zukunft nutzen: Beim Projekt ­ArchaeoForest arbeiten Fachkräfte der Archäologie und der Forstwissenschaft Hand in Hand.

Text: Stefanie Schweizer

Das Forschungsprojekt ArchaeoForest soll den Folgen des Klimawandels entgegenwirken: Mithilfe historisch-archäologischer Daten entwickeln Fachkräfte praxisorientierte Lösungen für die Forstwirtschaft, etwa, was künftige Standorte und die Auswahl von Baumarten anbelangt. Gemeinsam versuchen Forscherinnen und Forscher aus Archäologie und Forstwissenschaft, den Holzfunden aus den mittelalterlichen Bergwerken des Erzgebirges ihre Geschichte zu entlocken.

„Das Projekt nutzt dazu das Potenzial archäologischer Hölzer, deren Bedeutung als ‚Datenträger‘ für historische Klimadaten, die Zusammensetzung des mittelalterlichen Urwaldes und allgemein für die Bemessung der menschlichen Einflussnahme auf die Umwelt bislang noch nicht erkannt worden ist“, erklärt Dr. Christiane Hemker, Archäologin beim Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA) sowie Leiterin des ArchaeoForest-Projekts vonseiten des LfA. Ihre Tätigkeit im Projekt bewegt sich zwischen Verwaltungs- und Managementaufgaben, Öffentlichkeitsarbeit sowie Fach- und Forschungsfragen.

„Oft sind die Bereiche miteinander verwoben, etwa, wenn es darum geht, einen gemeinsamen Außeneinsatz mit Archäologen und Forstwissenschaftlern zu planen. Dafür braucht man Betretungsgenehmigungen. Und man muss zuvor vielversprechende archäologische Strukturen identifizieren, die dann letztlich dokumentiert und beprobt werden“, erklärt Christiane Hemker.

Gemeinsam forschen und arbeiten

Die Leitung aufseiten des ArchaeoForest-Leadpartners, dem Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft Sachsenforst, übernimmt Dr. Dirk-Roger Eisenhauer. Der promovierte Forstwissenschaftler blickt auf mehr als 40 Berufsjahre in unterschiedlichen Positionen und Institutionen im Wald- und Forstschutz zurück.

„Im Projekt gibt es verschiedene Aufgaben. Da wäre die Analyse der frühmittelalterlichen Baumartenzusammensetzung der Wälder des Erzgebirges auf Grundlage von Holzkohleresten aus Meilerplätzen und Grubenhölzern. Diese übernimmt das lfa. Anschließend werden diese gemeinsam von lfa und Sachsenforst mit forsthistorischen Archivstudien abgeglichen“, erklärt Dirk-Roger Eisenhauer. Diese Vorgehensweise gibt den Forscherinnen und Forschern die Möglichkeit, bisheriges Wissen über die Zusammensetzung von Wäldern vor dem Bergbau neu zu evaluieren und die Erkenntnisse beispielsweise für die künftige Bepflanzung zu nutzen.

Ein arbeitsintensives Projekt, das vom interdisziplinären Austausch profitiert, dadurch aber auch organisatorische Herausforderungen birgt. Beispielsweise muss das Projektziel genau formuliert, allen Teams und sonstigen Beteiligten aus den einzelnen Fachdisziplinen vermittelt und während des Projektzeitraums zeitlich und inhaltlich abgestimmt werden.

„Erfolgt das nicht, münden sogenannte interdisziplinäre Projekte in ein Nebeneinander der beteiligten Fachdisziplinen. Eine integrierende Komponente ist folglich unverzichtbar und muss durch die Fachdisziplin geleistet werden, welche den unmittelbaren Anwendungsbezug herstellt und/oder die Nutzung der Projektergebnisse realisiert“, ist Dirk-Roger Eisenhauer überzeugt. Dies erfordere vor allem eine hinreichende Durchdringung der jeweiligen Disziplinen durch die Projektleitung.

Weiterhin sei Teamfähigkeit ein Schlüssel, „auch im Sinne einer konstruktiven Auseinandersetzung mit Bezug zu einem gemeinsamen Ziel. Das klingt zunächst selbstverständlich, ist es jedoch nicht, wenn man das ‚Innenleben‘ mancher ‚Teams‘ etwas genauer betrachtet.“

Interdisziplinär kommunizieren

Für Christiane Hemker sind Kommunikationsfähigkeit sowie die Nutzung neuester Dokumentations- und Analyseverfahren wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Arbeit. „Seit der Jahrtausendwende verwenden wir für die archäologische Basisarbeit neben den diversen naturwissenschaftlichen Analysen beispielsweise sehr intensiv Geografische Informationssysteme (GIS), Fernerkundung (LiDAR) und das Structure for Motion-Verfahren (SFM).“

Mit Projekten wie ArchaeoForest profitieren sowohl die beteiligten Fachdisziplinen als auch der Klima- und Umweltschutz. Denn die komplexen, durch den Klimawandel verursachten Probleme halten sich nicht an die von der Wissenschaft definierten Disziplinen, sondern überschreiten oder vermischen diese.

 

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