Mit Fundraising Ideen voranbringen
Im Fundraising ist der persönliche Austausch sehr wichtig – sei es mit Spender/innen oder Kooperationspartner/innen.

Mit Fundraising Ideen voranbringen

Hier brauchen Fachkräfte ein Händchen für Zahlen und Kommunikationsgeschick. Auch ein Quereinstieg lohnt sich, berichtet Tatjana Giese vom Eine Welt Netz NRW.

Interview: Nicole Kretschmer

Tatjana Giese arbeitet hauptverantwortlich für den Verein Eine Welt Netz NRW e.V. im Fundraising. Foto: privat

WILA Arbeitsmarkt: Was genau sind Ihre Aufgaben im Fundraising?
Tatjana Giese: Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Koordination der Mitgliederwerbung auf der Straße – das sogenannte Face-to-Face-Fundraising. Dort betreue ich unsere Dialogerinnen und Dialoger, die mit Infoständen in der Münsteraner Innenstand Passant/innen auf eine finanzielle Förderung oder ehrenamtliches Engagement ansprechen.

Darüber hinaus schreibe ich Spendenbriefe, die unseren Mitgliederrundbriefen beiliegen, aber auch Projektanträge oder lese sie gegen. Außerdem führe ich Gespräche mit Sponsorinnen und Sponsoren. Mein zweiter Schwerpunkt besteht darin, andere Vereine und Gruppen aus dem entwicklungspolitischen Bereich in Nordrhein-Westfalen zum Fundraising zu beraten. Und einmal im Jahr organisiere ich auch die Studientagung „Fundraising für Umwelt und Entwicklung" im Franz-Hitze Haus in Münster.

Hatten Sie vorher schon mit dem Bereich Fundraising zu tun?
Nicht direkt. Ich habe im Bachelor Geografie und Soziologie studiert und dann im Master Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen. Die Stelle beim Eine Welt Netz NRW war als Teamleitung für Face-to-Face-Fundraising ausgeschrieben – die Ausschreibung habe ich übrigens über Facebook entdeckt. 

Zu der Zeit war ich gerade in den letzten Zügen meiner Masterarbeit, und ich dachte dann: Ach komm, ich probiere es einfach mal. Da ich aber vorher bei einem anderen Verein als Ehrenamtskoordinatorin gearbeitet habe, gab es darüber ein paar Berührungspunkte. Damit konnte ich dann auch im Bereich Teamleitung punkten, und es hat geklappt.

"Am Anfang war es dann relativ viel Neues."

Was war das Schwierigste am Anfang?
Meine Vorgängerin war schon weg, und es gab kein bestehendes Team von Dialogerinnen und Dialogern für das Fundraising auf der Straße. Hinzu kam ja auch, dass es ein komplett neues Feld für mich war. Ich musste mich erstmal selbst reindenken und reinfinden. Zusätzlich musste ich aber auch das Team aufbauen und schulen. Am Anfang war das dann relativ viel.

"Man trifft viele unterschiedliche Menschen, und das macht mir mit am meisten Spaß."

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit als Fundraiserin?
Ich mag vor allem das Kommunikative. Dadurch ist es ein sehr vielseitiger Job: Es ist ein kompletter Unterschied, ob ich auf der Straße stehe und Leute anquatsche, die ich für eine Mitgliedschaft begeistern möchte, oder ob ich im Büro eines Unternehmens sitze und mit dem Geschäftsleiter ein Sponsorengespräch führe. Man trifft viele unterschiedliche Menschen, und das macht mir mit am meisten Spaß.

"Keine Angst vor Zahlen."

Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen?
Man sollte keine Scheu haben, auf Menschen zuzugehen und es mögen, mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu treten und viel zu reden. Außerdem sollten Fachkräfte, die in dem Bereich arbeiten wollen, sich auf andere Menschen einlassen können sowie Empathie, diplomatisches Geschick und eine gewisse Überzeugungskraft mitbringen. Und ganz wichtig: Man sollte keine Angst vor Zahlen haben, denn bei Spenden handelt es sich ja oft um Geldsummen. Diese müssen dann auch korrekt verwaltet und verbucht werden.

"Die richtige Weiterbildung kann auch ein Türöffner für Quereinsteiger/innen sein."

Welchen Tipp würden Sie Quereinsteiger/innen für den Anfang mit auf den Weg geben?
Eine gewisse Frustrationstoleranz gehört zum Fundraising dazu, und da darf man sich nicht entmutigen lassen, nur weil einmal etwas nicht funktioniert. Darüber hinaus sind die persönlichen Kompetenzen und ein überzeugender Auftritt wichtig. Die fachlichen Kompetenzen können sich die Fachkräfte auch später noch aneignen. 

Bei meinem Einstieg hat mir zum Beispiel die Referentenausbildung an der Fundraising Akademie geholfen. Ich würde also jedem oder jeder empfehlen, wenn möglich, eine Weiterbildung zu machen. Gerade die Weiterbildungen von der Fundraising Akademie sind in der ganzen Szene bekannt und können daher auch ein Türöffner für Quereinsteiger/innen sein.

Sie organisieren die Studientagung „Fundraising für Umwelt und Entwicklung". Wie wichtig sind Netzwerke in dem Bereich?
Alle, die ich kenne, haben sich schon früh in irgendeiner Form engagiert. Über diesen Weg haben sie dann angefangen, ihre Netze aufzubauen. Gerade für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger lohnt es sich also, auf Tagungen zu gehen und mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Fundraising basiert einfach auf ganz viel Erfahrungswissen, das wir uns auch von anderen aneignen können. Auch ich profitiere sehr viel davon, mich mit Leuten auszutauschen, die schon viel länger dabei sind.

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