Im Einsatz für den Moorschutz
Moore spielen beim Klimaschutz eine entscheidende Rolle. Fachkräfte, die hier tätig werden wollen, brauchen nicht nur Fachwissen, sondern auch Durchhaltevermögen und großes Engagement.

Im Einsatz für den Moorschutz

Seit dem 17. Jahrhundert hat der Mensch rund 99 Prozent aller Moore in Deutschland entwässert, abgebaut oder land- und forstwirtschaftlich genutzt. Um die Ökosysteme zu retten, braucht es vielfältiges grünes Fachwissen.

Text: Melissa Strifler

Peter Germer ist quasi im Moor aufgewachsen und hat von seinen Eltern von klein auf Naturverständnis vermittelt bekommen. Kein Wunder also, dass der heute 55-Jährige sich auch beruflich dem Moorschutz widmet. Der Diplom-Ingenieur ist in der Landespflege beim BUND Diepholzer Moorniederung aktiv.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Gebietsbetreuung. Für einige Naturschutzgebiete übernimmt Peter Germer die Gebietsbetreuung auf fachlicher Ebene, gemeinsam mit seinem Team und in Kooperation mit den Naturschutzbehörden von Landkreis und Land. Dazu zählen Bestandskartierungen, Vorschläge für Pflege und Entwicklungsmaßnahmen sowie Artenschutzmaßnahmen. Auch Konzepte zum Moor- und Klimaschutz werden erstellt und umgesetzt. „Besonders viel Spaß macht mir, dass wir nicht nur planen und ab in die Schublade – sondern planen, umsetzen und schauen, ob es funktioniert hat“, sagt Germer. „Nicht nur in der Theorie, sondern in der Realität.“

Auch Ulf Schiefelbein von der Koordinierungsstelle Moorschutz des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Mecklenburg-Vorpommern begeistert sich für die Konzeption und inhaltliche Begleitung von praktischen Projekten. Dabei geht es häufig um Vorhaben zur sogenannten Wiedervernässung von Mooren. Das heißt, um Maßnahmen, mit denen sich der Wasserstand in den Feuchtgebieten anheben und mit denen sich so das Ökosystem wiederherstellen lassen.

Ulf Schiefelbein ist für die Förderung von EU-kofinanzierten Moorschutzprojekten mitverantwortlich. Der Experte berät Projektträger bei der Vorbereitung von Moorschutzprojekten, prüft Anträge und begleitet die Projektträger fachlich bei der Umsetzung von Projekten. Darüber hinaus arbeitet er an Konzepten zum Moorschutz auf Landes- und Bundesebene mit. Studiert hat Ulf Schiefelbein Pflanzenproduktion und Agrarökologie. Anschließend folgte die Promotion auf dem Gebiet der Landschaftsökologie.

Grüne Expertise

Doch zum Schutz der Moore können auch Expertinnen und Experten aus anderen Fachgebieten beitragen – zum Beispiel aus Biologie, Geologie und Ökologie, aber auch aus der Landschaftspflege, den Umweltwissenschaften oder der Forstwirtschaft- und wissenschaft. Häufig sind hydrologische Kenntnisse gefragt. Ebenso sei laut Reinhard Stock von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) botanisches und zoologisches Know-how wichtig, wenn es um Fragen des Naturschutzes geht.

Peter Germer bringt ein FH-Studium im Bereich Landespflege mit. Nach dem Grundstudium entscheid er sich für die Spezialisierung Landschaftsökologie. Außerdem absolvierte er in einer Baumschule im Ammerland mit 18 Jahren eine Ausbildung zum Gärtner und schloss einen 20-monatigen Zivildienst beim BUND der Diepholzer Moorniederung im Moorschutz an: „Mir hat meine Ausbildung sehr geholfen, um in dem Beruf Fuß zu fassen. Fachlich kann ich von meiner Gärtnerausbildung nicht mehr viel gebrauchen, habe aber viel fürs Leben gelernt – das ist sehr wichtig“, erklärt Germer. Dennoch sei ein Studium die Grundvoraussetzung; er empfiehlt Landschaftsökologie, Biologie, Geographie oder Ähnliches.

Während des Studiums rät Peter Germer, sich dringend Artenkenntnisse anzueignen: „Wenn ich etwas nicht kenne oder erkenne, wie will ich mir dann Gedanken darüber machen, wie ich es schützen kann?“ Nach seiner Erfahrung sind für einen solchen Beruf vor allem Belastbarkeit, Naturverbundenheit, Artenkenntnis und Teamfähigkeit wichtige Voraussetzungen. Außerdem sollte jede/r selbst motiviert sein, Weiterbildungen zu absolvieren.

Ulf Schiefelbein ergänzt: „Gut ist es für den Beruf außerdem, wenn man strategisch und fachübergreifend denken kann, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen besitzt, wenn man in der Lage ist, komplexe Dinge schnell zu begreifen. Außerdem gehören Geduld, Ausdauer und zielorientiertes Arbeiten zu den Voraussetzungen.“ Ulf Schiefelbein empfiehlt zudem ein Studium in Wasserwirtschaft, Wasserbau oder Meliorationswesen: „Wasserwirtschaftler/innen werden zurzeit noch dringender gebraucht als Landschaftsökologen,“ sagt der Experte.

Herausforderungen im Naturschutz

Zu kämpfen hat Peter Germer immer wieder mit Verwaltungsvorschriften, Richtlinien und Nebenbestimmungen von Förderbescheiden, die ihm das Handeln außerhalb des Verwaltungskosmos nahezu unmöglich machen. „Mein persönlicher Marterpfahl ist das Vergaberecht“, verrät der 55-Jährige.

Er spricht auch ganz klar seine größten Herausforderungen an: „Nicht selten wird Naturschutz immer noch als notwendiges Übel angesehen, welches selbstredend unverzichtbar ist, aber es soll bitteschön doch nicht so viel kosten. Und wenn dann auch noch der Wachtelkönig verhindert, dass eine unverzichtbare Straße gebaut werden kann, um den Waren- und Personenverkehr ungehindert fließen zu lassen, ist doch wohl klar, dass die Verhältnismäßigkeit da nicht gegeben ist.“

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Immer wieder versucht Peter Germer in seinem Beruf, die Belange des Naturschutzes zu stärken: „Das ist manchmal sehr unbequem, denn man wird schnell als ständiger Nörgler und Verhinderer wahrgenommen.“ Auch Ulf Schiefelbein hat schon diese Erfahrung gemacht. Funktionieren kann es in seinen Augen nur durch Zusammenarbeit von Wasserwirtschaft, Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft sowie den örtlich Betroffenen und Kommunen.

„Besonders bei der Umsetzung von Moorschutzprojekten wird man mit vielen Herausforderungen konfrontiert, denn sehr viele Maßnahmen zur Wiedervernässung oder Verbesserung des Wasserhaushaltes in den Mooren haben Auswirkungen auf landwirtschaftlich genutzte oder Waldflächen, teilweise auch auf Bebauung und Infrastruktur“, sagt Schiefelbein.

Moorschutz ist Klimaschutz

Dabei ist der Schutz der Moore aber auch für den Klimaschutz von großer Bedeutung. Moore entziehen der Atmosphäre weltweit jedes Jahr bis zu 250 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid und wirken damit als Kohlenstoffsenke. Das von den Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommene CO2 wird nach ihrem Absterben im Torf festgelegt. Aufgrund dessen können Moorrevitalisierungen beziehungsweise Wiedervernässungen von Mooren eine sehr effektive und preiswerte Maßnahme zur Einsparung von Treibhausgasen darstellen.

Außerdem haben Moore einen großen Einfluss auf den Wasserabfluss und regulieren dementsprechend in erheblichem Maße den Landschaftswasserhaushalt. Sie beeinflussen die Wasserqualität, indem sie dem durchströmenden Grund- und Oberflächenwasser Nähr- und Schadstoffe entziehen und diese dauerhaft speichern. Intakte Moore beherbergen eine einzigartige, sehr spezifische Tier- und Pflanzenwelt. Das ist ein Grund, warum sie auch für den Tourismus und die Naherholung von Bedeutung sind.

Jeder einzelne dieser Aspekte des Moorschutzes liegt Ulf Schiefelbein am Herzen: „Ich versuche einfach, einen guten Job zu machen und dadurch meinen Beitrag für den Moorschutz zu leisten. Das Schöne ist, dass man nach getaner Arbeit das Ergebnis sofort sehen kann.“ Auch Peter Germer versucht tagtäglich auf die Wichtigkeit des Moorschutzes in Deutschland aufmerksam zu machen und das Bewusstsein hierfür zu schärfen: „Moor ist ein hochsensibler Lebensraum, der ehemals zumindest in Norddeutschland weit verbreitet war.“

Von NGO bis Ministerium

Wer sich für den Schutz dieser wichtigen Ökosysteme beruflich engagieren möchte, findet ganz verschiedene Einsatzorte. Neben Naturschutz-NGOs seien das laut Stefan Schwill von der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe in erster Linie Fachbehörden, die unteren Naturschutzbehörden und Ministerien. „Ganz klassisch werden natürlich auch weiterhin fachkundige Personen in Planungs- und Gutachterbüros gebraucht, um Maßnahmen qualifiziert durch Planungs- und Genehmigungsprozesse zu führen“, erklärt Schwill. „Auch die Parlamente, die einerseits über Naturschutzprogramme oder auch die personelle wie finanzielle Ausstattung von entsprechenden Behörden entscheiden, andererseits aber auch zentrale Grundlagen für die Landnutzung legen, benötigen dringend mehr grünen Sachverstand.“

An ganz vielen Stellen und mit dem unterschiedlichsten Know-how sollten Fachkräfte auch laut Peter Germer anpacken: „Das funktioniert, weil jeder seine persönliche Note mit in den Beruf hineinbringt“, sagt er. „Die Vielfalt in der Natur sollte sich in der Vielfalt der Menschen, die sich um ihren Erhalt kümmern, widerspiegeln.“

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