Beförderung: Aus dem Team an die Spitze
Regelmäßige Besprechungen mit dem Team sind das A und O, um einen guten Draht zueinander zu haben.

Beförderung: Aus dem Team an die Spitze

Eben noch Kollegin, plötzlich Chefin: Das ist für alle eine Herausforderung – für das Team genauso wie für die neue Vorgesetzte. Doch die Situation birgt auch Chancen.

Text: Christine Sommer-Guist 

Im Team zu arbeiten bedeutet im Idealfall freundschaftliches Zusammenarbeiten, gegenseitiges Aushelfen und auch bei Problemen Zusammenstehen. Alle genießen in etwa das gleiche Ansehen, verdienen ähnlich viel und tragen eine vergleichbar hohe Verantwortung. Der Aufstieg zur Führungskraft bedeutet das Ende dieser Gemeinsamkeiten.

Der Erfolgsdruck verteilt sich nicht mehr auf viele kollegiale Schultern, sondern lastet auf denen der Vorgesetzten, die zudem unpopuläre Entscheidungen treffen und durchsetzen müssen. All das kann zu Konflikten führen. Gleichzeitig ist die gemeinsame Vergangenheit der Schlüssel zum Erfolg: Denn Führungskräfte, die Teil des Teams waren, kennen deren Mitglieder und Aufgaben ebenso wie die Arbeitsstrukturen und Prozesse des Unternehmens – eine gute Basis für einen Neustart, von dem alle profitieren können.

Dazulernen in der neuen Rolle

Als ehemaliges Teammitglied fällt es oft leichter, die Mitarbeitenden zu motivieren, Fehler früh zu erkennen, Konflikte zu lösen und passende Gelegenheiten für positives wie negatives Feedback zu erkennen, weil man die Menschen hinter den Aufgaben kennt. Diese Vertrautheit ist ein großer Vorteil, birgt aber auch das Risiko, mit Kritik, der Durchsetzung neuer Ideen und Aufgaben übervorsichtig zu sein, um die Harmonie vergangener Zeiten nicht zu gefährden. Dabei ist es sehr wichtig zu akzeptieren, dass Konflikte zum Arbeitsalltag dazugehören. Das ist normal.

Einige müssen schlichtweg ertragen werden – wie der Unmut über Überstunden oder andere unliebsame Entscheidungen des Unternehmens. Andere können in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen erkannt und gelöst werden. Hier erfahren frischgebackene Vorgesetzte, welche Hoffnungen ihre Kolleginnen und Kollegen mit ihnen verknüpfen, können ihre eigenen Erwartungen formulieren, Aufgaben und Ziele definieren ebenso wie Probleme und deren Lösungen besprechen.

Auch Konflikte mit Mitarbeitenden lassen sich im Mitarbeitergespräch klären. Einigen fällt es womöglich schwer, ein ehemaliges Teammitglied als Führungskraft zu akzeptieren – weil sie eventuell länger im Betrieb sind oder meinen, bei der Beförderung übergangen worden zu sein. Die neuen Vorgesetzten können sie als Expertinnen und Experten um Rat bitten, damit Wertschätzung zum Ausdruck bringen und ihre Unterstützung bekommen, die am Anfang besonders wertvoll ist.

Junge Führungskräfte müssen ein Gespür für das richtige Verhältnis zwischen Anerkennung und Kritik entwickeln. Zum einen dürfen sie Fehler nicht ignorieren und müssen sie ansprechen, um sie zu beseitigen. Zum anderen müssen sie die Leistungen der einzelnen Teammitglieder sehen und honorieren, um die Motivation hochzuhalten. Das richtige Maß zu finden, wird mit jedem Tag Erfahrung leichter – wenn man fähig zu Selbstkritik und Selbstreflexion ist und akzeptiert, dass Fehler zu jedem Prozess gehören. Entscheidend ist der Umgang mit den Konsequenzen.

So sollten Vorgesetzte sich selbst und ihrem Team Fehler offen zu- und eingestehen. Das schafft Vertrauen und Zuversicht. Hilfreich für diesen Lernprozess ist eine regelmäßige Analyse der eigenen Stärken und Schwächen, sich immer wieder zu fragen: Was kann und was will ich? Welche Ziele will ich im Unternehmen erreichen, welcher Führungsstil ist mir wichtig, welche Erwartungen und Hoffnungen haben meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Neue Aufgaben – neue Ansprüche

Individuelle Fähigkeiten, soziale Kompetenzen sowie Fachkenntnis und Qualifikationen spielen für die neue Position als Führungskraft eine große Rolle. Dazu kommen Faktoren von „oben“, die Erwartungen und Zielvorgaben der Geschäftsführung. Auch dabei ist eine klare Kommunikation entscheidend. Aufgaben und Befugnisse sollten von Anfang an so exakt wie möglich geklärt werden – ebenso wie Ansprüche auf Unterstützung und Fortbildungen.

Denn um der komplexen Anforderungen gerecht zu werden, brauchen junge Vorgesetzte Schulungen und idealerweise Mentorinnen oder Mentoren aus dem Unternehmen, die praktische Tipps geben können und wissen, welche Führungsthemen relevant sind. Sich Hilfe und Rat zu holen ist – ob als Teil oder an der Spitze des Teams – immer eine gute Idee. So wird Verantwortung nicht zur Belastung, sondern wieder auf mehrere Schultern verteilt, und der Kopf ist frei für neue Aufgaben.

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