Arbeiten im Biotopmanagement
Damit Biotope auch langfristig bestehen bleiben, ist es wichtig, dass grüne Fachkräfte sich weiterqualifizierten: Etwa um rechtliche Maßnahmen auf den Weg zu bringen oder neue Projekte durchzuführen.

Arbeiten im Biotopmanagement

Tiere und Pflanzen zu schützen, bedeutet nicht nur die Anforderungen verschiedener Arten zu kennen, sondern auch rechtlich auf dem neusten Stand zu sein, Projekte planen oder Gebiete kartieren zu können.

Text: Stefanie Schweizer 

Über 900 Biotoptypen gibt es laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) allein in Deutschland. Dazu zählen beispielsweise Sand-, Geröll- und Blockstrände sowie Fels- und Steilküsten, aber auch waldfreie Niedermoore, Wälder, Forste und Gewässer wie Quellen, Grund- und Höhengewässer. Biotope bilden den Lebensraum für Pflanzen und Tiere, die dort in einem ausgewogenen Ökosystem miteinander existieren. Doch sind laut BfN im Jahr 2017 rund 40 Prozent der Biotoptypen als nicht regenerierbar eingestuft worden.

Bedroht werden Biotope in Deutschland – aber auch weltweit – durch unterschiedliche Faktoren: Klimawandel, zu viel Dünger und Gülle sowie landwirtschaftliche Nutzung. Auch die zunehmende Urbanisierung ländlicher Gegenden sorgt dafür, dass die Menschen immer wieder in Biotope eingreifen. Ist das der Fall, sind sogenannte Biotopmanager und Biotopmanagerinnen wie Claudia Jaehrling gefragt, um den Erhalt und die Pflege der jeweiligen Schutzgebiete zu gewährleisten.

Bis vor kurzem war Claudia Jaehrling im Bereich Biotopmanagement-Planung und Umsetzung im Freileitungsnetz für den Übertragungsnetzbetreiber Amprion tätig. Zu ihrem Arbeitsschwerpunkt zählte unter anderem die sogenannte biotopangepasste Trassenpflege. „Diese basiert auf der Grundlage der Pflege und Unterstützung standortangepasster Vegetation für betriebliche Belange. Ganz nach dem Motto: Nutze die vorhandene Vegetation und fördere diese für den sicheren und störungsfreien Betrieb von Freileitungen“, erklärt Jaehrling.

Mit Trassenpflege beschäftigte sich die Agrarwissenschaftlerin bereits im Zuge ihrer Diplomarbeit. Die Wahl des Themas kam dabei unverhofft: Claudia Jaehrling übte zu dieser Zeit einen Ferienjob bei der damaligen RWE AG aus und wurde vom zuständigen Abteilungsleiter freigestellt, um bei dem neuen Kollegen mit grünem Fachwissen „reinzuschnuppern“. Nur wenig später ergab sich für Claudia Jaehrling die Möglichkeit, als Referentin für Naturschutz bei der RWE AG anzufangen und die erste „grüne“ Frau im Unternehmen zu werden.

Einstieg mit Praxiserfahrung

Die Trassenpflege gewährleistet einen sicheren und störungsfreien Betrieb des Stromnetzes. Für die Arbeit im Trassenmanagement bedeutet das auf der einen Seite konkret die Vermittlung zwischen den Kolleginnen und Kollegen, zu deren Aufgabe die technische Wartung und standardisierte Pflege zählen. „Auf der anderen Seite geht es um die Kommunikation mit den Behörden, den Grundstückseigentümern und der an der Umwelt interessierten Bevölkerung. Ihr müssen wir unser Wirken in Natur und Landschaft transparent darstellen“, erklärt Jaehrling.

Anlaufstellen für Weiterbildungen
Mehrtägige Seminare, Bildungsurlaube oder Exkursionen: In vielfältigen Formaten können Interessierte sich beispielsweise über neue Vorgaben für den Artenschutz auf dem Laufenden halten, oder neue Fähigkeiten für die Biotoparbeit aneignen. Fündig werden sie unter anderem bei folgenden Anbietern:
  • Das Umweltinstitut bietet beispielsweise das Praxisseminar „Artenschutz in Fachplanungen“ an. Vermittelt werden hier unter anderem rechtliche und fachliche Grundlagen der FFH-Verträglichkeitsprüfung: www.tinyurl.com/Artenschutz-Umweltinstitut
  • Wer sich Kenntnisse zur Kartierung und Geodatenanalyse aneignen und die Nutzung einschlägiger Softwareprogramme erlernen möchte, kann einen neunmonatigen Intensivkurs an der GIS Akademie absolvieren: www.tinyurl.com/Geodaten-gis
  • Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. liefert in seinen Kursen Spezialwissen zu unterschiedlichen Tierarten und ihrem Schutz: www.tinyurl.com/Artenschutz-HGON

Solche kommunikativen Fähigkeiten entwickelte Claudia Jaehrling bereits im Zuge ihrer Ausbildung bei landwirtschaftlichen Behörden und berufsständischen Vereinen. Ein eindeutiger Pluspunkt für den Einstieg ins Berufsleben. „Dadurch brachte ich direkt ein Verständnis für die Sicht meines jeweiligen Gegenübers mit. Man weiß einfach schon um den Aufwand verschiedener Arbeitsabläufe und um die Folgen unterschiedlicher Vorhaben. Und auch durch Praktika erworbene erste Erfahrungen im Kontakt und in der Zusammenarbeit mit Auftraggebern oder Vereinen können sehr hilfreich sein“, so Jaehrling. Denn Außentermine mit verschiedenen Akteur/innen zählen bei der Arbeit mit Biotopen zum Alltag.

Die Durchführung der Einsätze wird wiederum intern im Büro geplant und besprochen. Für Claudia Jaehrling ist das ein Teilaspekt, der das Aufgabenfeld besonders attraktiv macht. Wer also Freude am Planen und im besten Falle Kenntnisse im Projektmanagement mitbringt, kann hier punkten.

Viele Einsatzmöglichkeiten

Netzbetreiber wie Amprion sind einer von vielen Arbeitgebern in der freien Wirtschaft, für die Fachkräfte der Natur- und Umweltwissenschaften im Bereich Biotopmanagement tätig werden können. Sie arbeiten jedoch auch in Planungsbüros, in denen – je nach Tätigkeitsfeld – die Pflege und die Durchführung von Maßnahmen in Biotopen auch lediglich eine Teilaufgabe des Stellenprofils sein können. So kann beispielsweise ein Bioingenieur im Zuge der Installation einer Fischtreppe sowohl für planerische, gewässerspezifische, aber eben auch biotopspezifische Aufgaben verantwortlich sein.

Fachkräfte, die ihre Fähigkeiten für den Erhalt von Biotopen einsetzen möchten, sollten daher die Profile einzelner Stellen genau studieren. Nicht über jeder Ausschreibung prangt die Berufsbezeichnung Biotopmanager/in; häufig finden sich auch Bezeichnungen wie Sachbearbeiter für Artenschutz, Referentin für Biotopschutz oder Sachbearbeiterin Naturschutz an Verkehrswegen. Weiterhin finden Biotopmanager/innen an Hochschulen eine Anstellung; beispielsweise in Drittmittelprojekten, an Lehrstühlen oder in Forschungsprogrammen wie dem Projekt „Herausforderung Klimawandel“ der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Neben der freien Wirtschaft und dem Wissenschaftsbetrieb sind auch Kommunen und Länder auf der Suche nach Fachkräften der Biologie, Geografie, Umweltwissenschaften, Geoökologie und Landschaftsplanung für Arbeiten und Aufgaben rund um Biotope. So suchte bis vor kurzem beispielsweise das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz für das Referat Arten- und Biotopschutz eine Fachkraft der Geografie oder Biologie. Die zu erledigenden Aufgaben sind laut Ausschreibung anhand der Richtlinien der Natura 2000 durchzuführen, weshalb neben fachlicher Eignung entsprechendes Wissen über das EU-Netz zum Erhalt gefährdeter Lebensräume gewünscht ist.

Fortbildungsprogramme:
Akademien von Bund und Ländern bieten auch unterschiedliche Fortbildungsprogramme. Zu ihnen zählen unter anderem: Internationale Naturschutzakademie der Insel Vilm (INA)/BfN, Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), Landesamt für Umwelt Brandenburg (LfU), Naturschutz-Akademie Hessen (NAH), Landeslehrstätte für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern (LUNG MV), Alfred Töpfer Akademie Niedersachsen (NNA), Natur- und Umweltschutzakademie Nordrhein-Westfalen (NUA), Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz (LZU), Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (BNUR), Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LANU), Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG)

Die Arbeit mit Biotopen für Land, Kommune oder auch wissenschaftliche Einrichtungen findet häufig in Zusammenhang mit speziell für den Schutz der Diversität ausgerufenen Programmen statt, wie beispielsweise „Das Blaue Band“. Oder in Zusammenarbeit mit Biotopverbänden wie „Das Grüne Band“. Beide Initiativen fördern die Vielfalt und den Erhalt von Arten und Landschaften; gleichfalls setzen sie sich mit ihrer Arbeit für die Vernetzung von Biotop- und Umweltschutzprojekten ein.

Ein Ziel, das auch Julia Brantner mit ihrer Arbeit bei der Heinz Sielmann Stiftung verfolgt. „Biotopmanagement bedeutet im Zusammenhang mit meinem Job vor allem die Verwaltung von bestehenden, bereits umgesetzten Biotopprojekten sowie die Koordination und Planung von neuen Biotopmaßnahmen“, erklärt die Projektleiterin von Sielmanns Biotopverbünden Bodensee, Ravensburg und Sigmaringen.

Zu Julia Brantners Aufgaben zählen unter anderem die Durchführung von Abstimmungsgesprächen zwischen verschiedenen Akteurinnen und Akteuren wie Flächeneigentümern, Planungsbüros, Kommunen und Behörden. Darüber hinaus obliegt Julia Brantner die Finanzplanung der Projekte. „Das heißt, es muss ein Finanzierungsplan erstellt werden. Auch die Öffentlichkeitsarbeit fällt in meinen Aufgabenbereich, da wir die Bevölkerung in die Arbeit miteinbeziehen möchten. Weiterhin betreue ich die bestehenden Biotopprojekte, koordiniere und beauftrage Pflegemaßnahmen und betreibe beziehungsweise koordiniere das Monitoring der Maßnahmen“, so Brantner. Die Herausforderung bestehe dabei darin, aufkommende Schwierigkeiten und Problemstellungen während des Planungsprozesses für ein neues Biotopprojekt zeitlich und vor allem finanziell so zu managen, dass das Biotop seine eigentliche Zielsetzung erfülle.

Lebenslanges Lernen

Julia Brantners Interesse gilt den Themen des Naturschutzes. Für ihr Bachelorstudium in „Waldwirtschaft und Umwelt“ entschied sie sich, weil sie ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge der Ökosysteme bekommen wollte. Das hochschulspezifische Wissen ergänzte Julia Brantner durch Praktika in der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und in einem Büro für Forstdienstleistungen sowie Standortkartierungen.

Auch nach dem Studium widmete sich die Umweltwissenschaftlerin der Wissenserweiterung: Nach einem freiwilligen Praktikum bei einer Naturschutzverwaltung im Landratsamt schloss sie noch ein weiteres bei einem Landschaftsplanungsbüro an. Dieses Engagement zahlte sich für Julia Brantner doppelt aus, denn auf diese Weise konnte sie verschiedene Berufsbilder kennenlernen und praktische Einblicke bekommen. „Dadurch war es für mich einfacher, zu entscheiden, in welchem Bereich ich tätig sein wollte. Durch die Praktika konnte ich außerdem diverse Kontakte knüpfen, was für die Netzwerkbildung von Vorteil war“, so Brantner.

Einen Platz für Nachwuchskräfte sieht sie vor allem dann, wenn diese Interesse und im besten Fall Erfahrung in den Bereichen Natur-, Biotop- und Artenschutz mitbringen. Aber auch interdisziplinäres Wissen und erste Erfahrungen in der Teamarbeit verbessern die Chancen von Bewerber/innen. Denn oftmals müssen die Probleme und Bedrohungen von Biotopen mit vereinten Kräften bearbeitet werden.

Sich die nötige Expertise anzueignen, kann laut Julia Brantner auf zwei Wegen geschehen: Entweder man stellt sich im Studium breit auf und vertieft anschließend durch Weiterbildungen die erworbenen Grundlagen oder man startet bereits mit Spezialwissen die eigene Karriere. „Weiterbildungen im Laufe des Berufslebens sind aber aus meiner Sicht so oder so entscheidend und wichtig, da man hier auf aktuelle Entwicklungen und Fragestellungen reagieren kann, indem man sich in diesem Bereich gezielt fortbildet“, so Brantner.

Sie selbst hat diverse Fortbildungen absolviert; unter anderem zum Themenkomplex naturschutzrechtlicher beziehungsweise bauplanungsrechtlicher Eingriffsregelungen. Aber auch zu verschiedenen artenschutzfachlichen Themen hat sie Kurse besucht und zum Beispiel Kenntnisse rund um Fledermäuse erworben. So sind es häufig Teilaspekte, die in Fort- und Weiterbildungen des Biotopmanagements thematisiert werden: Arten- und Pflanzenschutz, Umwelt- und Naturschutzrecht, Gewässerverordnungen, Kartierung von Biotopen mithilfe von Softwareprogrammen wie ArcGis.

Fachkräfte sollten sich also mit der Frage beschäftigen, welche konkreten Fähigkeiten und Kenntnisse sie erlangen möchten, sollten oder sogar müssen, um die Aufgaben ihres Berufsalltags (weiterhin) optimal bearbeiten zu können. Wer bereit ist, sich immer wieder in neue Vorgaben einzuarbeiten und über neue Erkenntnisse bezüglich des Klimawandels zu informieren, findet im Biotopschutz ein attraktives Berufsfeld, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Das bestätigt auch die Umweltwissenschaftlerin Julia Brantner: „Das Thema Artensterben und Biodiversitätsverlust ist mittlerweile in den verschiedenen Medien präsent. Auch das Thema Klimawandel spielt hier eine Rolle. Hierdurch entstehen neue Berufsfelder beziehungsweise werden vorhandene Berufsfelder verstärkt nachgefragt, wodurch auf dem Stellenmarkt für Absolventen einer ‚grünen Fachrichtung‘ vermehrt Stellen angeboten werden. „Die Arbeit für und mit Biotopen erhält nicht nur unterschiedliche Lebensräume von Tieren und Pflanzen; es entsteht gleichzeitig ein abwechslungsreiches und interdisziplinäres Arbeitsfeld .“

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