Forensische Biologie: Fälle aus den 1980ern aufklären
Im Auftrag von Polizei und Staatsanwalt sowie Privatpersonen begeben sich die Fachkräfte auf die Suche nach verwertbaren Spuren.

Forensische Biologie: Fälle aus den 1980ern aufklären

Dr. Melanie Grabmüller ist als Leiterin hautnah an den Fortschritten in der forensischen Biologie dabei. Fachkräfte sollten für diesen Bereich vor allem Interesse an Molekularbiologie mitbringen.

Text: Christine Sommer-Guist 

Dr. Melanie Grabmüller leitet seit 2015 die Forensische Genetik am Bonner Institut für Rechtsmedizin. Foto: Christine Sommer-Guist

„Ich würde um nichts in der Welt tauschen wollen“, schwärmt Dr. Melanie Grabmüller. Die Biologin leitet den Fachbereich Forensische Genetik der Bonner Rechtsmedizin und hat damit den Beruf, von dem sie schon als Teenager begeistert war: „Ich habe in der Schulzeit Fernsehsendungen wie ‚Autopsie’ geliebt, in denen Fälle unter anderem mithilfe von biologischen Analysen gelöst wurden!“ Sie kam also nach dem Abitur nach Bonn und begann Biologie zu studieren. Den Schwerpunkt legte sie auf den genetischen Bereich, bewarb sich um ein Praktikum bei der Bonner Rechtsmedizin und lernte alle Funktionsbereiche des Instituts kennen. Das bestärkte sie in ihrem Entschluss, sich in der Forensischen Genetik auf eine Abschlussarbeit zu bewerben.

Sie blieb am Institut, um ihre Diplomarbeit zu schreiben und im Anschluss auch hier zu promovieren. Für die Promotion untersuchte sie Schusswaffen: „Wenn ein Schuss auf ein biologisches Ziel abgegeben wird, schleudern ‚Rückschleuderspuren’ zurück zur Waffe. Anhand dieser Spuren, zum Beispiel im Waffeninneren, konnte ich nicht nur das DNA-Profil der Opfer nachweisen, sondern auch über die RNA die Spurenart detektieren, was für die Rekonstruktion des Tathergangs wichtige Hinweise liefert.“ Diese Forschung ebnete ihr den Weg in die Rechtsmedizin.

Alltägliches im Unerwarteten

„Wir bekommen vor allem vom Gericht oder von Privatpersonen Aufträge, Vater- und Geschwisterschaften zu klären und Abstammungsgutachten zu erstellen. Diese sind zum Beispiel wichtig, wenn Flüchtlinge ihre Kinder aus den Ursprungsländern nach Deutschland holen wollen. Hier muss offiziell nachgewiesen werden, dass es sich um die eigenen Kinder handelt.“

Auch von Staatsanwaltschaft und Polizei kommen Aufträge. Zwar gehen diese mit den meisten Spuren zu den kriminaltechnischen Laboren des Landeskriminalamtes (LKA) oder des Bundeskriminalamtes (BKA), aber wenn es nach Tötungs- oder Sexualdelikten, Raub, Körperverletzung schnell gehen muss, beauftragen die Ermittler die Forensische Genetik, Spuren zu untersuchen. „Mittlerweile gibt es so viele Möglichkeiten, Spuren zu analysieren und es passiert tagtäglich so viel, dass das LKA allein den Spurenberg nicht abarbeiten kann.“ Auf die Frage, was sie bei ihrer Arbeit als größte Herausforderung empfindet, antwortet die Biologin nüchtern: „Das Bestmögliche aus der Spur zu holen. Manchmal können wir zu wenige Informationen herauskitzeln und müssen mit einem negativen Ergebnis klarkommen.“

Die Schicksale hinter den Spuren bekommt sie zum Glück eher selten mit und empfindet ihre Arbeit somit auch nicht als belastend. „Die Polizei schickt uns Spuren, Proben, die sie mit Nummern versieht – keine Namen oder andere Informationen. Wir wissen so wenig wie möglich vom Tatgeschehen, um bei der Untersuchung nicht voreingenommen zu sein.“

Was muss man für den Beruf mitbringen?

„Interesse an Molekularbiologie“, lautet die Antwort kurz und knapp. „Das kann man im Biologie-Studium vertiefen, aber auch in neuen Studiengängen wie Forensik an der Hochschule Bonn Rhein-Sieg studieren.“ Mit diesem Wissen kann man für die LKA, das BKA oder auch für Privatlabore arbeiten. „Es gibt einige Arbeitgeber, unabhängig von uns als Rechtsmedizin“, erklärt Dr. Grabmüller und empfiehlt als Berufseinstieg, sich um Praktika zu bewerben.

„Ich bin so froh, hier gelandet zu sein“, erklärt Dr. Grabmüller. „Nicht nur, weil ich schon immer davon geträumt habe, spannende Fälle mit aufzuklären, sondern auch weil es nicht einfach ist, in der Rechtsmedizin unterzukommen.“ In Deutschland gibt es lediglich 31 universitäre rechtsmedizinische Institute. „Diese Stelle ist mein Sechser im Lotto! Ich liebe es, ein Labor zu leiten, die Entwicklungen und Fortschritte in der forensischen Biologie mitzubekommen und auch mitgestalten zu können. So analysieren wir heute Spuren und helfen Fälle aufzuklären, die in den 1980ern unlösbar waren“, schwärmt die Biologin.

„Wir können und dürfen mittlerweile über die DNA Augen-, Haut- sowie Haarfarbe und das Alter von unbekannten Spurenleger/innen bestimmen. In regelmäßigen Fortbildungen mit der Polizei und Staatsanwaltschaft zeigen wir, was von der biologischen Seite optimiert wurde und der Strafverfolgung helfen kann, Tathergänge zu rekonstruieren und Spuren genauer analysieren zu lassen. Ich würde meine Arbeit mit keiner anderen tauschen.“

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