Zwischen Frieden und Konflikt
Nicht nur Politikwissenschaftler*innen können in der Friedens- und Konfliktforschung Fuß fassen. Sie kommen auch aus Disziplinen wie Anthropologie, Ethnologie oder Geografie.

Zwischen Frieden und Konflikt

Von internationalen Beziehungen bis zu innerstaatlichen Konflikten: Die Bandbreite der Friedens- und Konfliktforschung ist groß. Auf diesem Gebiet arbeiten nicht nur Politolog*innen, sondern auch Quereinsteiger*innen.

Text: Anja Schreiber 

Dr. Charlotte Danys Forschungsschwerpunkte sind die humanitäre Hilfe sowie NGOs. Foto: Karin Hiller, Universität Koblenz-Landau

„Man muss nicht unbedingt einen Master in Friedens- und Konfliktforschung haben, um auf diesem Gebiet zu forschen“, erklärt Dr. Charlotte Dany, Geschäftsführerin der an der Universität Koblenz-Landau angesiedelten Friedensakademie Rheinland-Pfalz. Einige Forscher*innen kämen auch aus anderen Disziplinen: Anthropologie, Ethnologie oder Geografie.

Auch sie selbst habe einen eher ungewöhnlichen Weg genommen. Denn die 42-Jährige studierte zunächst Kommunikationswissenschaft mit dem Nebenfach Politikwissenschaft. Dann promovierte sie an einem sozialwissenschaftlichen Graduiertenkolleg und arbeitete nach ihrer Promotion an einem Lehrstuhl für Internationale Beziehungen. Darüber ist sie dann in den Bereich der Friedens- und Konfliktforschung gekommen.

Die Friedensakademie Rheinland-Pfalz befasst sich mit Umwelt- und Ressourcenkonflikten, mit Krisenprävention und ziviler Konfliktbearbeitung sowie mit Friedenspädagogik. „In unserem Forschungsbereich geht es nicht nur um internationale Konflikte. Immer wichtiger werden innerstaatliche Konflikte um Rechtspopulismus oder die aktuellen Auseinandersetzungen in Zeiten der Pandemie.“ 

Charlotte Danys eigene Forschungsgegenstände sind die humanitäre Hilfe und NGOs. „Außerdem forsche ich mit meinen Kolleg*innen zu lokalen Themen wie etwa dem Westwall“, erzählt sie. Denn schließlich sei die Friedensakademie in Rheinland-Pfalz verankert und habe das Ziel, lokale Friedensinitiativen zu stärken.

„Bei mir geht es besonders um qualitative Forschung. Dazu gehören Interviews, aber auch die Sammlung und Analyse von Dokumenten.“ So sehr die Konfliktforschung vor allem qualitative Methoden nutze: es gebe aktuell auch einen Trend zur quantitativen Forschung mit Datenerhebungen und -analysen. Daher würden vermehrt Expert*innen für den Umgang mit großen Datenmengen gesucht.

„Forschung ist nur ein Teil meiner Arbeit. Wir sind eine Schnittstelleninstitution und fördern deshalb den Austausch zwischen akademischer Forschung und der Zivilgesellschaft.“ Deshalb organisiert sie auch Veranstaltungen. Sie ist außerdem in den universitären Lehrbetrieb eingebunden und lehrt zum Beispiel internationale Beziehungen, Friedens- und Konfliktforschung sowie qualitative Forschungsmethoden. 

Die Forscherin, die als Führungskraft ein Team von acht Mitarbeiter*innen leitet, übernimmt außerdem als Geschäftsführerin adminis­trative Aufgaben und ist auch für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Als Friedens- und Konfliktforscher*in ist man Allrounder.“ Charlotte Dany ist von ihrem Forschungsgebiet fasziniert: „Konflikte verändern sich, neue Konfliktlagen entstehen, immer wieder gibt es neue Fragestellungen. Das ist abwechslungsreich.“ Eines ist die Friedens- und Konfliktforschung allerdings nicht: eine Ausbildungsstätte für Konfliktvermittler*innen. „Wir beschreiben und analysieren Konflikte. Dadurch können wir zwar Handlungsempfehlungen und -impulse geben, aber wir bearbeiten und lösen sie nicht vorrangig.“ 

Praxiserfahrung oder Master

„Für viele führt der Weg in die Konfliktforschung über Praktika. So können sie zum Beispiel während des Studiums bei einer Nichtregierungsorganisation oder bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit praktische Erfahrungen machen.“ Auch internationale Praxiserfahrung wie etwa in der UNO kann den Weg in die Forschung ebnen. „Praktische Friedensarbeit im Entwicklungsbereich bringt manche ebenfalls zu diesem Thema.“

Inzwischen kann man auch an verschiedenen Universitäten einen Master in Friedens- und Konfliktforschung absolvieren. Charlotte Dany empfiehlt Interessierten, sich im Laufe des Studiums oder der Promotion ein Netzwerk aufzubauen, um die wissenschaftliche Community und Praktiker*innen in diesem Bereich kennenzulernen: So erfährt man auch über Forschungsprojekte und Stellenausschreibungen. „Wer örtlich flexibel ist, findet auch Stellenangebote. Allerdings sind viele dieser Stellen befristet.“ 

Gebraucht werden Friedensforscher*innen nicht nur an Universitäten, sondern auch an außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Charlotte Dany sieht auch in internationalen Organisationen wie der UNO, bei NGOs oder bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit Chancen, die eigene wissenschaftliche Expertise einzubringen. 

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