Was bringt ein Profil auf Linkedin?
Wer Kontakte knüpft, Artikel verfasst und Beiträge kommentiert, fällt auf.

Was bringt ein Profil auf Linkedin?

Linkedin gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Es bietet Nutzer*innen vielfältige Gelegenheiten zum fachlichen Austausch. Die Erfolgsaussichten für die Stellensuche sind noch überschaubar, doch die Chancen steigen.

Text: Sarah Kröger 

Als ich in meinem Netzwerk nach Erfahrungen mit Linkedin fragte, schrieb mir die Geschäftsführerin einer Beratungsfirma zum Thema New Work, dass ihr neuer Kollege seinen Job über Linkedin bekommen hatte. Anstatt sich klassisch zu bewerben, hatte er das Unternehmen einfach über eine persönliche Nachricht bei Linkedin angeschrieben. Da sie gerade kurz vor der Ausschreibung einer Stelle standen, trafen sie sich zuerst mit ihm.

Er überzeugte, wurde eingestellt und die Stelle nicht mehr öffentlich ausgeschrieben. Einen neuen Job mit einer einzigen Nachricht bei Linkedin zu bekommen – das klingt zwar nicht schlecht, aber auch ein bisschen utopisch. Wie hoch sind die Chancen tatsächlich, einen Arbeitsplatz über soziale Business-Netzwerke zu finden?

Immer häufiger genutzt

Professor Michael Heister vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erklärt in einem Artikel der Augsburger Allgemeinen: „Profile in Netzwerken wie Xing oder Linkedin werden überschätzt. Wir sehen in unseren Auswertungen relativ gut, über welche Kanäle Einstellungen in Unternehmen zustande kommen. Das sind immer noch eher die klassischen Kanäle wie Onlineportale oder Stellenanzeigen auf der Unternehmens-Homepage.“ Ihm zufolge würden nur ein bis drei Prozent aller Einstellungen aufgrund von Karrierenetzwerken wie Xing oder Linkedin zustande kommen.

Ähnliche Zahlen belegt die Studie Recruiting Trends 2020 der Universität Bamberg: Nur 2,3 Prozent aller Neueinstellungen erfolgen über Karrierenetzwerke. Doch die Tendenz ist steigend: Aus Beschäftigtensicht haben in den letzten fünf Jahren, im Vergleich mit anderen Social-Media-Plattformen, vor allem Karrierenetzwerke an Bedeutung für die Jobsuche gewonnen. 25,8 Prozent der befragten Personen geben an, dass sie Xing und 19,9 Prozent, dass sie Linkedin häufig zur Jobsuche verwenden.

Während 2019 bei Xing 257.000 offene Stellen ausgeschrieben wurden, veröffentlichte Linkedin, laut dem Online-Magazin Business Insider, nur 74.000 Stellen im deutschsprachigen Raum. Bei Akademiker*innen ist das Portal aber trotzdem die klare Nummer eins: 46 Prozent aller ausgeschriebenen Positionen, die sich an Fachkräfte mit Studienabschluss richten, werden dort veröffentlicht, bei Xing sind es lediglich 34,5 Prozent. Menschen, die einen Job im Bereich Gesundheit/Soziales suchen, finden bei Linkedin nicht viele Ausschreibungen (2 Prozent der Stellenanzeigen). Wer aber Positionen im Bereich Management (14 Prozent), Forschung/naturwissenschaftliche Berufe (10,4 Prozent) oder Marketing/PR sucht (7,8 Prozent), wird hier schon eher fündig.  

Internationales Netzwerk

Vanessa Rehder leitet den Bereich Personalentwicklung und Recruiting bei Edeka-Südwest. Sie ist schon seit 2007 bei Linkedin angemeldet: „Damals war Linkedin noch ein rein amerikanisches Netzwerk. Ich arbeitete zu der Zeit in einem internationalen Pharmakonzern und habe über das Netzwerk Kontakt zu den internationalen Kollegen gehalten“, berichtet die studierte Diplom-Pädagogin. Mittlerweile hat Linkedin im deutschsprachigen Raum mit 16 Millionen Mitgliedern stark aufgeholt und ist hier das zweitgrößte Online-Businessnetzwerk neben Xing.

Es eignet sich besonders für Personen, die ihr Business-Netzwerk international gestalten möchten und offen für internationale Stellenangebote sind. Weltweit ist der Dienst in 200 Ländern und Regionen vertreten und hat über 700 Millionen registrierte Nutzer*innen. Heute nutzt Vanessa Rehder das Netzwerk nicht mehr nur zum Kontakthalten, sondern auch für den fachlichen Austausch und um gezielt nach Lebensläufen zu suchen.

„Bei Linkedin kann man hervorragend CVs recherchieren. Manchmal schiebt mir einer unserer Geschäftsführer einen Kontakt zu und sagt: ‚Der ist ganz toll, guck dir den mal an.‘ Dann schaue ich mir sein Profil näher an“, berichtet sie. Findet sie die Person nicht auf Linkedin, gucke sie nicht unbedingt nochmal bei Xing nach, es sei denn, das Profil sei sehr spannend. „Tatsächlich ist Linkedin mittlerweile für mich das wichtigere Netzwerk geworden“, erzählt sie.  

Kein Pseudo-Profil anlegen 

Wer sich ein Profil bei Linkedin anlegt, kann es in mehreren Sprachen erstellen. Neben einem Profilfoto lässt sich auch ein Hintergrundbild einfügen, um das Profil individueller zu gestalten. Im Infobereich gibt es die Möglichkeit, eine kurze Zusammenfassung über sich zu geben: Was kann ich, was motiviert mich und wonach suche ich? Dann sollten relevante Berufserfahrungen und Ausbildungen hinzugefügt werden, die anhand von Dokumenten, Fotos, Videos oder Links belegt werden können.

Auch Kenntnisse zu bestimmten Kompetenzen lassen sich stichwortartig hinzufügen. Diese können von Kontakten bestätigt werden, um die Authentizität des Profils zu erhöhen. Zudem gibt es auch die Funktion, von anderen Kontakten empfohlen zu werden. Ist die Empfehlung einmal verfasst und akzeptiert, ist sie für das ganze Netzwerk sichtbar.

Linkedin auf einen Blick:
 
Zielgruppe: vor allem jobsuchende Akademiker*innen, die ein (internationales) Netzwerk aufbauen möchten, sich als Expert*in positionieren und passende Stellenanzeigen erhalten möchten
 
Verbreitung: weltweit, in 200 Ländern
 
Kosten: Basis-Mitgliedschaft: kostenlos, Premium Essentials: 10 Euro/Monat oder 99 Euro/Jahr (bei 12 Monaten Laufzeit), Premium Career: 29,49 Euro/Monat (monatlich kündbar)
 
Zusatzoptionen bei Premium Essentials:
  • in den Bewerber*innenlisten der Recruiter*innen weiter oben landen
  • sehen, wie man im Vergleich zu anderen Bewerber*innen dasteht und über welche Kenntnisse sie verfügen
  • Nachrichten an Nichtkontakte senden (5/Monat)
Zusatzoptionen bei Premium Career:
  • wie bei Essentials, nur 3 statt 5 Nachrichten an Nichtkontakte/Monat
  • durchschnittlich gezahlte Gehälter bei Jobausschreibungen einsehen
  • Zugriff auf die digitale Lernplattform „LinkedIn Learning“, mit Online-Kursen zu Themen wie Führung, Karriere, Marketing oder speziellen Tools
Stärken: internationales Netzwerk, Positionierung als Expert*in durch inhaltliche Beiträge, fachlicher Austausch, intuitive Bedienung, die an andere soziale Netzwerke erinnert, ausgereifter Algorithmus, der zum Beispiel sehr passende Kontaktvorschläge macht
 
Schwächen: komplexes Premium-Mitgliedschaftssystem, mit drei unterschiedlichen Mitgliedschaften für Jobsuchende, verhältnismäßig teuer, es sind noch nicht viele deutschsprachige Gruppen auf LinkedIn vertreten

Zu guter Letzt bietet Linkedin die Möglichkeit, die Profil-URL anzupassen, um sie lesbarer und leichter merkbar zu gestalten. Für Vanessa Rehder ist die Suche nach vorhandenen Profilen ein fester Bestandteil des Recruitings geworden. Doch sie rät Jobsuchenden davon ab, sich dort nur für die Bewerbungsphase anzumelden: „Wenn man sich für Linkedin nicht interessiert, macht es keinen Sinn, sich ein Profil anzulegen. Ein guter Recruiter sieht, dass sich jemand ein Pseudo-Profil angelegt hat.“ Personalverantwortliche würden sich anschauen, wie viele Kontakte eine Person hat, in welchen Gruppen jemand unterwegs ist und ob er oder sie dort auch mal etwas kommentiert. Auch welchen Unternehmen oder Führungskräften gefolgt wird, sei interessant und sage etwas über die aktive Nutzung des Netzwerkes aus.   

Soziale Jobsuchmaschine 

Denn zusätzlich zum Profil gibt es noch viele weitere Funktionen, die denen anderer sozialer Netzwerke, wie zum Beispiel Facebook, ähneln. Es gibt die Möglichkeit, interessanten Unternehmen oder Personen zu folgen und themenspezifischen Gruppen beizutreten. Im Feed werden dann relevante Neuigkeiten angezeigt, wie zum Beispiel der Link zu einem Fachartikel, ein Jobwechsel, ein für Diskussion sorgender Kommentar oder die Einladung zu einem digitalen Event. 

Ganz oben im Feed gibt es die Möglichkeit, einen eigenen Beitrag zu veröffentlichen und zusätzlich ein Foto oder Video zu posten. Dabei lassen sich relevante Personen verlinken und Hashtags zu einem bestimmten Thema setzen. Mit der Funktion „Artikel schreiben“ können Artikel formuliert, formatiert, für später gespeichert und veröffentlicht werden. Durch das Schreiben von Posts oder ganzen Artikeln können Fachkräfte so auf sich als Expert*in zu einem bestimmten Thema aufmerksam machen. Diese Funktion, die rege genutzt wird, ist auch die Stärke des Netzwerkes: Der inhaltliche Austausch zu Fachthemen. Viele Beiträge werden diskutiert, erhalten Likes und werden geteilt. 

Linkedin erweitere die Möglichkeiten bei der Jobsuche, meint Rehder. Das Profil würde es ermöglichen, für Headhunter auffindbar und ansprechbar zu werden. Und zudem wäre das Netzwerk eine Art Jobsuchmaschine, bei der man nach Stellenausschreibungen schauen könne. Als sie vor einiger Zeit aufgrund einer betriebsbedingten Kündigung auf Jobsuche war, nutze sie auch Linkedin dazu, potenzielle Stellen zu finden. Als gut qualifizierte Frau über 50 gestaltete sich die Jobsuche für sie aber schwieriger. 

„Die Stellenanzeigen auf Linkedin waren für mich ein ganz wichtiger Suchbaustein“, erzählt sie. „Dort gibt es die qualifizierteren Jobs und besseren Positionen. Gerade Rollen auf oberer Führungsebene findet man eher nicht bei StepStone oder Monster.“ Sie nutzte die Jobbenachrichtigungsfunktion und ließ sich regelmäßig passende Stellenausschreibungen zuschicken. Auch suchte sie immer wieder innerhalb des Netzwerkes nach Jobs. 

„Man muss auch mal nach den verschiedenen Suchbegriffen einzeln suchen. Denn nicht bei jedem Begriff werden einem die passenden Jobs angezeigt. Personalentwicklung ist zum Beispiel so ein Wort, das kommt in jeder dritten Stellenanzeige für Führungskräfte vor. Da wird dann ein Abteilungsleiter technische Entwicklung gesucht, eine Aufgabe davon ist Personalentwicklung. Das hat dann aber nichts mit dem, was ich suche, zu tun“, erklärt die Personalerin. Nach über einem Jahr Suche bekam sie endlich eine passende Stelle angeboten. Die war auch auf Linkedin ausgeschrieben.

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