Crowdmapping: Einladung zum Mitmachen
Auch im Projekt „Stadt und Land im Fluss - Netzwerk Klimalandschaft“ vom WILA Bonn haben Studierende, Schulklassen und Azubis mit Hilfe des Crowdmappings Daten gesammelt.

Crowdmapping: Einladung zum Mitmachen

Bürger*innen an Projekten beteiligen: „Crowdmapping“ macht es möglich. Von der Allgemeinheit gesammelte Daten lassen sich so in Kartenform veröffentlichen.

Text: Anja Schreiber

Die Methode Crowdmapping gibt es schon seit einigen Jahren. Sie gehört in den Bereich des sogenannten „Crowdsourcings“. Dieser Begriff steht für die Beteiligung einer offenen Gruppe von Menschen – der „crowd“ – an einem Projekt über das Internet. Die Besonderheit des Crowdmapping besteht nun im „mapping“, also darin, dass Inhalte einfach auf einer Karte eingetragen und kommentiert werden. Das Tool bindet so die Bürger*innen niederschwellig mit ein. 

Fachkräfte können die Beteiligungsmethode für ganz unterschiedliche Zwecke nutzen. Bei Wahlen, Naturkatastrophen, Umweltschutzprojekten oder im kulturellen Kontext ist Crowdmapping ebenso möglich wie zur Dokumentation von Barrieren für Menschen mit Behinderungen oder von besonders empfehlenswerten Orten in der Stadt.

Die Methode bietet sich insbesondere für ein internetaffines Klientel an, Fachkräfte können sie etwa in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen einsetzen. Denn eine Schwierigkeit des Crowdmappings ist es, die Zielgruppen zu erreichen und auch zum Mitmachen zu bewegen. Auf Infoveranstaltungen kann man zum Beispiel das eigene Projekt und auch die Kartierung erläutern. Wichtig ist es, zu vermitteln, dass man auf das Wissen der Bürger*innen angewiesen ist. Sie sind die Expertinnen und Experten in ihrer Stadt und man geht auf Augenhöhe miteinander um.

Ideen sammeln 

Auch bei Drittmittelprojekten des Wissenschaftsladen Bonn wird Crowdmapping als Methode angewandt. Beim jüngst beendeten Projekt „KlimNet – Stadt und Land im Fluss“ zum Beispiel wurden leicht umsetzbare, aber auch außergewöhnliche Ideen gesammelt, wie Bürger*innen dem Klimawandel trotzen können. Mithilfe des Crowdmappings ging das Projekt der Frage nach, wo es in Bonn, Bochum und Gelsenkirchen gute Beispiele für Klimaanpassung gibt und wo Handlungsbedarf besteht. Auf einer im Internet zugänglichen Crowdmapping-Karte konnten Bürger*innen dieses vermerken, aber auch ihre Ideen mitteilen.

Ähnlich geht das WILA-Projekt „Terrifica“ vor. Auch hier werden in sechs Pilotregionen Bürger*innen beteiligt, um gemeinsam das Problem Klimawandel und seine Auswirkungen anzugehen. Nach dem Crowdmapping-Prozess folgten inzwischen Workshops, um gemeinsam mit den jeweiligen Bürger*innen sowie Vertreter*innen der Kommunen zu überlegen, wie man kritische Ecken in der Stadt an den Klimawandel anpassen kann.

Die Vorteile eines solchen Citizen Science-Ansatzes sind, dass man die Gesellschaft direkt beteiligt, dass man neues Wissen einholen und – im Forschungsbereich – vielleicht sogar Inspiration für neue Forschungsfragen erhalten kann. So kommt man womöglich auf andere Ideen, die praxisorientiert sind und die Lebensrealität der Menschen betreffen, und sich nicht nur auf Messwerte stützen. 

Breite Einsatzmöglichkeiten

Auch für Fachkräfte aus dem Bereich Kultur können Crowdmapping einsetzen. Das Projekt „Crowdmapping Heimatklang“ startete im Rahmen des europäischen Kulturerbe-Jahrs „Sharing Heritage“ 2018/19. Dabei entstand eine klingende Glockenlandkarte. Ziel des Projektes – das bis heute Jugendgruppen zum Mitmachen einlädt – ist es, Glocken in Deutschland und weit darüber hinaus auf einer digitalen Landkarte zum Klingen zu bringen, mehr über ihre Geschichte zu erfahren und zu verbreiten und Wertschätzung für sie und die eigene Heimat zu vermitteln.

Die Eingabemaske für den Datentransfer findet sich auf der Website createsoundscape.de. Das Vorgehen der Crowdmapper*innen wird dort genau beschrieben und die Eingabe erklärt. Weitere Anwendungsbeispiele finden sich im Bereich Stadtentwicklung oder Stadtum-bau.

Auch hier bietet das Crowdmapping die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung: Erfah-rungen aus der Praxis lassen sich miteinbeziehen, es kann ein Wissensspeicher mithilfe der Bürger*innen aufgebaut werden. Diese können Marker an Orten auf der Karte setzen, mit Kategorien versehen und um Fragen, Anregungen oder Beschwerden ergänzen. Es lassen sich verschiedene Optionen einstellen, Nutzer*innen können auch Bewertungen wie etwa positiv, negativ, zufrieden oder unzufrieden abgeben. Dieser Input wird anschließend ausgewertet, präsentiert und diskutiert.

Kostenlos und datensensibel 

Das gemeinnützige Technologieunternehmen Ushahidi bietet für das Crowdmapping eine kostenlose und frei zugängliche Lösung (Basis-Version) an. Ushahidi bedeutet Zeugnis. Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Kenia 2007 wurde mithilfe der Software eine Website erstellt, mit deren Hilfe Augenzeugenberichte über Gewalt gesammelt wurden. 

Die Software erstellt eine Landkarte, auf denen Menschen ihre an bestimmten Orten gemachten Beobachtungen mitteilen können. Die Eintragungen kann man im eigenen Browser, mit einer Smartphone-App, aber auch per Mail oder via SMS vornehmen. Je nach Voreinstellung werden diese Informationen von Moderator*innen freigegeben.

Auch alternative Kartendienste wie etwa OpenStreetMap lassen sich für die Darstellung verwenden. Die Nutzung ist auf zwei Wegen möglich: Mit einem eigenen Zugang auf den Servern der Software-Trägergesellschaft oder durch Installation auf einem eigenen Webserver. Das Besondere der Software Ushahidi ist ihre datensensible Nutzung.

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