Krönchen richten, weitermachen!
Absagen und fehlende Rückmeldung - die Bewerbungsphase kann ganz schön ernüchternd sein. Daher muss man Wege finden, um den Mut zu erhalten und sich die Motivation nicht nehmen zu lassen.

Krönchen richten, weitermachen!

… sagt sich leicht, aber wenn die Bewerbungen kein Ende nehmen, wird das immer schwerer. Diese Erfahrung hat auch die leitende Redakteurin des WILA Arbeitsmarkt gemacht – und gelernt, sich den Druck zu nehmen.

Erfahrungsbericht: Sabrina Jaehn

Drei Zusagen! Das war das Ergebnis nach einem halben Jahr auf Jobsuche. Sechs Monate, in denen ich immer wieder Mut gefasst hatte und dann doch wieder enttäuscht vor meinen E-Mails saß: „Zu meinem Bedauern muss ich Ihnen mitteilen, dass ich mich bei der Besetzung der Stelle gegen Sie entschieden habe.“ Oder: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir nach der Sichtung der vielen eingegangenen Bewerbungen Ihre Bewerbung nicht berücksichtigen können.“ Oder wenn es zu einem Vorstellungsgespräch gekommen war, mich zum Teil am Telefon die Hiobsbotschaft ereilte, dass es wieder einmal nicht gereicht hatte. Umso erstaunlicher war für mich das Finale dieser scheinbar endlosen Odyssee: Plötzlich war ich es, die sich ein Jobangebot auswählen konnte.

Hart, aber lehrreich

Steckt man in der Bewerbungsphase, die einfach kein Ende nehmen möchte, dominieren zunächst abwechselnd Gefühle der Euphorie und Enttäuschung – und münden zunehmend in Verzweiflung: Wozu die vielen Studienjahre? Weshalb habe ich so viel Kraft und Nerven in einen sehr guten Abschluss investiert? Soll ich mit Masterzeugnis in der Tasche noch das zehnte, möglichst unbezahlte Praktikum absolvieren? Rückblickend lässt sich jedoch feststellen: Man hat einiges in dieser Zeit gelernt.

Das fängt an bei der Auswahl der Stellenangebote. Klar ist: Je länger die Jobsuche dauert, umso mehr Jobs zieht man in Betracht. Ich war irgendwann soweit, dass es mir schon reichte, wenn irgendetwas in Richtung redaktioneller Aufgaben in der Anzeige auftauchte. Ob ein Kulturradiosender, ein Teleshopping-Kanal oder ein Golfmagazin – Hauptsache weiter bewerben. Grundsätzlich ist dieses Vorgehen auch nicht falsch, gerade beim Berufseinstieg kommt man oft nicht umhin, Abstriche bei den eigenen Wunschvorstellungen zu machen.

Entscheidend ist jedoch, die Stelle richtig für sich einzuordnen und die eigenen Erwartungen zu überprüfen: Wenn ich doch am liebsten das aktuelle Werk von Juli Zeh on air besprechen möchte, gelingt es mir dann auch, Begeisterung für das neuste faltbare Bügelbrett zu vermitteln? Und was ist, wenn ich beim Teleshopping-Kanal nicht überzeuge? Wäre das ein großer Einschnitt für meine Karrierepläne?

Niemals persönlich nehmen

Das heißt nicht, dass man sich keine Mühe geben muss bei einer Bewerbung auf eine Stelle, die einem nicht ganz so attraktiv erscheint. Allerdings sollte eine mögliche Absage auch nicht den Weltuntergang bedeuten. Denn das hieße, man nimmt eine Absage persönlich: „Was stimmt nicht mit mir? Noch nicht einmal hier schaffe ich es?“ Dass dabei die eigene Einstellung zur Stelle eine wesentliche Rolle spielen kann, sei dahingestellt; grundsätzlich sollte eine Absage jedoch niemals dazu führen, sich selbst infrage zu stellen.

Da das mit jedem weiteren Fehlschlag aber schwerer fällt, ist es wichtig, sich die Relation immer wieder klar zu machen: Auf eine Stelle können 20, 40, oder auch hunderte Bewerbungen kommen, aber nur eine Person wird den Job kriegen. Natürlich sind alle anderen Bewerber*innen nicht unfähig – also auch ich nicht.

Gerade Stellen, auf die man es eigentlich nicht wirklich abgesehen hat, bieten zudem ein wunderbares „Übungsfeld“. Der Druck, unbedingt überzeugen zu müssen, ist raus. Und plötzlich kommt man über die Präsentation der eigenen Fähigkeiten mit dem Herausgeber des Golfmagazins ins Plaudern, traut sich sogar offen zuzugeben, dass die eigenen Erfahrungen in Sachen Golf nicht über Minigolf hinaus reichen und das eigene Handicap darin bestehe, noch nie einen Golfrasen betreten zu haben. Das kann natürlich das Aus für den Job bedeuten oder aber erfrischend ehrlich rüberkommen, wodurch man im Gedächtnis des potenziellen Arbeitgebers bleibt. Vorsicht, Spoiler: Mir wurde das Volontariat beim Golfmagazin angeboten.

Dem zeig ich es!

Vorstellungsgespräch für Vorstellungsgespräch lernt man so auch, Personaler*innen und Chef*innen besser einzuschätzen und bekommt ein Gefühl für die jeweils passende Gesprächstemperatur: Ist hier ein Scherz förderlich oder eher unangebracht? Ist der Zeitpunkt gekommen, eigene Fragen oder Wünsche zu formulieren, oder warte ich lieber noch ab? Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich: Man darf und muss auch Haltung zeigen – und sollte auf das eigene Bauchgefühl hören. Gelernt habe ich das in einem Bewerbungsverfahren für ein Regionalmagazin bei einem Fernsehsender.

Ziemlich schnell gab mir der Vorgesetzte im Vorstellungsgespräch zu verstehen, dass er mich nicht für qualifiziert genug halte, um bei ihm in die Redaktion einzusteigen. Wozu war ich also eingeladen worden? Doch je provokanter er mir gegenüber wurde, umso mehr dachte ich mir: Dem zeig ich es! Mir wurde die Aufgabe gestellt, spontan zu einer aktuellen politischen Debatte in Form eines Kommentars Stellung zu beziehen.

Selbstverständlich hatte ich mich im Vorfeld über die allgemeine Nachrichtenlage informiert und schmetterte dem Chef einen Kommentar um die Ohren, der sich gewaschen hatte – fundiert und auf den Punkt. Aus seiner Überraschung machte er keinen Hehl und bot mir an, eine Woche zur Probe zu arbeiten.

Während dieser Woche übernahm ich zunächst Recherchearbeiten, für die sich dann kein Mensch interessierte und stellte anschließend mit einer Redakteurin einen Beitrag als Probestück auf die Beine. Die Zeit verging, meine Probewoche war längst abgeschlossen – und ich hatte mehrmals nachgehakt und um Feedback gebeten, als ich eines Abends tatsächlich einen Anruf des Chefs erhielt: Es habe etwas gedauert, aber nun hätte ich den Job.

Ich bedankte mich, bat jedoch zu seiner offensichtlichen Überraschung um Bedenkzeit, da ich noch andere Jobangebote hätte. Natürlich schlug mir bei dieser Antwort das Herz bis zum Hals, aber tatsächlich hatte ich zwei weitere Angebote – und war trotz meines Wunsches, beim Fernsehen zu arbeiten, ins Zweifeln geraten: Wollte ich in einer Redaktion mit solchen Umgangsweisen und offenkundig fehlender Wertschätzung arbeiten?

Erfolg mit Langzeitwirkung

Das komplette Gegenteil hatte ich zudem mittlerweile in einem anderen Vorstellungsgespräch erlebt. Hier wurde ich herzlich empfangen, man sprach mit mir auf Augenhöhe und vermittelte mir, dass man sich tatsächlich für mich und meine Qualifikationen interessierte. Und mehr noch: Während es sich beim Golfmagazin und in der Fernsehredaktion um Einstiegsstellen handelte, ging es hier um eine leitende Funktion. In dieser begleite ich noch immer sehr gerne die Leser*innen des WILA Arbeitsmarkt bei ihrer Jobsuche. Von ihnen erfahre ich regelmäßig aus Zuschriften oder der Bewerbungshotline, wie zermürbend auch für sie die teils lang andauernde Jobsuche ist.

Diese Zeit stellt einen auf eine harte Geduldsprobe und hinterlässt Spuren – aber nicht nur negative. Was auch ich damals nicht sehen wollte: Aus jeder Niederlage lässt sich etwas lernen. Was nach einem schlechten Kalenderspruch klingt, stimmt eben tatsächlich. Es fängt damit an, dass man immer wieder die eigenen Bewerbungsunterlagen anpackt und sein Profil weiter schärft. Jeder noch so gute erste Wurf hat Verbesserungspotenzial und sollte sowieso auf jede Stelle spezifisch angepasst werden. Dabei kann man spielen, sich auch mal was trauen – vielleicht führt ja gerade das Unkonventionelle zum Erfolg.

Sich auszuprobieren hilft aber auch im Vorstellungsgespräch, weil man so nicht nur herausfindet, wie man bestmöglich bei seinem Gegenüber ankommt – sondern auch, was man selbst wirklich möchte, was einem wichtig ist. Und da diese Parameter sich im Laufe des Lebens immer wieder ändern, gilt nicht nur beim Berufseinstieg: Für alle, die Niederlagen in der Bewerbungsphase einstecken und daraus Konsequenzen ziehen, hat das Scheitern einen Trainingseffekt, der sie besser macht – und langfristig das eigene Selbstvertrauen stärkt. Denn von dem guten Gefühl, seinen eigenen Weg gefunden zu haben, profitiert man weit über die Vertragsunterzeichnung hinaus.

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