An einem Strang
Sich gemeinsam für den Umweltschutz stark machen und sich dabei über kulturelle oder internationale Schwierigkeiten hinwegsetzten – darauf zielt das neue EU-Projekt ab, das der WILA beantragt hat.

An einem Strang

24 Partner aus 17 Ländern sind an dem EU-Projekt beteiligt, dass Norbert Steinhaus kürzlich beantragt hat. Statt sich von kulturellen Unterschieden beeindrucken zu lassen, zählt für ihn, sich für den Umweltschutz stark zu machen.

Text: Janna Degener-Storr

Agrarwissenschaftler Norbert Steinhaus ist seit vielen Jahren in EU-Projekten für den Wissenschaftsladen Bonn aktiv. Foto: privat

Norbert Steinhaus arbeitet seit 34 Jahren für den Wissenschaftsladen Bonn, seit 22 Jahren als Koordinator in internationalen Projekten. In dieser Zeit hat er gemeinsam mit internationalen Kooperations- und Netzwerkpartnern schon unzählige EU-Projekte beantragt und umgesetzt, in denen partizipative Ansätze rund um Umweltschutzthemen umgesetzt wurden. Die aktuelle politische Situation stellt auch seine Arbeit vor neue Herausforderungen.

Lösungen finden

Ein Partner aus Belarus, eine NGO, wurde im Juli nach staatlicher Verordnung aufgelöst. Norbert Steinhaus versucht jetzt, die Arbeit sicherzustellen und dabei die Bedürfnisse der Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren. „Natürlich wollen die belarussischen Kolleginnen und Kollegen an dem Projekt weiterarbeiten. Hinzu kommt, dass die Verdienstmöglichkeiten in ihrem Land nicht wirklich gut sind. Aber sie haben im Prinzip keine Legitimation mehr. Durch den Krieg mit der Ukraine und die Rolle, die Belarus dabei spielt, hat sich die Situation noch verschärft“, erklärt der Projektkoordinator.

Als Mitarbeiter eines Vereins kann er auf dieses Problem schneller reagieren, als es beispielsweise Kolleg*innen einer Universität möglich wäre, die in eher starre Rahmenbedingungen eingebunden sind. Diese Flexibilität nutzt er, um im Gespräch mit den Ansprechpartner*innen bei der EU-Kommission Lösungen zu suchen: Ist es beispielsweise möglich, Verträge mit Einzelpersonen zu schließen, die dann Workshops mit lokalen Akteuren durchführen? Improvisationsbereitschaft ist aber nicht nur in der aktuellen Lage gefragt, sondern prägt auch den gewöhnlichen Arbeitsalltag des Projektkoordinators, gerade in der Kommunikation.

Als Verkehrssprache zwischen den internationalen Partnern dient Englisch. Aber es gibt immer mal einige Mitarbeiter*innen, die diese Sprache nicht so gut beherrschen – und dann springen eben andere als Übersetzer*innen ein, oder es werden entsprechende Tools genutzt. Norbert Steinhaus sieht das nicht als Problem, ganz im Gegenteil: „Ich mag es, den Einschlag der unterschiedlichen Muttersprachen in der englischen Kommunikation zu hören und habe inzwischen zum Beispiel den Akzent der österreichischen Kolleg*innen selbst dann im Ohr, wenn ich E-Mails von ihnen lese. Für die Arbeit spielt das keine Rolle. Denn wenn Menschen mit einem bestimmten Fachwissen zu einem Thema zusammenarbeiten, wissen sie, worüber sie reden“, sagt der 62-Jährige, der lange in Bonn gelebt hat und jetzt in einem Dorf bei Hennef wohnt.

Menschen kennenlernen

Ebenso nimmt er es mit einem Schmunzeln zur Kenntnis, wenn den mitteleuropäischen Kolleg*innen bei einem Projektmeeting spätestens um neunzehn Uhr der Magen in der Kniekehle hängt, während die spanischen Mitarbeiter*innen das Abendessen erst für einundzwanzig Uhr eingeplant haben. Bei „schwierigeren“ Themen versucht der studierte Agrarwissenschaftler vor allem zuzuhören, ohne sich einzumischen.

„Viele serbische Kolleginnen und Kollegen haben ein starkes Nationalbewusstsein, was sich auch in ihrer Einstellung zur südosteuropäischen Länderkonstellation und der Beziehung zu Bosnien-Herzegowina widerspiegelt. Und mit Amerikaner*innen würde ich nur sehr vorsichtig über ihren Präsidenten diskutieren. Denn das gehört einfach nicht zur Arbeit“, sagt er.

Er habe zum Beispiel Vorbehalte gehabt, bevor er nach Brunei Darussalam oder Belarus gefahren sei. Doch dann habe er da wunderbare Menschen kennengelernt, die auf eine bestimmte Art und Weise alle gleich waren. „Wir wollen unsere Arbeit, unser Einkommen, unsere Familien gesichert haben. Wir wollen Lösungen für Umweltprobleme finden. Und dabei ist es egal, ob wir Amerikaner, Australier, Filipinos, Russen, Deutsche, Dänen oder Engländer sind“, sagt Norbert Steinhaus, der auf diese Art und Weise Freund*innen in aller Welt gefunden hat.

Unterschiedliche Arbeitsweisen oder Organisationsstrukturen hat er in der multinationalen Zusammenarbeit kaum als Herausforderung erlebt. Der Wissenschaftsladen Bonn arbeite mit seinen internationalen Partnern kollegial und hierarchiefrei zusammen, erzählt Norbert Steinhaus: „Wir einigen uns im Vorfeld auf Ideen und Tätigkeiten, halten dies in den Verträgen und Arbeitsbeschreibungen fest und diskutieren, wie die Dinge umzusetzen sind. Dabei finden wir eigentlich immer einen Konsens. Und wenn es in der Vergangenheit mal Aspekte gab, die auf übergeordneter Ebene gelöst werden mussten, hat die EU-Kommission sich als sehr kooperativ gezeigt. So konnten wir die Arbeitsergebnisse sichern.“

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