Strategien für die Schulen
Viele Schüler und Schülerinnen sind auch heute auf Unterstützung angewiesen. Diese möchte ihnen der Forschungsverband „Schule macht stark“ bieten.

Strategien für die Schulen

Die Bund-Länder-Initiative „Schule macht stark“ hat das Ziel, sozial benachteiligte Schüler*innen bestmöglich zu fördern. Oscar Yendell von der Universität Mannheim ist für die Kommunikation zwischen Schulen und Forschungsverbund verantwortlich.

Text: Maike von Haas

Oscar Yendell ist selbst der Bildungsaufstieg gelungen. Daher engagiert er sich für mehr Bildungsgerechtigkeit. Foto: privat

Oscar Yendell hat sich der Bildungsgerechtigkeit verschrieben. Er arbeitet mit im auf zehn Jahre angelegten Forschungsverbund „Schule macht stark“ (SchuMaS). Dieser wurde deshalb zusammen von Bund und Ländern entwickelt – und wird von ihnen finanziert –, weil Schülerinnen und Schüler aus sozial schwierigen Lagen immer noch schlechtere Leistungen vorweisen als gleichaltrige Kinder.

Ausgehend von 13 wissenschaftlichen Einrichtungen sollen nun mit SchuMas Schulen dabei unterstützt werden, sich so auszurichten, dass die Schüler*innen sich Wissen aneignen und Fähigkeiten entwickeln können, um mit oder trotz der herausfordernden Ausgangsbedingungen ihren eigenen Weg zu gehen.

Das Projekt sieht vor, dass Oscar Yendell und seine Kolleg*innen in der ersten Phase von 2021 bis 2025 mit 200 Schulen Konzepte und Lösungen entwickeln. In einer zweiten Phase von 2026 bis 2030 sollen die Ergebnisse auf möglichst viele weitere Schulen übertragen werden. Die zentralen Forschungseinrichtungen, die hauptsächlich in Universitäten angesiedelt sind, bilden hier die Schnittstelle zwischen Praxis und Wissenschaft, zwischen den 200 Schulen und der Forschung.

Forschung und Praxis

Eines der vier bundesweiten SchuMaS-Regionalzentren ist die Universität Mannheim. Von der dortigen Fakultät für Sozialwissenschaften aus betreut Oscar Yendell acht Schulen. Er arbeitet im Team mit vier Kolleg*innen zusammen: „Zu meinen Aufgaben gehört der Aufbau eines Netzwerks für Schulleitungen und Lehrpersonal. Ich moderiere vier Treffen im Jahr, die in Rotation an den beteiligten Schulen stattfinden. Dabei bin ich dafür zuständig, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, damit wir über übergreifende Probleme und Lösungsansätze an den Schulen sprechen und Ziele und Visionen entwickeln können.“

Themenschwerpunkte sind die Unterrichtsentwicklung in Deutsch und Mathe, die Schulentwicklung, die Elternkommunikation, die Sozialraumorientierung und außerschulische Kooperationen. Im Fokus steht auch die Professionalisierung von Lehrer*innen, unter anderem zu der Frage, wie sie trotz herausfordernden Situationen achtsam mit Schüler*innen und Eltern und ressourcenschonend mit sich selbst umgehen können.

Die Zusammenarbeit mit jeder einzelnen Schule hat mit einer Basiserhebung begonnen: Oscar Yendell hat standardisierte Interviews durchgeführt und sich die Schulen zeigen lassen. Zudem wurde eine quantitative Befragung durchgeführt. So konnten er und sein Team im Anschluss Strategien und Ansätze von SchuMaS auf die Bedürfnisse vor Ort anpassen.

Parallel zu seiner Zwei-Drittel-Stelle bei SchuMaS promoviert Oscar Yendell über Stereotype von Lehrer*innen in Bezug auf Kinder aus dem Hartz-IV-Bezug. Sein Arbeitsvertrag läuft über einen für die Forschung sehr langen Zeitraum: „Es ist mein Glück, dass ich einen Arbeitsvertrag über fast fünf Jahre habe, sodass ich auch mehr Zeit für die Doktorarbeit habe.“

Biografischer Bezug

Studiert hat Oscar Yendell im Bachelor Bildungswissenschaften und im Master Trans-formationsstudien, beides an der Europa Universität Flensburg. Sein Fokus auf mehr Bildungsgerechtigkeit hat auch den Hintergrund, dass er selbst in Armut aufgewachsen ist: „Ich bin zweimal sitzengeblieben und vom Gymnasium geflogen. Das Abitur habe ich im zweiten Bildungsweg gemacht.

Im Studium habe ich mich unter anderem bei Arbeiterkind.de engagiert, und ich habe einen recht guten Bachelorabschluss in der Regelstudienzeit absolviert. So wurde ich im Master in die Begabtenförderung der Stiftung der deutschen Wirtschaft aufgenommen. Obwohl mir dieser Bildungsaufstieg – auch durch glückliche Zufälle – gelungen ist, sehe ich, dass vielen Gleichaltrigen meines Herkunftsmilieus dieser Aufstieg nicht ermöglicht wurde.“

Seine Arbeit findet Oscar Yendell sehr vielfältig, und er genießt vor allem die Kombination aus praxisnahen Aufgaben und inhaltlicher Forschungstätigkeit. Dennoch steht er mit dem Projekt vor großen Herausforderungen, denn die prekäre Lage an den Schulen ermöglicht nicht immer eine optimale Umsetzung der Ansätze des Forschungsverbundes: „Die Schulen sind teilweise unterfinanziert und unterbesetzt. Dies hat wiederum zur Folge, dass Lehrer*innen oft nicht an Schulen in herausfordernden Lagen arbeiten wollen. Vielen der Schulen in meinem Netzwerk fehlen wöchentlich mehrere Stunden in der Unterrichtsversorgung. Diese Zeit fehlt auch den Schüler*innen. Das ist ein Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt“, fordert Oscar Yendell. Es bleibt noch viel zu tun, um Bildungsgerechtigkeit Realität werden zu lassen.

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