Führungspersönlichkeiten gesucht
Das Handwerk ist ein großer Berufsbereich mit vielen Möglichkeiten, auch für Akademiker*innen.

Führungspersönlichkeiten gesucht

Im Handwerk herrscht Fachkräftemangel – in der Praxis und in der Betriebsführung. Die Branche bietet auch für Akademiker*innen spannende Arbeitsfelder und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Interview: Stefanie Schweizer

Dr. Peter Weiss ist Leiter der Abteilung Gewerbeförderung im Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) Foto: privat

WILA Arbeitsmarkt: Was ist alles Handwerk?
Dr. Peter Weiss: Das Handwerk ist ein breit gefasster Wirtschaftsbereich – grob unterteilt umfasst er sieben Gewerbegruppen, hinter denen sich rund 130 Ausbildungsberufe verbergen. Handwerkerinnen und Handwerker finden sich im Bauwesen, im Ausbaugewerbe, in gewerblichen Bereichen wie dem Metallbau, im Kfz-Bereich, im Gesundheitsbereich – etwa der Hörakustik oder Orthopädietechnik –, im Lebensmittelbereich wie den Bäckereien und im Bereich privater Dienstleistungen, etwa bei den Friseurinnen und Friseuren.

Welche akademischen Fachkräfte werden im Handwerk gebraucht?
Absolventinnen und Absolventen hochschulischer Bildungsgänge machen bislang etwa vier Prozent der Beschäftigten im Gesamthandwerk aus. In den kommenden fünf Jahren stehen allein im Handwerk rund 125.000 Betriebsnachfolgen an, also Führungspositionen par excellence. Derzeit haben von den Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhabern im Handwerk rund 12 Prozent einen Hochschulabschluss.

Wie steigen akademische Fachkräfte ins Handwerk ein?
Absolventinnen und Absolventen mit einem Studienschwerpunkt, der einem bestimmten Handwerk inhaltlich entspricht, haben in jenem Gewerk gute Beschäftigungschancen und können sich dort auch mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen. Wer sein Studium nicht beendet hat, kann über eine Berufsausbildung schnell einen guten Einstieg in alle Handwerksberufe finden. In den meisten Fällen lässt sich die Ausbildung sogar auf bis zur Hälfte der regulären Dauer verkürzen. Danach steht der Weg zu höheren Abschlüssen wie dem Handwerksmeister beziehungsweise dem Bachelor Professional oder auch dem Master Professional offen.

Mit welchen Soft Skills können Fachkräfte punkten?
Generell muss Talent für die praktische Umsetzung von Arbeitsaufgaben genauso vorhanden sein wie die Fähigkeit, komplexere Sachverhalte zu durchblicken und Lösungen für immer wieder etwas anders gelagerte Probleme zu finden. Teamgeist und eine gute Kommunikation sind in den oft kleinen Handwerksbetrieben natürlich auch sehr wichtig, damit der Betrieb insgesamt funktioniert.

Haben nur Ingenieur*innen gute Karten im Handwerk oder auch Generalist*innen?
Da viele Handwerke sehr MINT-geprägt sind, haben Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit entsprechenden Studiengängen sicherlich eine größere Nähe zum Handwerk. Besonders in größeren Handwerksbetrieben werden aber auch Generalistinnen und Generalisten gebraucht – sei es im Projektmanagement, zur Unterstützung der digitalen Transformation oder zur Erschließung neuer Märkte und Zielgruppen.

Was erhofft sich die Handwerksbranche von Akademiker*innen?
An Akademikerinnen und Akademikern schätzen Handwerksbetriebe, dass sie es gewohnt sind, theoretische Sachverhalte schnell zu durchdringen und sie in der Regel mit dieser Herangehensweise an die inzwischen immer komplexeren Aufgaben herangehen, um die bestmögliche Lösung zu finden.

Die rasante technologische Entwicklung verlangt Auszubildenden in vielen Berufen heutzutage gerade in Bezug auf komplexe Sachverhalte Einiges ab. Unter vielen Menschen mit Hochschulerfahrung ist zudem die Bereitschaft zu finden, Teams anzuführen und Verantwortung zu übernehmen. Hier liegt bei entsprechender Qualifizierung natürlich ein großes Potenzial an möglichen Betriebsnachfolgerinnen und -nachfolgern.

Gibt es neben der Betriebsleitung auch Positionen im Angestelltenverhältnis, die akademische Fachkräfte im Handwerk bekleiden können?
Neben der Vielzahl kleinerer Betriebe gibt es im Handwerk auch zehntausende mittlere und größere Unternehmen. Dort finden sich zahlreiche Positionen in kaufmännischen, aber auch in technischen Bereichen auf mittleren oder oberen Leitungsebenen, die beste Verdienst- und Karrierechancen bieten.

Gerade bei Betriebsübernahmen können auch Tandem-Lösungen attraktiv sein, also die Kombination aus kaufmännischer Geschäftsführung durch Akademikerinnen oder Akademiker und fachlicher Leitung durch Meisterin oder Meister.

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