Vernetzung von Wissenschaftlerinnen
Das Fellowship-Programm ZIA vernetzt und fördert Forscherinnen an Hochschulen – unabhängig von ihrer akademischen Fachrichtung. Lara Weitzel promoviert in Kulturmanagement und hat an dem einjährigen Fellowship teilgenommen. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen.
Interview: Daniela Obermeyer
WILA Arbeitsmarkt: Was hat Sie dazu bewogen, sich für das Fellowship zu bewerben?
Lara Weitzel: Das ZIA-Programm fördert die Teilnehmerinnen nicht mit Geld, sondern mit Wissensaustausch und Vernetzung – und genau das habe ich gesucht. An der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar), an der ich in Kooperation mit der Hochschule für Musik Saar promoviere, sind wir im Fachbereich ein sehr kleines Team. Ich habe mir mehr Austausch gewünscht, und zwar nicht nur auf fachlicher, sondern auch auf organisatorischer Ebene. Denn neben der Promotion bin ich als Lehrkraft für besondere Aufgaben angestellt. Ich unterrichte unter anderem Kulturpolitik, -soziologie und -marketing.
Allerdings hatte ich bis dahin relativ wenig Erfahrung im Wissenschaftsbetrieb, mehr aus der Praxis. Ich stamme aus einer sehr musikalischen Familie und habe nach der Schule ein FSJ Kultur bei den Duisburger Philharmonikern gemacht. Nach dem Bachelor in Musikmanagement und dem Master in Kulturmanagement war ich unter anderem bei den Bochumer Symphonikern und habe auch an der Ruhrtriennale mitgearbeitet.
Was hat Sie bei ZIA noch angesprochen?
Mir gefällt, dass das Programm für unterschiedliche Karrierestufen offen ist: Von der Promovierenden bis zur Juniorprofessorin kann jede Interessierte mitmachen. Der Vorteil einer reinen Frauengruppe ist zudem, dass alles sehr nah an den Bedürfnissen von Frauen ausgerichtet ist, beispielsweise wenn es um das Thema „Kind und Karriere“ geht.
Wie ist das Fellowship aufgebaut?
Das Programm beginnt immer im Herbst und dauert ein Jahr. Zum Start und Kennenlernen gab es ein großes Auftaktevent in Berlin. Dazu werden auch die ZIA-Fellows der vergangenen Kohorten eingeladen. Über das Jahr verteilt gibt es vier Präsenzveranstaltungen in Berlin und Hamburg mit verschiedenen Workshops, unter anderem zu Rhetorik, Sichtbarkeit in den Medien oder Wissenschaftsjournalismus. Hinzu kommt monatlich ein Online-Treffen, bei dem Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Fachbereichen Impulse vermitteln: Sei es zu Machtstrukturen an der Hochschule oder zum Thema Wissenschaftskommunikation. Außerdem haben die ZIA-Fellows kostenlosen Zugang zu sämtlichen digitalen Kursangeboten der ZEIT Akademie.
An was erinnern Sie sich aus Ihrem Fellowship-Jahr besonders gerne?
Die Auftaktveranstaltung in Berlin ist mir auf jeden Fall im Gedächtnis geblieben. Das erste Aufeinandertreffen dieser 26 tollen Frauen – so viele waren wir in meiner Kohorte 2024/2025 – ist eine Wucht! Prinzipiell hat mir auch sehr gut gefallen, dass alles bedarfsorientiert ausgerichtet ist, sodass sich beispielsweise die Tierärztin etwas anderes heraussuchen kann als die Kulturwissenschaftlerin. Die Mischung aus analogen und digitalen Angeboten fand ich auch sehr gut. Alles in allem hat es sich nie nach zwanghaftem Netzwerken angefühlt.
Was nehmen Sie langfristig mit für Ihre Wissenschaftskarriere?
Ich habe beispielweise erfahren, wie Dinge an anderen Hochschulen laufen, und kann diese neue Perspektive an meine Studierenden weitergeben. Ich habe neue spannende Methoden kennengelernt, etwa das Format „Walk and Talk“: Beim großen ZIA-Kongress in Berlin haben wir uns bei einem Spaziergang in kleinen Gruppen zu vorher erarbeiteten Themen ausgetauscht. In meiner Gruppe ging es zum Beispiel um soziale Gerechtigkeit. Zu einigen ZIA-Fellows ist der engere Kontakt über das Programm hinaus erhalten geblieben. So habe ich beispielsweise eine Fellow kennengelernt, die in der Konsumforschung arbeitet. Das ist für mich fachlich spannend, aber auch privat schön, weil wir beide Musikerinnen sind. Kontakte ins Ausland haben sich dadurch ebenfalls ergeben, zu Wissenschaftlerinnen in der Schweiz, in Kanada oder Großbritannien. Das Programm war einfach sehr bereichernd auf allen Ebenen: fachlich, methodisch und menschlich.
Welche Tipps haben Sie für Interessierte, die sich bei ZIA bewerben möchten?
Die Bewerbung an sich ist nicht aufwändig: Ein Kurzlebenslauf und ein Motivationsschreiben per E-Mail reichen. Wichtig ist einfach zu unterstreichen, dass und warum man an Netzwerken und Austausch interessiert ist. Und man darf ruhig selbstbewusst sein: Interessierte brauchen sich nicht die Frage zu stellen, ob sie überhaupt in das Programm passen würden. Es sind alle Perspektiven und Karrierestufen erwünscht und willkommen! Die Projektkoordinatorinnen sind zudem sehr hilfsbereit und man kann sich mit allen Fragen an sie wenden, ebenso an uns ehemalige Fellows.

